Die Briten haben eine Tradition, um die wir Kontinentalen sie nur beneiden können: Seit Jahrzehnten produziert die BBC, also das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Großbritannien, Science-Fiction-Serien im Allgemeinen und humoristische Science-Fiction-Serien im Speziellen, etwa die Douglas-Adams-Adaption „Per Anhalter durch die Galaxis“ oder die urkomische Lost-in-Space-Comedy „Red Dwarf“. Als jüngster Spross reiht sich nun „Hyperdrive“ in den Reigen ein, eine Serie, die es auf der Insel bereits auf zwei Staffeln gebracht hat und die hierzulande nun erstmals auf DVD vorliegt.
von Frank Stein
Hinter der Serie stecken die Macher von „Little Britian“, und die Hauptrolle des sich ewig selbst überschätzenden Space Commander Henderson hat kein Geringerer als Nick Frost inne (der Welt spätestens seit der Zombie-Humoreske „Shaun of the Dead“ und dem Kleinstadt-Cop-Flick, „Hot Fuzz“ ein Begriff). Erzählt wird die Geschichte der Crew des britischen Raumschiffs „HMS Camden Lock“, das unterwegs ist, um neue Welten zu entdecken und neue Zivilisationen – und sie dann von den Vorzügen der britischen Kultur zu überzeugen. („Wie wäre es, wenn die Sternenflotte nicht nur von Earl-Grey-Tee trinkenden und Shakespeare zitierenden Amerikanern betrieben würde, sondern wirklich von Briten“, soll die Frage gewesen sein, die für die Macher am Anfang stand.)
Wie es für eine britische Serie nicht anders zu erwarten ist, sind die Charaktere allesamt völlig normale, um nicht zu sagen unansehnliche und neurotische Figuren, die den Job in den Weiten des Alls kaum weniger aufgeregt angehen, als würden sie jeden Morgen in das Büro einer Kartonagefabrik in Islington gehen. (Gelackte und gedrillte Vorzeigeoffiziere wie an Bord der „Enterprise“ sucht man jedenfalls vergeblich.) An der Spitze steht der bereits erwähnte Space Commander Michael „Mike/Hendo“ Henderson, im Herzen ein guter Kerl, doch – wie so viele tragische Helden der BritCom – immer wieder viel zu sehr von seinen Fähigkeiten überzeugt, um wirklich überzeugend zu wirken. Ihm zur Seite stehen der erste Offizier York, ein Waffenfetischst mit leicht sadistischer Ader, der keine Gefangenen macht und überall die Alieninvasion des Tages vermutet, sowie die Chefdiplomatin des Schiffes, Officer Teal, eine Wuchtbrumme von einer Frau, die am liebsten mit Tabellen und Checklisten herumläuft und unsterblich (aber leider unbemerkt) in ihren Vorgesetzten verliebt ist.
Komplettiert wird der Cast durch den leicht verhuschten Astrogator Mr. Vine, den rebellischen Ingenieur Mr. Jeffers und – auch das wieder typisch britische SF – die „Optimierte“ Sandstrom, eine junge Frau, die sich (wie angedeutet wird: unfreiwillig) einer komplexen neurologischen Behandlung unterzogen hat und nun eine Art halb menschliches, halb artifizielles Steuer-Interface zwischen Crew und Raumschiff bildet, das im hinteren Brückenbereich mit laszivem Eifer in einem Halbkreis leuchtender Stangen herumturnt und dadurch die „HMS Camden Lock“ durch die Tiefen des Alls manövriert. (Kurioserweise – das sei nur angemerkt – sind alle Kadetten der „Camden Lock“ gutaussehende, hippe Jugendliche, die es auf dem Kadettenball mit Sex, Drugs und Gruppenkotzen auch gerne mal krachen lassen – eine augenzwinkernde Umkehrung der Verhältnisse bei „Star Trek TNG“, wo ein gewisser Wesley Crusher als der uncoolste, langweiligste und bravste Teenager zwischen dieser und der fernen Seite der Galaxis dargestellt wurde.)
Apropos „hip“. Optisch – das muss man der Serie zugestehen – wird durchaus was geboten. Wer ältere BBC-Produktionen kennt, der weiß, dass (gerade in der SF) meist die Figuren im Vordergrund stehen, während die Effekte und das Set-Design nur als Bonus betrachtet werden – um es wohlwollend auszudrücken. Im vorliegenden Falle merkt man, dass Digitaleffekte heute wirklich erschwinglich geworden sind. Die „Camden Lock“ ist ein durchaus ansehnliches Schiff. Und auch das Set-Design kann sich sehen lassen. Vom Captain's Chair, über die leuchtenden Touch-Screen-Konsolen der Crew, bis hin zu schicken Gängen, die natürlich nirgendwohin führen, findet sich an Bord alles, was man vom gemeinen Raumfahrzeug so erwartet. Na schön, die Aliens-der-Woche sehen kurios, um nicht zu sagen grotesk, wie eh und je aus – aber alles in allem erkennt man durchaus den „Science“-Aspekt neben der „Fiction“.
Der Humor ist von britischer Eigenwilligkeit. Nicht explizit auf Lacher ausgelegt, balancieren die Situationen, in die sich die kosmische Loser-Truppe regelmäßig manövrieren, stets auf dem schmalen Grad zwischen Tragik und Komik. Wenn die plumpe Teal sich etwa wie ein Weihnachtsbaum herrichtet, um ihren Schwarm Henderson beim Offiziersdinner zu beeindrucken (für das sie wohlweislich alle anderen Führungsoffiziere zuvor aus dem Verkehr gezogen hat), und diesen dann unbeholfen umgarnt, während selbiger genüßlich und voller Ignoranz Erdnuss-Flips goutiert, weiß man nicht, ob man lachen oder Mitleid haben soll. Der gradlinigste Garant für überzogene Satire (hier auf raumfahrende Militaristen) ist da noch der Wadenbeißer York, der nichts lieber will, als die „Camden Lock“ in seine Gewalt zu bringen und nach seinem harten Vorbild zu formen – nur um dann, als er tatsächlich die Chance dazu erhält, völlig zu versagen.
Fazit: Wie kann man „Hyperdrive“ in einem Wort zusammenfassen? „Exzentrisch“ vielleicht. „Skurril“ möglicherweise. „Very british“ – das trifft es wohl am Besten (auch wenn das zwei Worte sind).
Hyperdrive – Die komplette erste Staffel
GB 2006
Regie: John Henderson
Darsteller: Nick Frost (Commander Henderson), Kevin Eldon (York), Miranda Hart (Teal), Dan Antopolski (Jeffers), Stephen Evans (Vine), Petra Massey (Sandstrom)
Vertrieb: polyband
Erscheinungsdatum: 30.05.2008
Länge: 180 min.
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)
Tonformat: Deutsch, Englisch (Dolby 2.0)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: The Story of „Hyperdrive“, Creating the World of „Hyperdrive“, Deleted Scenes, Miranda’s Tour of the Set, Video Diary, Behind the Scenes with Nick Frost
Preis: EUR 14,95
bei amazon.de bestellen
Es gibt viele Blogs, die sich Fantasy-Themen widmen. Dieses Blog soll ganz der Science-Fiction in all ihren Spielarten gewidmet sein. Vor allem werde ich hier Buchrezensionen einstellen, aber auch gelegentlich solche von Filmen oder Brettspielen. Und mal sehen, was mir noch so einfällt.
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Dienstag, 1. Juli 2008
Freitag, 1. Februar 2008
Transformers (2-Disc Special Edition / Steelbook)
Stell dir vor, du kaufst dein erstes Auto, so eine leicht schrottige, gelbe Schüssel, und auf einmal entwickelt die Karre ein Eigenleben, stellt im Radio Schmusesongs ein, als du durch einen glücklichen Zufall deine Traumfrau nach Hause kutschieren darfst, und hat plötzlich einen Motorschaden, als ihr am romantischsten Aussichtspunkt der Stadt vorüberollt. Aber, nein, auch wenn dir der Gedanke vielleicht kommen mag: Du hockst nicht am Steuer von Dudu, dem Wunderkäfer auf Freiersfüßen. Du sitzt im Inneren eines getarnten außerirdischen Roboters, eines Autobots, der auf die Erde gekommen ist, um nach einem mächtigen Artefakt zu suchen. Klingt unglaubwürdig? Ist aber so. Zumindest im Universum der „Transformers“!
von Frank Stein
Spielzeug auf der großen Leinwand
Der Siegeszug der „Transformers“ begann 1984 als Kooperation der Spielzeugfirmen TakaraTomy (Japan) und Hasbro (USA). Gemeinsam stellte man Spielzeugroboter aus Plastik her, die sich mit wenigen Handgriffen in Autos, Flugzeuge, Panzer oder was auch immer verwandeln ließen. Um den Verkauf der Action-Figuren anzuheizen, wurde noch im gleichen Jahr eine Zeichentrickserie entwickelt, die dem Spielzeug eine Hintergrundgeschichte verlieh und die Fans durch seinen actionlastigen Gut-Böse-Konflikt zwischen den friedfertigen Autobots und den fiesen Decepticons zum Kauf animieren sollte.
Mittlerweile sind mehr als 20 Jahre vergangen und das Franchise ist regelrecht explodiert. In den Regalen von Sammlern stapeln sich die Roboterfiguren zuhauf, und zahlreiche Comics, Computerspiele sowie diverse Zeichentrick-Serien betten das Spielzeug in ein fiktives Universum ein. So war es letztlich nur eine Frage der Zeit – und der tricktechnischen Möglichkeiten –, bis die „Transformers“ auch den Sprung auf die große Leinwand machen würden (als Realverfilmung wohlgemerkt). 2007 war es endlich so weit. Unter der Regie von Action-Regisseur Michael Bay („Bad Boys“, „Die Insel“) kam „Transformers“ als Sommer-Event-Movie im Stil von „Independence Day“ oder „Armageddon“ in die Kinos.
Ein Junge und sein Auto
„Transformers“ wird grob in drei parallelen Handlungssträngen erzählt, die letztlich zusammenführen. Zunächst wären da Captain William Lennox (Josh Duhamel) und seine Truppe, die auf einer US-Basis in Katar stationiert sind, welche zu Beginn von den Decepticons Blackout und Scorponok angegriffen wird. Als einzige Überlebende des Erstkontakts werden Lennox und Co praktisch zu Veteranen im Kampf gegen die Roboter und gehen fürderhin mit Allem, was das Waffenarsenal der US-Army hergibt, gegen die Feinde vor.
Die Anwesenheit der Techno-Wechselbälger auf der Erde, so erklärt uns übrigens Autobot-Anführer Optimus Prime noch im Vorspann, ist die Suche nach dem Allspark, einem Artefakt, das Maschinen Leben spenden kann und das dem Heimatplaneten der Robots, Cybertron, einst zu Blüte verhalf – bevor der Krieg der Decepticons unter dem Ursupator Megatron gegen die Autobots von Optimus Prime die Welt verwüstete und der Allspark im Weltraum verloren ging.
Aus dem einzigen Hinweis auf den Angreifer von Katar, einem seltsamen Signalmuster, ergibt sich Handlungsstrang zwei um die junge Analystin Maggie Madsen (Rachael Taylor), die mit zahlreichen Kollegen vom Verteidigungsminister John Keller (einem rüstigen Jon Voight) angeheuert wird, die Natur der aus dem Nichts aufgetauchten Feinde zu ermitteln. Diese bittet ihren Hacker-Kumpel Glen Whitman (Anthony Anderson) um Hilfe, dessen größte Leistung allerdings später darin bestehen soll, einen Computer mit einem Funkgerät zu koppeln.
Im Zentrum der Geschichte steht allerdings der junge Sam Witwicky (Shia LaBeouf), der von seinem Dad ein Auto geschenkt bekommt, das sich als außerirdischer Roboter entpuppt. „Wer hätte das gedacht?“, kalauert Sam in einer Szene. Natürlich hat sich Bumblebee, so der Name des Scouts der Autobots, Sam nicht ohne Grund ausgewählt, denn der Junge besitzt die Brille seines Großvaters, auf die vor vielen Jahren aus fantastischen Gründen der Fundort des Allsparks auf der Erde eingeätzt wurde, wo dieser einst abstürzte. Der Krieg, in den Sam durch seinen fahrbaren Untersatz hineingezogen wird, hat die vorhersehbaren Folgen: Der Loser wird zum Helden und kommt mit dem schönsten Mädel der Highschool, der umwerfenden Mikaela (Megan Fox), zusammen. (Lucky Bastard!)
Locker 100x cooler als Armageddon
„Transformers“ ist vor allem zweierlei: krachend laut und ein Feuerwerk der Effekte. Kritiker mögen zu Recht die teilweise echt bescheuerten Dialoge, die arg gradlinigen Charaktere, den stellenweise kruden Humor und das eine oder andere Plotloch bemängeln. Zudem will sich aufgrund von einem Dutzend Roboter, die sich in einer fiktiven Stadt unweit des Hoover Dams in Nordamerika die Hucke vollhauen das Gefühl einer Bedrohung von globalen Größenordnungen nicht wirklich einstellen. (Auch wenn dies gelegentlich durch die Erwähnung internationaler Spannungen nach dem Angriff auf Katar forciert werden soll – ein globales Event-Movie muss ja irgendwie globale Relevanz haben...)
Aber ein Großteil der Kritik zielt an der Absicht von „Transformers“ vorbei. „Transformers“ ist wie „Independence Day“ oder „Armageddon“ (bzw. „100x cooler als Armageddon“, wenn man dem augenzwinkernden Ausruf, den die Autoren einem Beobachter der Autobot-Ankunft in den Mund gelegt haben, Glauben schenken darf). Mit seinen phänomenalen CGI-Effekten ähnelt der Film einer Achterbahnfahrt mit vierfachem Looping und Superwirbel, und wer hat sich je über den mangelhaften intellektuellen Anspruch einer Freizeitpark-Fahrtattraktion beschwert?
Abgesehen davon gelingt es Shia LaBeouf als überdrehtem Teenager, die Sympathien der Zuschauer zu gewinnen, und dass, obwohl er gegen 10 Meter hohe Kampfroboter anspielen muss, die Dirty Harry zitieren. Und wer sich schon immer gefragt hat, wozu ein DVD-Spieler eigentlich eine Zeitlupenfunktion hat, erhält die Antwort, sobald Megan Foxs Mikaela mit aufreizend kurzem Rock in Sams Leben spaziert.
Edler Silberling
Man mag über den Film denken, was man will, die DVD-Edition jedenfalls lässt kaum Wünsche offen. Äußerlich kommt die 2-Disc DVD-Edition im edlen schwarzen Steelbook daher, auf dessen Vorderseite ein stilisierter Autobotkopf und auf dessen Rückseite ein stilisierter Decepticonkopf geprägt wurde (wenn man den mit drei Klebepunkten befestigten Infozettel ablöst). Das Innere ist schmucklos: Ein Booklet gibt es nicht, und die DVDs sind in schlichtem Grau gehalten.
Das Bonusmaterial ist überschaubar, aber von erlesener Qualität. Auf Disc 1 kann man Regisseur Michael Bay zuhören, der mit Begeisterung den Hauptfilm kommentiert und dabei wirklich sehr viel zu sagen hat. Auf Disc 2 schließlich befindet sich eine lange Dokumentation, die in die einzelnen Teile „Unsere Welt“, „Ihr Krieg“ und „Da steckt mehr dahinter“ aufgeteilt wurde. „Unsere Welt“ (ca. 50 min.) widmet sich dabei vor allem den Dreharbeiten und beschreibt im Detail, wie das Event-Movie realisiert wurde. Die Schauspieler kommen ebenso zu Wort wie die Militärberater (denn einmal mehr hat Michael Bay seine guten Beziehungen zu den US-Streitkräften spielen lassen, um militärische High-Tech vor der Kamera auffahren zu können).
„Ihr Krieg“ (65 min.) geht dann näher auf die Roboter ein und beschreibt, wie aus den Hasbro-Spielzeugen filmreife Computergeschöpfe wurden. Es werden sowohl die coolen Vehikel, als welche die Autobots und Decepticons im Tarnmodus auftreten, im Einzelnen vorgestellt, als auch die Arbeit der SFX-Teams und Digitalkünstler beleuchtet, die sich den Herausforderungen verwandlungsfähiger Roboter und irrer Actionsequenzen stellen mussten. „Da steckt mehr dahinter“ schließlich ist eine kleine Kompilation aus weiterem Bonusmaterial, etwa ein Schritt-für-Schritt-Einblick in die Entstehung des Angriffs von Scorponok (dem Riesenskorpion) in der Wüste (ca. 9 min.), eine Galerie mit Konzeptzeichnungen und drei Trailer.
Fazit: Für Freunde lautstarker Effekte-Filme war „Transformers“ zweifellos das Ereignis des letzten Sommers – und auch die DVD-Edition im schicken Steelbook weiß zu begeistern. Der Hauptfilm kommt in makelloser Qualität daher, und das Bonusmaterial umfasst zahllose Anekdoten und Hintergrundinformationen zur Entstehung des Films (wobei die Fakten das gegenseitige Schulterklopfen dankbarerweise deutlich überwiegen). Film-Puristen mögen mich steinigen, aber ich persönlich hatte viel Spaß mit dem knallbunten Roboter-Abenteuer und auch mit der vorliegenden DVD.
Transformers
USA 2007
Regie: Michael Bay
Darsteller: Shia LaBeouf (Sam Witwicky), Megan Fox (Mikaela Banes), Josh Duhamel (Captain Lennox), Jon Voight (Defense Secretary John Keller), John Turturro (Agent Simmons)
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 10.12.2007
Länge: 138 min.
Bildformat: 2,40:1 (16:9 anamorph)
Tonformat: Deutsch, Englisch, Türkisch (Dolby 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Bonusmaterial: Audiokommentar von Michael Bay, Unsere Welt, Ihr Krieg, Da steckt mehr dahinter
Preis: EUR 28,99
bei amazon.de bestellen
von Frank Stein
Spielzeug auf der großen Leinwand
Der Siegeszug der „Transformers“ begann 1984 als Kooperation der Spielzeugfirmen TakaraTomy (Japan) und Hasbro (USA). Gemeinsam stellte man Spielzeugroboter aus Plastik her, die sich mit wenigen Handgriffen in Autos, Flugzeuge, Panzer oder was auch immer verwandeln ließen. Um den Verkauf der Action-Figuren anzuheizen, wurde noch im gleichen Jahr eine Zeichentrickserie entwickelt, die dem Spielzeug eine Hintergrundgeschichte verlieh und die Fans durch seinen actionlastigen Gut-Böse-Konflikt zwischen den friedfertigen Autobots und den fiesen Decepticons zum Kauf animieren sollte.
Mittlerweile sind mehr als 20 Jahre vergangen und das Franchise ist regelrecht explodiert. In den Regalen von Sammlern stapeln sich die Roboterfiguren zuhauf, und zahlreiche Comics, Computerspiele sowie diverse Zeichentrick-Serien betten das Spielzeug in ein fiktives Universum ein. So war es letztlich nur eine Frage der Zeit – und der tricktechnischen Möglichkeiten –, bis die „Transformers“ auch den Sprung auf die große Leinwand machen würden (als Realverfilmung wohlgemerkt). 2007 war es endlich so weit. Unter der Regie von Action-Regisseur Michael Bay („Bad Boys“, „Die Insel“) kam „Transformers“ als Sommer-Event-Movie im Stil von „Independence Day“ oder „Armageddon“ in die Kinos.
Ein Junge und sein Auto
„Transformers“ wird grob in drei parallelen Handlungssträngen erzählt, die letztlich zusammenführen. Zunächst wären da Captain William Lennox (Josh Duhamel) und seine Truppe, die auf einer US-Basis in Katar stationiert sind, welche zu Beginn von den Decepticons Blackout und Scorponok angegriffen wird. Als einzige Überlebende des Erstkontakts werden Lennox und Co praktisch zu Veteranen im Kampf gegen die Roboter und gehen fürderhin mit Allem, was das Waffenarsenal der US-Army hergibt, gegen die Feinde vor.
Die Anwesenheit der Techno-Wechselbälger auf der Erde, so erklärt uns übrigens Autobot-Anführer Optimus Prime noch im Vorspann, ist die Suche nach dem Allspark, einem Artefakt, das Maschinen Leben spenden kann und das dem Heimatplaneten der Robots, Cybertron, einst zu Blüte verhalf – bevor der Krieg der Decepticons unter dem Ursupator Megatron gegen die Autobots von Optimus Prime die Welt verwüstete und der Allspark im Weltraum verloren ging.
Aus dem einzigen Hinweis auf den Angreifer von Katar, einem seltsamen Signalmuster, ergibt sich Handlungsstrang zwei um die junge Analystin Maggie Madsen (Rachael Taylor), die mit zahlreichen Kollegen vom Verteidigungsminister John Keller (einem rüstigen Jon Voight) angeheuert wird, die Natur der aus dem Nichts aufgetauchten Feinde zu ermitteln. Diese bittet ihren Hacker-Kumpel Glen Whitman (Anthony Anderson) um Hilfe, dessen größte Leistung allerdings später darin bestehen soll, einen Computer mit einem Funkgerät zu koppeln.
Im Zentrum der Geschichte steht allerdings der junge Sam Witwicky (Shia LaBeouf), der von seinem Dad ein Auto geschenkt bekommt, das sich als außerirdischer Roboter entpuppt. „Wer hätte das gedacht?“, kalauert Sam in einer Szene. Natürlich hat sich Bumblebee, so der Name des Scouts der Autobots, Sam nicht ohne Grund ausgewählt, denn der Junge besitzt die Brille seines Großvaters, auf die vor vielen Jahren aus fantastischen Gründen der Fundort des Allsparks auf der Erde eingeätzt wurde, wo dieser einst abstürzte. Der Krieg, in den Sam durch seinen fahrbaren Untersatz hineingezogen wird, hat die vorhersehbaren Folgen: Der Loser wird zum Helden und kommt mit dem schönsten Mädel der Highschool, der umwerfenden Mikaela (Megan Fox), zusammen. (Lucky Bastard!)
Locker 100x cooler als Armageddon
„Transformers“ ist vor allem zweierlei: krachend laut und ein Feuerwerk der Effekte. Kritiker mögen zu Recht die teilweise echt bescheuerten Dialoge, die arg gradlinigen Charaktere, den stellenweise kruden Humor und das eine oder andere Plotloch bemängeln. Zudem will sich aufgrund von einem Dutzend Roboter, die sich in einer fiktiven Stadt unweit des Hoover Dams in Nordamerika die Hucke vollhauen das Gefühl einer Bedrohung von globalen Größenordnungen nicht wirklich einstellen. (Auch wenn dies gelegentlich durch die Erwähnung internationaler Spannungen nach dem Angriff auf Katar forciert werden soll – ein globales Event-Movie muss ja irgendwie globale Relevanz haben...)
Aber ein Großteil der Kritik zielt an der Absicht von „Transformers“ vorbei. „Transformers“ ist wie „Independence Day“ oder „Armageddon“ (bzw. „100x cooler als Armageddon“, wenn man dem augenzwinkernden Ausruf, den die Autoren einem Beobachter der Autobot-Ankunft in den Mund gelegt haben, Glauben schenken darf). Mit seinen phänomenalen CGI-Effekten ähnelt der Film einer Achterbahnfahrt mit vierfachem Looping und Superwirbel, und wer hat sich je über den mangelhaften intellektuellen Anspruch einer Freizeitpark-Fahrtattraktion beschwert?
Abgesehen davon gelingt es Shia LaBeouf als überdrehtem Teenager, die Sympathien der Zuschauer zu gewinnen, und dass, obwohl er gegen 10 Meter hohe Kampfroboter anspielen muss, die Dirty Harry zitieren. Und wer sich schon immer gefragt hat, wozu ein DVD-Spieler eigentlich eine Zeitlupenfunktion hat, erhält die Antwort, sobald Megan Foxs Mikaela mit aufreizend kurzem Rock in Sams Leben spaziert.
Edler Silberling
Man mag über den Film denken, was man will, die DVD-Edition jedenfalls lässt kaum Wünsche offen. Äußerlich kommt die 2-Disc DVD-Edition im edlen schwarzen Steelbook daher, auf dessen Vorderseite ein stilisierter Autobotkopf und auf dessen Rückseite ein stilisierter Decepticonkopf geprägt wurde (wenn man den mit drei Klebepunkten befestigten Infozettel ablöst). Das Innere ist schmucklos: Ein Booklet gibt es nicht, und die DVDs sind in schlichtem Grau gehalten.
Das Bonusmaterial ist überschaubar, aber von erlesener Qualität. Auf Disc 1 kann man Regisseur Michael Bay zuhören, der mit Begeisterung den Hauptfilm kommentiert und dabei wirklich sehr viel zu sagen hat. Auf Disc 2 schließlich befindet sich eine lange Dokumentation, die in die einzelnen Teile „Unsere Welt“, „Ihr Krieg“ und „Da steckt mehr dahinter“ aufgeteilt wurde. „Unsere Welt“ (ca. 50 min.) widmet sich dabei vor allem den Dreharbeiten und beschreibt im Detail, wie das Event-Movie realisiert wurde. Die Schauspieler kommen ebenso zu Wort wie die Militärberater (denn einmal mehr hat Michael Bay seine guten Beziehungen zu den US-Streitkräften spielen lassen, um militärische High-Tech vor der Kamera auffahren zu können).
„Ihr Krieg“ (65 min.) geht dann näher auf die Roboter ein und beschreibt, wie aus den Hasbro-Spielzeugen filmreife Computergeschöpfe wurden. Es werden sowohl die coolen Vehikel, als welche die Autobots und Decepticons im Tarnmodus auftreten, im Einzelnen vorgestellt, als auch die Arbeit der SFX-Teams und Digitalkünstler beleuchtet, die sich den Herausforderungen verwandlungsfähiger Roboter und irrer Actionsequenzen stellen mussten. „Da steckt mehr dahinter“ schließlich ist eine kleine Kompilation aus weiterem Bonusmaterial, etwa ein Schritt-für-Schritt-Einblick in die Entstehung des Angriffs von Scorponok (dem Riesenskorpion) in der Wüste (ca. 9 min.), eine Galerie mit Konzeptzeichnungen und drei Trailer.
Fazit: Für Freunde lautstarker Effekte-Filme war „Transformers“ zweifellos das Ereignis des letzten Sommers – und auch die DVD-Edition im schicken Steelbook weiß zu begeistern. Der Hauptfilm kommt in makelloser Qualität daher, und das Bonusmaterial umfasst zahllose Anekdoten und Hintergrundinformationen zur Entstehung des Films (wobei die Fakten das gegenseitige Schulterklopfen dankbarerweise deutlich überwiegen). Film-Puristen mögen mich steinigen, aber ich persönlich hatte viel Spaß mit dem knallbunten Roboter-Abenteuer und auch mit der vorliegenden DVD.
Transformers
USA 2007
Regie: Michael Bay
Darsteller: Shia LaBeouf (Sam Witwicky), Megan Fox (Mikaela Banes), Josh Duhamel (Captain Lennox), Jon Voight (Defense Secretary John Keller), John Turturro (Agent Simmons)
Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 10.12.2007
Länge: 138 min.
Bildformat: 2,40:1 (16:9 anamorph)
Tonformat: Deutsch, Englisch, Türkisch (Dolby 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Bonusmaterial: Audiokommentar von Michael Bay, Unsere Welt, Ihr Krieg, Da steckt mehr dahinter
Preis: EUR 28,99
bei amazon.de bestellen
Donnerstag, 28. April 2005
Farscape Staffel 2 DVD-Box (8 DVDs)
Sein Name ist John Crichton und er ist ein glückloser Testpilot von der Erde, der durch ein Wurmloch in ein Universum voll seltsamer Aliens und unbekannter Gefahren gesaugt worden war, sich dort gleich in den ersten fünf Minuten den militaristischen Peacekeeper-Kommandanten Crais zum Todfeind machte und danach gemeinsam mit einem Häuflein Gefangener an Bord des lebendigen Raumschiffs Moya durch die Unerforschten Gebiete fliehen musste, verzweifelt auf der Suche nach einem Weg nach Hause. Was für die erste Staffel galt, ist auch in der zweiten noch von Bedeutung, die jüngst bei KochMedia auf DVD erschienen ist.
von Frank Stein
Äußerlich hat sich die „Farscape“-Box kaum verändert. Der edle schwarze Hochglanz-Schuber mit Präge-Schriftzug – nachträglich bei Lichte betrachtet übrigens wohl eher von dunkelgrüner Farbe – weist diesmal einen Stich ins Blaue auf und statt Rygel XVI. knurrt Ka D’Argo uns aus der unteren, rechten Ecke an. Im Schuber steckt eine stabile Papphülle zum Auseinanderklappen, in welcher erneut die insgesamt acht DVDs elegant versetzt eingesetzt sind, und ein 36-seitiges Booklet findet auch seinen Platz darin. Der Silberlinge gibt es dabei gerade genug, damit uns von jeder Scheibe ein Mannschaftsmitglied von Moya anlächeln kann, wobei drei der acht Bilder (Crichton, Aeryn, Crais) neu sind – verrat mir einer, warum ...
Inhaltlich bieten die 22 Episoden der zweiten Staffel Unterhaltung vom Feinsten. Mehrere Handlungsbögen halten dabei die Einzelabenteuer zusammen. Da wäre beispielsweise Crais, der von Scorpius, dem neuen Bad Guy in den Rängen der Peacekeeper, von seinem Captain‘s Chair vertrieben wurde: Nun selbst auf der Flucht, ersucht er um Asyl auf Moya. Allerdings erweist er sich als fragwürdiger Verbündeter, denn kaum lässt man ihn für einen Moment unbeaufsichtigt, „entführt“ er Talyn, Moyas Sohn, einen Leviathan-Hybriden mit Peacekeeper-Bewaffnung. Immer wieder taucht er im Folgenden auf und ab, nur um letztlich seinen wahren Wert zu beweisen.
Neu auf der galaktischen Bildfläche ist der sinistre Scorpius, ein Halb-Scarraner (diese neue Echsenspezies werden wir als Langzeitfeinde der Peacekeeper kennen lernen), der sich erbarmungslos auf die Fährte Crichtons setzt, kaum dass er erfahren hat, dass jener den Schlüssel zur Beherrschung von Wurmlöchern in seinem Schädel mit sich herumträgt. Dazu bedient sich Scorpi, der mithilfe der Wurmloch-Technologie furchtbare Waffen entwickeln will, nicht nur aller militärischer Mittel, nein, er hat auch einen mentalen Klon seiner Selbst mit einem Chip in Crichtons Gehirn eingepflanzt, was uns einige psychedelische Einblicke in das Innenleben unseres Sternfahrers beschert.
Auf privater Ebene umkreisen sowohl Crichton und Aeryn als auch D’Argo und Chiana den heißen Brei, der da Liebe heißt, doch auf jede sich zart entwickelnde Bande folgt ein umso herberer Rückschlag. Typisch „Farscape“ eben.
Die Highlights der Staffel bilden sicher die beiden Dreiteiler „Intrigen, Macht und Mörder“ (2x10, 2x11, 2x12) sowie „Kanonen, Lügner und Moneten“ (2x19, 2x20, 2x21). Während Erster ein geradezu königliches Intrigenspiel präsentiert (inklusive Scorpius und Scarranern), in das die Flüchtlinge geraten, nachdem sich Crichton bei einem Landausflug durch einen unbedachten Kuss als heißer Kandidat auf den planetaren Herrscherthron entpuppt hat, erzählt Letzterer von einem tolldreisten Raubzug in dem verzweifelten Versuch, D’Argos Sohn Jothee von einem Sklavenhändler freizukaufen. Doch erneut taucht Scorpius auf der Bildfläche auf und alles wird viel komplizierter.
Weitere großartige Episoden sind „So wie wir wohl nicht waren“ (2x05), in der eine belastende Bildaufzeichnung aus Moyas Vergangenheit die Beziehung zwischen Aeryn und Pilot auf's Äußerste strapaziert, „SOS – Sie sind außer sich“ (2x09), eine grandiose Fun-Folge, in der eine Alienwaffe dazu führt, dass die Bewusstseine der Moya-Crew ausgetauscht werden (was an und für sich ja furchtbar ist – aber, he, nicht nur Crichton träumt davon, einmal in Aeryns Körper zu stecken!) und natürlich das Staffelende „Stirb, was mich sonst töten würde“ (2x22) (Es lebe die Kunst der deutschen Episodenbetitelung ...), das vor allem für Crichton und Aeryn böse Überraschungen bereithält, die, wenn das denn geht, einen noch fieseren Cliffhanger erzeugen, als das Ende der Staffel Eins.
Das Bonusmaterial hat im Gegensatz dazu ein wenig abgebaut. So ist das 36-seitige Booklet diesmal zwar frei von Bildzuordnungsfehlern und aus vier Seiten „Was ist Was“ wurden sogar sechs Seiten zur Geographie, Sprache und Küche von „Farscape“, allerdings hat man sich einige Dopplungen geleistet – die Schiffe, die Biographien –, statt ein paar staffelspezifische Updates einzuflechten. Schade, aber immer noch ein nettes Heftchen.
Unter die Rubrik „Schade“ sind diesmal – zu einem gewissen Grad – auch die Audiokommentare einzuordnen, derer es „nur noch“ fünf gibt, wobei allerdings eine Episode („Noch mal fall' ich nicht drauf rein!“ [2x15]) gleich zwei Kommentare aufweist. Offenbar hat sich Regisseur Rowan Woods von der bizarren Fiebertraum-Folge in Crichtons Kopf einfach nicht loseisen können. Der Kommentar von Regisseur Ian Watson und Darstellerin Claudia Black ist indes ziemlich weit weg von der gezeigten Episode „Im Licht der fünf Pulsare“ (2x04). So unterhalten sie sich vielmehr selbstreflexiv über Regiearbeit und Schauspielkunst, derweil nebenher Crichton und Co etwas losgelöst vom Gesprochenen über den Bildschirm hampeln. Irgendwie blöd. Besonders bedauerlich, dass es keine Kommentare zu den Dreiteilern gibt. Vom ihrer Bedeutung für den Handlungsbogen her wären sie geradezu prädestiniert gewesen.
Auf dem achten Silberling schließlich finden sich erneut Video Profiles, diesmal allerdings nur drei, die dafür wiederum länger und besonders sehenswert sind. Die süße Gigi Edgley erzählt im Chiana-Profile (17:54) von den Schwierigkeiten und dem unglaublichen Spaß, einen dermaßen frivolen Charakter wie die grauhäutige Nebari-Diebin zu mimen, der markante Lani Tupu interpretiert für uns im Crais-Profile (30:09) die Psyche seines ambivalenten Peacekeeper-Captains und Wayne Pygram schließlich (der by-the-way einen deutlich besseren Klon von Captain Picard in „Star Trek: Nemesis“ abgegeben hätte) lässt uns im Scorpius-Profile (11:23) einen Blick unter die Maske des fiesen Scorpius werfen. Knapp eine Viertelstunde „Entfallene Szenen“ schließen dann das doch sehr überschaubare Bonusmaterial ab.
Fazit: Die zweite Staffel von „Farscape“ übertrifft die erste in Punkto Handlung noch einmal und trumpft mit einem genialen neuen Bösewicht, intensiver Charakterentwicklung, dramatischen Mehrteilern und einem ordentlichen Schuss australischem Humor auf. Auch das Bonusmaterial ist überwiegend gelungen, allerdings hätten die Audiokommentare teilweise besser verteilt, teilweise stärker auf das Bildschirmgeschehen fokussiert sein können. Zudem gibt es mit ca. 75 min. Features vergleichsweise wenig an Extras auf der achten DVD. Nichtsdestoweniger ist und bleibt „Farscape“ natürliche eine Empfehlung wert für alle, die Lust auf eine Galaxis haben, die schmutziger, verrückter und emotionaler ist als jede bis heute existierende „Star Trek“-Inkarnation. (No Offense, Trekkies. ;-) )
Farscape Staffel 2
AU/USA 2000/2001
Regie: Rowan Woods, Andrew Prowse u.a.
Darsteller: Ben Browder (John Crichton), Claudia Black (Aeryn Sun), Anthony Simcoe (Ka D'Argo), Virginia Hey (Pa'u Zotoh Zhaan), Wayne Pygram (Scorpius)
Vertrieb: Koch Media
Erscheinungsdatum: 31.03.2005
Länge: 1041 min.
Bildformat: 1,33:1 (4:3)
Tonformat: Deutsch, Englisch (Dolby 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Video-Profils von Chiana, Scorpius, Crais, Fünf Audiokommentare zu Einzelepisoden, Entfallene Szenen, 36 Seiten Booklet (Episodenführer, Lexikon, Farspeak-Wörterbuch, Charakterübersicht, Raumschiff-Tableau
Preis: EUR 79,95
bei amazon.de bestellen
von Frank Stein
Äußerlich hat sich die „Farscape“-Box kaum verändert. Der edle schwarze Hochglanz-Schuber mit Präge-Schriftzug – nachträglich bei Lichte betrachtet übrigens wohl eher von dunkelgrüner Farbe – weist diesmal einen Stich ins Blaue auf und statt Rygel XVI. knurrt Ka D’Argo uns aus der unteren, rechten Ecke an. Im Schuber steckt eine stabile Papphülle zum Auseinanderklappen, in welcher erneut die insgesamt acht DVDs elegant versetzt eingesetzt sind, und ein 36-seitiges Booklet findet auch seinen Platz darin. Der Silberlinge gibt es dabei gerade genug, damit uns von jeder Scheibe ein Mannschaftsmitglied von Moya anlächeln kann, wobei drei der acht Bilder (Crichton, Aeryn, Crais) neu sind – verrat mir einer, warum ...
Inhaltlich bieten die 22 Episoden der zweiten Staffel Unterhaltung vom Feinsten. Mehrere Handlungsbögen halten dabei die Einzelabenteuer zusammen. Da wäre beispielsweise Crais, der von Scorpius, dem neuen Bad Guy in den Rängen der Peacekeeper, von seinem Captain‘s Chair vertrieben wurde: Nun selbst auf der Flucht, ersucht er um Asyl auf Moya. Allerdings erweist er sich als fragwürdiger Verbündeter, denn kaum lässt man ihn für einen Moment unbeaufsichtigt, „entführt“ er Talyn, Moyas Sohn, einen Leviathan-Hybriden mit Peacekeeper-Bewaffnung. Immer wieder taucht er im Folgenden auf und ab, nur um letztlich seinen wahren Wert zu beweisen.
Neu auf der galaktischen Bildfläche ist der sinistre Scorpius, ein Halb-Scarraner (diese neue Echsenspezies werden wir als Langzeitfeinde der Peacekeeper kennen lernen), der sich erbarmungslos auf die Fährte Crichtons setzt, kaum dass er erfahren hat, dass jener den Schlüssel zur Beherrschung von Wurmlöchern in seinem Schädel mit sich herumträgt. Dazu bedient sich Scorpi, der mithilfe der Wurmloch-Technologie furchtbare Waffen entwickeln will, nicht nur aller militärischer Mittel, nein, er hat auch einen mentalen Klon seiner Selbst mit einem Chip in Crichtons Gehirn eingepflanzt, was uns einige psychedelische Einblicke in das Innenleben unseres Sternfahrers beschert.
Auf privater Ebene umkreisen sowohl Crichton und Aeryn als auch D’Argo und Chiana den heißen Brei, der da Liebe heißt, doch auf jede sich zart entwickelnde Bande folgt ein umso herberer Rückschlag. Typisch „Farscape“ eben.
Die Highlights der Staffel bilden sicher die beiden Dreiteiler „Intrigen, Macht und Mörder“ (2x10, 2x11, 2x12) sowie „Kanonen, Lügner und Moneten“ (2x19, 2x20, 2x21). Während Erster ein geradezu königliches Intrigenspiel präsentiert (inklusive Scorpius und Scarranern), in das die Flüchtlinge geraten, nachdem sich Crichton bei einem Landausflug durch einen unbedachten Kuss als heißer Kandidat auf den planetaren Herrscherthron entpuppt hat, erzählt Letzterer von einem tolldreisten Raubzug in dem verzweifelten Versuch, D’Argos Sohn Jothee von einem Sklavenhändler freizukaufen. Doch erneut taucht Scorpius auf der Bildfläche auf und alles wird viel komplizierter.
Weitere großartige Episoden sind „So wie wir wohl nicht waren“ (2x05), in der eine belastende Bildaufzeichnung aus Moyas Vergangenheit die Beziehung zwischen Aeryn und Pilot auf's Äußerste strapaziert, „SOS – Sie sind außer sich“ (2x09), eine grandiose Fun-Folge, in der eine Alienwaffe dazu führt, dass die Bewusstseine der Moya-Crew ausgetauscht werden (was an und für sich ja furchtbar ist – aber, he, nicht nur Crichton träumt davon, einmal in Aeryns Körper zu stecken!) und natürlich das Staffelende „Stirb, was mich sonst töten würde“ (2x22) (Es lebe die Kunst der deutschen Episodenbetitelung ...), das vor allem für Crichton und Aeryn böse Überraschungen bereithält, die, wenn das denn geht, einen noch fieseren Cliffhanger erzeugen, als das Ende der Staffel Eins.
Das Bonusmaterial hat im Gegensatz dazu ein wenig abgebaut. So ist das 36-seitige Booklet diesmal zwar frei von Bildzuordnungsfehlern und aus vier Seiten „Was ist Was“ wurden sogar sechs Seiten zur Geographie, Sprache und Küche von „Farscape“, allerdings hat man sich einige Dopplungen geleistet – die Schiffe, die Biographien –, statt ein paar staffelspezifische Updates einzuflechten. Schade, aber immer noch ein nettes Heftchen.
Unter die Rubrik „Schade“ sind diesmal – zu einem gewissen Grad – auch die Audiokommentare einzuordnen, derer es „nur noch“ fünf gibt, wobei allerdings eine Episode („Noch mal fall' ich nicht drauf rein!“ [2x15]) gleich zwei Kommentare aufweist. Offenbar hat sich Regisseur Rowan Woods von der bizarren Fiebertraum-Folge in Crichtons Kopf einfach nicht loseisen können. Der Kommentar von Regisseur Ian Watson und Darstellerin Claudia Black ist indes ziemlich weit weg von der gezeigten Episode „Im Licht der fünf Pulsare“ (2x04). So unterhalten sie sich vielmehr selbstreflexiv über Regiearbeit und Schauspielkunst, derweil nebenher Crichton und Co etwas losgelöst vom Gesprochenen über den Bildschirm hampeln. Irgendwie blöd. Besonders bedauerlich, dass es keine Kommentare zu den Dreiteilern gibt. Vom ihrer Bedeutung für den Handlungsbogen her wären sie geradezu prädestiniert gewesen.
Auf dem achten Silberling schließlich finden sich erneut Video Profiles, diesmal allerdings nur drei, die dafür wiederum länger und besonders sehenswert sind. Die süße Gigi Edgley erzählt im Chiana-Profile (17:54) von den Schwierigkeiten und dem unglaublichen Spaß, einen dermaßen frivolen Charakter wie die grauhäutige Nebari-Diebin zu mimen, der markante Lani Tupu interpretiert für uns im Crais-Profile (30:09) die Psyche seines ambivalenten Peacekeeper-Captains und Wayne Pygram schließlich (der by-the-way einen deutlich besseren Klon von Captain Picard in „Star Trek: Nemesis“ abgegeben hätte) lässt uns im Scorpius-Profile (11:23) einen Blick unter die Maske des fiesen Scorpius werfen. Knapp eine Viertelstunde „Entfallene Szenen“ schließen dann das doch sehr überschaubare Bonusmaterial ab.
Fazit: Die zweite Staffel von „Farscape“ übertrifft die erste in Punkto Handlung noch einmal und trumpft mit einem genialen neuen Bösewicht, intensiver Charakterentwicklung, dramatischen Mehrteilern und einem ordentlichen Schuss australischem Humor auf. Auch das Bonusmaterial ist überwiegend gelungen, allerdings hätten die Audiokommentare teilweise besser verteilt, teilweise stärker auf das Bildschirmgeschehen fokussiert sein können. Zudem gibt es mit ca. 75 min. Features vergleichsweise wenig an Extras auf der achten DVD. Nichtsdestoweniger ist und bleibt „Farscape“ natürliche eine Empfehlung wert für alle, die Lust auf eine Galaxis haben, die schmutziger, verrückter und emotionaler ist als jede bis heute existierende „Star Trek“-Inkarnation. (No Offense, Trekkies. ;-) )
Farscape Staffel 2
AU/USA 2000/2001
Regie: Rowan Woods, Andrew Prowse u.a.
Darsteller: Ben Browder (John Crichton), Claudia Black (Aeryn Sun), Anthony Simcoe (Ka D'Argo), Virginia Hey (Pa'u Zotoh Zhaan), Wayne Pygram (Scorpius)
Vertrieb: Koch Media
Erscheinungsdatum: 31.03.2005
Länge: 1041 min.
Bildformat: 1,33:1 (4:3)
Tonformat: Deutsch, Englisch (Dolby 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Video-Profils von Chiana, Scorpius, Crais, Fünf Audiokommentare zu Einzelepisoden, Entfallene Szenen, 36 Seiten Booklet (Episodenführer, Lexikon, Farspeak-Wörterbuch, Charakterübersicht, Raumschiff-Tableau
Preis: EUR 79,95
bei amazon.de bestellen
Mittwoch, 15. Dezember 2004
Star Trek - The Original Series Staffel 2 DVD-Box
„Beam me up, Scotty“, „Live long and prosper“, „He’s dead, Jim“ – die „Star Trek Classic“-Serie (oder zu gut deutsch „Raumschiff Enterprise“) hat sich nicht nur tief in unser kulturelles Bewusstsein eingebrannt, sondern mit derlei Floskeln auch erfolgreich unseren alltäglichen Sprachgebrauch unterwandert. In der zweiten Staffel, die soeben auf DVD erschienen ist, lässt sich hautnah miterleben, wie der eine oder andere Satz zum ersten Mal auf dem Fernsehschirm geäußert wurde (ich sage nur: „Pon Farr/Weltraumfieber“...)
von Frank Stein
Die Aufmachung
Die Box kommt, wie alle anderen Star-Trek-Serien auch, in der schicken Plastikummantelung daher und fügt sich mit ihrem – diesmal blauen – Pseudo-Tricorder-Design nahtlos in den Stil der Classic-Reihe ein (was sonst...). Die Schrift ist erneut in glänzendem Silber gehalten und Ausfräsungen geben den Blick auf die Papphülle mit den DVDs im Inneren frei. Auch im Inneren herrschen diesmal Blautöne vor. In einer Pappummantelung steckt leider einmal mehr ein schlichter Stapel Klarsichthalterungen, die mit einem Klebestreifen am einen Ende zusammengehalten werden – genau wie bei „DS9“ und „Voyager“ (hoffentlich zeigt man bei der Veröffentlichung von „Enterprise“ Einsicht und kehrt zur hübscheren Klappverpackung à la „TNG“ zurück). Von jedem Silberling lacht uns das Konterfei eines anderen „main characters“ an, diesmal um Chekov, einen Andorianer und Tribbles ergänzt. Sulu, Uhura und Janice Rand bleiben indessen außen vor.
Das DVD-Menü ist äußerst farbenfroh und absolut identisch mit dem der ersten Staffel – auch das leichte Ruckeln beim Schwenk über die Brücke der NCC-1701 Enterprise ist noch vorhanden. Die Anordnung der Episoden auf den Silberlingen ist wiederum in Ausstrahlungsreihenfolge, nicht in der eigentlichen Produktionsreihenfolge, geschehen, allerdings kann man mithilfe der Episodennummern sich die ursprüngliche Abfolge rekonstruieren, wenn man will.
Die Episoden
Auch die 26 Episoden der zweiten Staffel bergen eine Reihe „Klassiker“ der Star-Trek-Unterhaltung. Das fängt gleich bei der Folge „Pon Farr/Weltraumfieber“ an, in der man nicht nur einige interessante Details über das Intimleben der Vulkanier erfährt und erstmalig den Planeten Vulkan besucht, sondern auch die Premiere des legendären Vulkaniergrußes samt dazugehöriger Geste miterleben darf. Sehr schön: Es wird die amerikanische Originalversion der Episode geboten, die seinerzeit in Deutschland schwer verschnitten war und Spocks Paarungsdrang zum Traum umdeutete (prüde Rundfunkanstalten...). Das hat zur Folge, dass einige Szenen nachsynchronisiert wurden, was leider relativ auffällig ist und auch nicht immer so gut gelungen wirkt. Dem kundigen Englischsprecher empfehle ich dringend zum Originalton – und sei es mit Untertiteln. Nichtsdestoweniger ist diese Vorgehensweise natürlich absolut lobenswert!
Vergleichbaren Seltenheitswert hat die in Deutschland nie im Fernsehen ausgestrahlte Folge „Schablonen der Gewalt“, die von dem gescheiterten Versuch eines gestrandeten Historikers erzählt, eine auf Strukturen des Dritten Reichs, aber gleichzeitig auf Güte basierende Ordnung zu errichten, um ein zerrüttetes Volk zu einen. Zwar gab es Anfang der 1990er einen ziemlich groß beworbenen Video-Release, aber auch diese Quelle dürfte mittlerweile versiegt sein.
Weitere Episoden mit Kultcharakter sind natürlich „Ein Paralleluniversum“, in der erstmalig das Spiegeluniversum eingeführt wird, das Captain Kirk als berüchtigten Tyrannen kennt und Mr. Spock als Träger eines feschen Barts, „Die Reise nach Babel“, die uns mit Orionern, Tellariten und Spocks Vater bekannt macht, „Kennen Sie Tribbles?“ mit den gleichnamigen gebärfreudigen Kuschelkugeln sowie „Ein Planet, genannt Erde“, in der Kirk und Spock dem Zeitreise-Agenten Gary Seven ins New York der Gegenwart folgen müssen.
Technisch sind die Folgen praktisch identisch zu denen der ersten Staffel. Die Bildqualität ist für das 40 Jahre alte Material recht ordentlich und in Raumschiffsequenzen sogar mitunter von bestechender Klarheit. Die Außenaufnahmen leiden ab und an unter verstärktem Auftreten von Kratzern und Staub, aber so genau schaue ich bei einer alten TV-Serie nicht hin. Und die Farben sind einmal mehr wirklich toll! Auch an der Tonfront ist nichts Neues zu vermerken. Vom 5.1 Upmix hört man nicht viel – aber, ich wiederhole mich, irgendwie ist diese ganze Aktion im Falle eines alten Mono-Masters auch schwachsinnig. Auf der deutschen Tonspur fällt hin und wieder ein Wechsel in der Stimmlage der Darsteller auf. Hier wurden Szenen neu synchronisiert, um die Episoden im Originalschnitt präsentieren zu können. Nicht so schlimm, aber ein bisschen irritierend. Englischer O-Ton, sage ich da nur.
Die Extras
Kommen wir zum interessantesten Teil (dieser Rezi): den Extras. Ich wiederhole mich auch hier gerne, wenn ich sage, dass mir die Features der Star-Trek-DVD-Boxen immer wieder recht gut gefallen – wobei die Classic-Boxen besonders gelungenes Zusatzmaterial anbieten. Leider gibt es diesmal nur zwei Textkommentare – erneut kenntnisreich von den Okudas verfasst – und zwar zu den Episoden „Weltraumfieber“ und „Kennen Sie Tribbles?“ (immerhin gute Wahl). Weiterhin findet sich auch diesmal zu jeder Episode der zeitgenössische Trailer direkt im jeweiligen Episodenmenü. Ein netter Gag, aber vor allem von historischem Kuriositätswert, wird doch jede Geschichte unter völliger Missachtung potentieller Spoiler in dramatischster Art und Weise beworben.
Doch kommen wir zu den Features, die auf der siebten DVD abgelegt sind. „Wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist... Staffel 2“ (19:30 min.) dient als eine Art Überblick über die wichtigen Themen und Ereignisse der zweiten Staffel. Natürlich werden die Tribbles im Detail besprochen, ebenso der Einstand von Chekov als Mitglied der Brückencrew, das Spiegeluniversum, die Entwicklung des Spock-Charakters und die Zielsetzung von Star Trek, vermittels einer Verlegung in die Zukunft zeitgenössische Probleme reflektieren zu können, ohne damit Ärger zu bekommen. Das „Leben jenseits von Star Trek“ (12:01 min.) widmet sich diesmal Leonard Nimoy, der ein paar sehr persönliche Einblicke in seine Fotografierleidenschaft gibt. Gerade im Vergleich mit dem Feature der ersten Staffelbox, das William Shatners aktuelles Tun und Wirken beleuchtet hat, ist ausgesprochen interessant zu sehen, wie unterschiedlich die beiden Männer, die Kirk und Spock spielten, auch im realen Leben sind. Während Shatner nach wie vor die Öffentlichkeit und verschiedenste Arten der Selbstbestätigung zu suchen scheint, kommt Nimoy in der kurzen Doku eher wie ein introvertierter, sehr nachdenklicher und beinahe spiritueller Künstlertyp rüber. Dass er sich dabei nach wie vor mit seinem Leben als Spock beschäftigt – vor allem der Geste des vulkanischen Grußes, die ursprünglich aus dem jüdischen Ritus stammt – schlägt eine schöne Brücke zum eigentlichen Anlass des Besuchs in seinem Atelier: der Aufnahme von Bonusmaterial für eine Star-Trek-Box!
Dass „Kirk, Spock und Pille: Star Treks tollstes Trio“ (7:08 min.) sind, braucht man eigentlich nicht extra zu betonen. Dennoch wird hier ein bisschen darüber nachgedacht, wie die drei Charaktere zusammenkamen und wie sie sich gegenseitig zu ergänzen begannen – was vor allem für Spock und Pille gilt, den kühlen Logiker und den erklärten Gefühlsmenschen, die in der zweiten Staffel erheblich häufiger den verbalen Schlagabtausch betreiben als in der ersten. „Das Design der letzten Grenze“ (22:17 min.) wendet sich technischeren Aspekten der Serienproduktion zu. Matt Jefferies lässt seine Zeit als „Art Director“ von „Raumschiff Enterprise“ Revue passieren – wie er an Bord kam und welchen Ideenreichtum man mitunter mitbringen musste, um eine wöchentliche Serie immer wieder auf Neue mit exotischen Sets und Props zu versorgen. Dabei klingt er witzigerweise ein bisschen wie der Scotty-Behind-the-Scenes: „Kein Geld, keine Zeit? Na schön, das wird reichen müssen.“
„Star Treks himmlische Divas“ (13:02 min.) ist eine Verbeugung vor Nichelle Nichols. In ihrer wunderbar herzlichen Art resümiert die Schauspielerin die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung ihrer Kommunikationsoffizierin Uhura und auch wenn einem als Fan viele der Details bereits bekannt vorkommen, plaudert sie doch mit einer solchen Freude aus ihrem ganz persönlichen Nähkästchen, dass man ihr immer weiter zuhören könnte. Direkt im Anschluss meldet sich eine weitere Frau, die Star Trek geprägt hat – diesmal hinter den Kulissen –, zu Wort. D.C. Fontana erzählt „Vom Schreibtisch der Autoren“ (7:33 min.) aus von den Herausforderungen der Serien-Schreiberlinge auf dem Weg von der Idee zum Skript zum eigentlichen Dreh.
Das letzte Feature „Die besten Momente in Star Trek“ (17:09 min.) ist das vielleicht schwächste, denn es genügt sich vor allem darin, namhafte Darsteller und Macher späterer Serien voller Lob und Ehrfurcht über die „Klassiker“ sprechen zu lassen. Die Stories sind dabei alle sehr ähnlich: Ich war jung, sah Star Trek, war völlig begeistert. Was für ein Glück, dass ich später auch mitspielen durfte. (Okay, genau das gleiche würde ich auch sagen, wäre ich an ihrer Stelle, aber als Fans wissen wir doch alle, wie toll die Serie ist. Es muss uns nicht lang und breit erklärt werden.) Am besten sind dabei echt noch die Statements der Fans selbst, die zu Wort kommen dürfen.
Den Abschluss bilden erneut vier in der Schiffskonsole versteckte „Easter Eggs“, die kurze Classic-Anekdoten präsentieren, sowie einige Trailer für andere ST-DVD-Sets.
Fazit: Auch die DVD-Box der zweiten Staffel hält, was die erste bereits versprochen hat: gleich mehrere Episoden, die ganze Traditionsstränge innerhalb des Star-Trek-Franchises begründet haben (ich sage nur Spiegeluniversum und Tribbles), dabei eine technisch sehr dankbare Präsentation im Originalschnitt und – auf Wunsch – Originalton und auf dem siebten Silberling eine wohlfeile Sammlung an Features, die mit charmanten Akteuren und einer Menge interessanter Detailinformationen (bei annehmbarem Maß an reziprokem Süßholzgerasple) für kurzweilige Unterhaltung sorgt. Weiter so!
von Frank Stein
Die Aufmachung
Die Box kommt, wie alle anderen Star-Trek-Serien auch, in der schicken Plastikummantelung daher und fügt sich mit ihrem – diesmal blauen – Pseudo-Tricorder-Design nahtlos in den Stil der Classic-Reihe ein (was sonst...). Die Schrift ist erneut in glänzendem Silber gehalten und Ausfräsungen geben den Blick auf die Papphülle mit den DVDs im Inneren frei. Auch im Inneren herrschen diesmal Blautöne vor. In einer Pappummantelung steckt leider einmal mehr ein schlichter Stapel Klarsichthalterungen, die mit einem Klebestreifen am einen Ende zusammengehalten werden – genau wie bei „DS9“ und „Voyager“ (hoffentlich zeigt man bei der Veröffentlichung von „Enterprise“ Einsicht und kehrt zur hübscheren Klappverpackung à la „TNG“ zurück). Von jedem Silberling lacht uns das Konterfei eines anderen „main characters“ an, diesmal um Chekov, einen Andorianer und Tribbles ergänzt. Sulu, Uhura und Janice Rand bleiben indessen außen vor.
Das DVD-Menü ist äußerst farbenfroh und absolut identisch mit dem der ersten Staffel – auch das leichte Ruckeln beim Schwenk über die Brücke der NCC-1701 Enterprise ist noch vorhanden. Die Anordnung der Episoden auf den Silberlingen ist wiederum in Ausstrahlungsreihenfolge, nicht in der eigentlichen Produktionsreihenfolge, geschehen, allerdings kann man mithilfe der Episodennummern sich die ursprüngliche Abfolge rekonstruieren, wenn man will.
Die Episoden
Auch die 26 Episoden der zweiten Staffel bergen eine Reihe „Klassiker“ der Star-Trek-Unterhaltung. Das fängt gleich bei der Folge „Pon Farr/Weltraumfieber“ an, in der man nicht nur einige interessante Details über das Intimleben der Vulkanier erfährt und erstmalig den Planeten Vulkan besucht, sondern auch die Premiere des legendären Vulkaniergrußes samt dazugehöriger Geste miterleben darf. Sehr schön: Es wird die amerikanische Originalversion der Episode geboten, die seinerzeit in Deutschland schwer verschnitten war und Spocks Paarungsdrang zum Traum umdeutete (prüde Rundfunkanstalten...). Das hat zur Folge, dass einige Szenen nachsynchronisiert wurden, was leider relativ auffällig ist und auch nicht immer so gut gelungen wirkt. Dem kundigen Englischsprecher empfehle ich dringend zum Originalton – und sei es mit Untertiteln. Nichtsdestoweniger ist diese Vorgehensweise natürlich absolut lobenswert!
Vergleichbaren Seltenheitswert hat die in Deutschland nie im Fernsehen ausgestrahlte Folge „Schablonen der Gewalt“, die von dem gescheiterten Versuch eines gestrandeten Historikers erzählt, eine auf Strukturen des Dritten Reichs, aber gleichzeitig auf Güte basierende Ordnung zu errichten, um ein zerrüttetes Volk zu einen. Zwar gab es Anfang der 1990er einen ziemlich groß beworbenen Video-Release, aber auch diese Quelle dürfte mittlerweile versiegt sein.
Weitere Episoden mit Kultcharakter sind natürlich „Ein Paralleluniversum“, in der erstmalig das Spiegeluniversum eingeführt wird, das Captain Kirk als berüchtigten Tyrannen kennt und Mr. Spock als Träger eines feschen Barts, „Die Reise nach Babel“, die uns mit Orionern, Tellariten und Spocks Vater bekannt macht, „Kennen Sie Tribbles?“ mit den gleichnamigen gebärfreudigen Kuschelkugeln sowie „Ein Planet, genannt Erde“, in der Kirk und Spock dem Zeitreise-Agenten Gary Seven ins New York der Gegenwart folgen müssen.
Technisch sind die Folgen praktisch identisch zu denen der ersten Staffel. Die Bildqualität ist für das 40 Jahre alte Material recht ordentlich und in Raumschiffsequenzen sogar mitunter von bestechender Klarheit. Die Außenaufnahmen leiden ab und an unter verstärktem Auftreten von Kratzern und Staub, aber so genau schaue ich bei einer alten TV-Serie nicht hin. Und die Farben sind einmal mehr wirklich toll! Auch an der Tonfront ist nichts Neues zu vermerken. Vom 5.1 Upmix hört man nicht viel – aber, ich wiederhole mich, irgendwie ist diese ganze Aktion im Falle eines alten Mono-Masters auch schwachsinnig. Auf der deutschen Tonspur fällt hin und wieder ein Wechsel in der Stimmlage der Darsteller auf. Hier wurden Szenen neu synchronisiert, um die Episoden im Originalschnitt präsentieren zu können. Nicht so schlimm, aber ein bisschen irritierend. Englischer O-Ton, sage ich da nur.
Die Extras
Kommen wir zum interessantesten Teil (dieser Rezi): den Extras. Ich wiederhole mich auch hier gerne, wenn ich sage, dass mir die Features der Star-Trek-DVD-Boxen immer wieder recht gut gefallen – wobei die Classic-Boxen besonders gelungenes Zusatzmaterial anbieten. Leider gibt es diesmal nur zwei Textkommentare – erneut kenntnisreich von den Okudas verfasst – und zwar zu den Episoden „Weltraumfieber“ und „Kennen Sie Tribbles?“ (immerhin gute Wahl). Weiterhin findet sich auch diesmal zu jeder Episode der zeitgenössische Trailer direkt im jeweiligen Episodenmenü. Ein netter Gag, aber vor allem von historischem Kuriositätswert, wird doch jede Geschichte unter völliger Missachtung potentieller Spoiler in dramatischster Art und Weise beworben.
Doch kommen wir zu den Features, die auf der siebten DVD abgelegt sind. „Wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist... Staffel 2“ (19:30 min.) dient als eine Art Überblick über die wichtigen Themen und Ereignisse der zweiten Staffel. Natürlich werden die Tribbles im Detail besprochen, ebenso der Einstand von Chekov als Mitglied der Brückencrew, das Spiegeluniversum, die Entwicklung des Spock-Charakters und die Zielsetzung von Star Trek, vermittels einer Verlegung in die Zukunft zeitgenössische Probleme reflektieren zu können, ohne damit Ärger zu bekommen. Das „Leben jenseits von Star Trek“ (12:01 min.) widmet sich diesmal Leonard Nimoy, der ein paar sehr persönliche Einblicke in seine Fotografierleidenschaft gibt. Gerade im Vergleich mit dem Feature der ersten Staffelbox, das William Shatners aktuelles Tun und Wirken beleuchtet hat, ist ausgesprochen interessant zu sehen, wie unterschiedlich die beiden Männer, die Kirk und Spock spielten, auch im realen Leben sind. Während Shatner nach wie vor die Öffentlichkeit und verschiedenste Arten der Selbstbestätigung zu suchen scheint, kommt Nimoy in der kurzen Doku eher wie ein introvertierter, sehr nachdenklicher und beinahe spiritueller Künstlertyp rüber. Dass er sich dabei nach wie vor mit seinem Leben als Spock beschäftigt – vor allem der Geste des vulkanischen Grußes, die ursprünglich aus dem jüdischen Ritus stammt – schlägt eine schöne Brücke zum eigentlichen Anlass des Besuchs in seinem Atelier: der Aufnahme von Bonusmaterial für eine Star-Trek-Box!
Dass „Kirk, Spock und Pille: Star Treks tollstes Trio“ (7:08 min.) sind, braucht man eigentlich nicht extra zu betonen. Dennoch wird hier ein bisschen darüber nachgedacht, wie die drei Charaktere zusammenkamen und wie sie sich gegenseitig zu ergänzen begannen – was vor allem für Spock und Pille gilt, den kühlen Logiker und den erklärten Gefühlsmenschen, die in der zweiten Staffel erheblich häufiger den verbalen Schlagabtausch betreiben als in der ersten. „Das Design der letzten Grenze“ (22:17 min.) wendet sich technischeren Aspekten der Serienproduktion zu. Matt Jefferies lässt seine Zeit als „Art Director“ von „Raumschiff Enterprise“ Revue passieren – wie er an Bord kam und welchen Ideenreichtum man mitunter mitbringen musste, um eine wöchentliche Serie immer wieder auf Neue mit exotischen Sets und Props zu versorgen. Dabei klingt er witzigerweise ein bisschen wie der Scotty-Behind-the-Scenes: „Kein Geld, keine Zeit? Na schön, das wird reichen müssen.“
„Star Treks himmlische Divas“ (13:02 min.) ist eine Verbeugung vor Nichelle Nichols. In ihrer wunderbar herzlichen Art resümiert die Schauspielerin die Entstehung, Entwicklung und Bedeutung ihrer Kommunikationsoffizierin Uhura und auch wenn einem als Fan viele der Details bereits bekannt vorkommen, plaudert sie doch mit einer solchen Freude aus ihrem ganz persönlichen Nähkästchen, dass man ihr immer weiter zuhören könnte. Direkt im Anschluss meldet sich eine weitere Frau, die Star Trek geprägt hat – diesmal hinter den Kulissen –, zu Wort. D.C. Fontana erzählt „Vom Schreibtisch der Autoren“ (7:33 min.) aus von den Herausforderungen der Serien-Schreiberlinge auf dem Weg von der Idee zum Skript zum eigentlichen Dreh.
Das letzte Feature „Die besten Momente in Star Trek“ (17:09 min.) ist das vielleicht schwächste, denn es genügt sich vor allem darin, namhafte Darsteller und Macher späterer Serien voller Lob und Ehrfurcht über die „Klassiker“ sprechen zu lassen. Die Stories sind dabei alle sehr ähnlich: Ich war jung, sah Star Trek, war völlig begeistert. Was für ein Glück, dass ich später auch mitspielen durfte. (Okay, genau das gleiche würde ich auch sagen, wäre ich an ihrer Stelle, aber als Fans wissen wir doch alle, wie toll die Serie ist. Es muss uns nicht lang und breit erklärt werden.) Am besten sind dabei echt noch die Statements der Fans selbst, die zu Wort kommen dürfen.
Den Abschluss bilden erneut vier in der Schiffskonsole versteckte „Easter Eggs“, die kurze Classic-Anekdoten präsentieren, sowie einige Trailer für andere ST-DVD-Sets.
Fazit: Auch die DVD-Box der zweiten Staffel hält, was die erste bereits versprochen hat: gleich mehrere Episoden, die ganze Traditionsstränge innerhalb des Star-Trek-Franchises begründet haben (ich sage nur Spiegeluniversum und Tribbles), dabei eine technisch sehr dankbare Präsentation im Originalschnitt und – auf Wunsch – Originalton und auf dem siebten Silberling eine wohlfeile Sammlung an Features, die mit charmanten Akteuren und einer Menge interessanter Detailinformationen (bei annehmbarem Maß an reziprokem Süßholzgerasple) für kurzweilige Unterhaltung sorgt. Weiter so!
Dienstag, 12. Oktober 2004
Star Trek Voyager - Season 3 DVD-Box
Soap-Alarm im All! Nein, okay, das war jetzt ein bisschen gemein. Die dritte Staffel von „Star Trek Voyager“, seit kurzem auch in unserer Galaxis auf DVD erhältlich, ist weit davon entfernt, uns in deratige Niederungen der TV-Landschaft herabzuziehen. Doch es lässt sich nicht leugnen: Auf dem Intrepid-Klasse-Raumschiff menschelt es sehr im Jahre 2373.
von Frank Stein
Nach der Kazon-Bedrohung der ersten und zweiten Staffel und vor dem Borg-Handlungsbogen ab der vierten liegt die Konsolidierungsphase der Voyager-Crew. Man hat sich mit der Situation abgefunden und widmet sich nun nicht mehr nur dem Überleben im Delta-Quadranten, sondern versucht, dem Exil auch angenehme Seiten abzugewinnen. Am nachhaltigsten demonstriert sich das in dem exorbitanten Gebrauch des Holodecks – insbesondere einer Simulation im karibischen Cluburlaub-Stil, die offenbar zum festen Freizeitprogramm der Mannschaft gehört. Doch auch „zwischenmenschlich“ (trotz all der emotional beteiligten Alienvölker in Ermangelung eines besseren Wortes mal anthropozentrisch ausgedrückt) tut sich einiges. Die Beziehung von Neelix und Kes driftet auseinander, weil die junge Ocampa das Bedürfnis hat, sich weiterzuentwickeln. Im Gegenzug dafür funkt es zwischen Tom Paris und B’Elanna Torres – genau genommen fliegen erstmal die Fetzen, doch in der eher stürmischen Annäherung liegt unübersehbar der Keim einer zukünftigen Beziehung! Harry Kim und ausgerechnet der kühle Logiker Tuvok treten in kurze Rivalität um die Gunst eine Holoschönheit. Derweil versucht der Holo-Doc nicht nur, seine Charakter-Parameter etwas aufzupeppen, sondern auch das Leben in einer Familie kennen zu lernen. Oh, und Captain Janeway muss sich der amourösen Avancen Qs erwehren, während sie sich gleichzeitig zunehmend der Erkenntnis stellen muss, dass das Leben an der Spitze der Hierarchie relativ einsam ist.
Es ist weniger ein Kritikpunkt als eine simple Feststellung, dass sich „Voyager“ in seinem dritten Jahr auffällig charakterzentriert gibt. So bleiben Bedrohungen beispielsweise weitestgehend auf Episoden-Niveau begrenzt. Einen Staffelgegner wie zuvor die Kazon gibt es nicht mehr, wenngleich Andeutungen bereits die Borg etablieren, die mit voller Macht allerdings erst in der finalen Episode „Skorpion, Teil 1“ auftreten, in der die Voyager den Rand des Borg-Raums erreicht, um den ein erbitterter Krieg geführt wird. Weiteres Staffelhighlights ist die Folge „Tuvoks Flashback“, in der wir eine mentale Reise in die Vergangenheit des Vulkaniers machen, die uns an Bord der „U.S.S. Excelsior“ führt – inklusive Auftritt zahlreicher Gaststars! – und die Ereignisse des Kinofilms „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“ aus neuer Perspektive zeigt. Ein groß angelegtes Zeitreiseabenteuer bietet indessen der Zweiteiler „Vor dem Ende der Zukunft“, in welchem die Voyager ins Fadenkreuz eines Zeitpolizisten gerät, der Janeway beschuldigt, für die Auslöschung der Erde verantwortlich zu sein. Während des Zwischenfalls wird man in das Jahr 1996 geschleudert und muss in Los Angeles auf Spurensuche gehen, um die Tragödie abzuwenden.
Hinsichtlich der Präsentation der Serie gibt es nichts Neues zu vermelden. Die 26 Episoden sind nach wie vor auf sieben DVDs abgelegt, wobei auf der siebten DVD zusätzlich die Extras untergebracht wurden. Auch das Boxendesign entspricht weiterhin der Reihe: rote Hülle, silberner Aufdruck, neckisch „ausgesägte“ Fenster, farblich abgestimmte Pappummantelung im Inneren und nach wie vor lieblos schmale Klarsichthalterungen samt Klebestreifen zur Aufbewahrung der eigentlichen Bildträger. Das Startmenü lässt diesmal ein Shuttle aus vier Richtungen anfliegen – ein netter, kleiner Bonus, dass hier weiterhin auf inhaltlichen Wechsel geachtet wurde (mal sehen, welches Schiff uns zu Staffel 4 begrüßt).
Doch werfen wir ein Blick auf die Specials, die einmal mehr eine solide Mischung aus gelungenen und weniger gelungenen Features anbieten. Der erste Wermutstropfen gleich zum Einstieg: Auf Textkommentare wurde diesmal gänzlich verzichtet, was meines Erachtens sehr schade ist. Gerade „Tuvoks Flashback“ oder „Skorpion“ hätten durch einen Kommentar zusätzlich aufgewertet werden können. Allerdings gibt es zur Excelsior-Episode ein nettes Feature, in dem vor allem die Anstrengungen betont werden, die betrieben wurden, um diese Geschichte so authentisch wie möglich zu machen.
In „Auf ins Unbekannte: Staffel 3“ erzählen die Macher und Schauspieler von den Höhen und Tiefen der dritten Runde „Voyager“. Es wird davon berichtet, wie der Doc zur Lieblingsfigur der Autoren aufsteigt und wie Roxann Dawson und Robert Duncan McNeill im fiebrigen Liebesreigen des „Pon Farr“ mit B’Elanna und Tom Paris ein Ausleuchtungsballet hinlegten. Die „Voyager Zeitkapsel“ gibt es diesmal gleich im Doppelpack: einmal Neelix gewidmet, einmal Kes. Und so sehr es Spaß macht, dem auf sympathische Weise bescheidenen Neelix-Darsteller Ethan Phillips zuzuhören, so bedauerlich ist es, dass Jennifer Liens Interpretation ihrer Kes-Rolle auf ein Interview von 1994 beschränkt bleibt. Sie und Robert Beltram (Chakotay) scheinen die Einzigen zu sein, die für die DVD-Umsetzung von „Voyager“ nicht zur Verfügung standen. Der Trekkie hat so eine Ahnung, warum...
Aufs Neue sehr interessant ist auch in der dritten Staffel „Roter Alarm: Unglaubliche Special Effects“ geraten. Dan Curry und Ronald B. Moore berichten beispielsweise über die Umsetzung der Staffeleinstiegsepisode „Der Kampf ums Dasein“ und den Zweiteiler „Vor dem Ende der Zukunft“. Spannend dabei sind vor allem die Vorher-Nachher-Aufnahmen, die teilweise Schritt für Schritt den digitalen Verfremdungsprozess dokumentieren. Wie immer hätte ich den Beiden locker die doppelte und dreifache Feature-Länge zuhören können.
André Bormanis legt diesmal den Schwerpunkt auf die Astronomie von „Voyager“, die – wie alles andere auch – möglichst nah an dem, was wir heute über unsere Galaxis wissen oder interpolieren können, liegen sollte. Rückendeckung lässt er sich von den zwei Astronomen, Dr. Neil deGrasse Tyson und Dr. Sallie Baliunas, geben, die, unter gewissen Einschränkungen, dem ganzen Star-Trek-Phänomen einen Ansatz zugestehen, der sich von der puren Space Opera à la „Star Wars“ deutlich unterscheidet.
„Die Entstehung der Voyager Crew“ wirft einen Blick auf die ursprünglichen Charakterkonzepte aller Hauptdarsteller. Zunächste folgt ein Auszug aus der „Voyager“-Bibel für Autoren, dann eine beispielshafte Szene und schließlich lässt Michael Piller noch ein paar Gedanken zum Thema einfließen. Zum kollektiven Gläserheben lädt „Momente: Das 30. Jubiläum von Star Trek“ ein, ein kurzer Streifzug entlang des Roten Teppichs der Paramount Gala am 6.10.1996, der neben den üblichen Verächtigen eine Reihe hübscher Momente u. a. mit einem vitalen DeForest Kelley und einer aufgedrehten Kirsten Dunst einfängt (lange vor ihrer Karriere als Spinnenmannbraut).
Ein regelrechter Hohn (sorry) ist das Feature „Borg Invasion 4D“. Ein grandioser Trailer für den neuen Theme-Ride des „Star Trek: The Experience“-Parks im Hilton Hotel in Las Vegas macht Lust auf einen feinen Blick hinter die Kulissen, doch nach 57 Sekunden ist alles schon wieder vorbei. Es bleibt bei dem Trailer. Mehr ist da nicht. Nada. Und das Allerbeste: Exakt den gleichen Trailer gab es in Staffel 2 schon einmal zu sehen. (Darum gibt‘s von mir auch exakt die gleiche Kritik, nur gepaart mit dem Unverständnis, warum wir hier zum zweiten Mal für dumm verkauft werden.)
Eine Bildergallerie und zwei DVD-Werbetrailer für die TNG- und DS9-Boxen schließen das Feature-Programm ab. Zudem verstecken sich noch vier Easter-Eggs mit kurzen Anekdoten in der Shuttlehülle im Menü. Alles in allem ein ordentliches Programm, das überwiegend Spaß macht und insbesondere dem Gelegenheitstrekkie den einen oder anderen netten Insider-Blick verschafft.
Fazit:
Die dritte „Voyager“-Staffel hängt ein bisschen zwischen den Kazon und den Borg und nutzt diesen Mangel an größerer Bedrohung zu einer Vertiefung der Beziehungen an Bord des im fernen Delta-Quadranten verschollenen Raumschiffes. Vor allem Charaktere wie Tuvok und der Holo-Doc gewinnen dabei, was einige der besten Episoden der Staffel mit sich bringt. Durch die langsame Annäherung an die Borg ab Episode 16 wird zudem die Erwartungshaltung auf die vierte Staffel geschürt. Das mag zwar irgendwie kontraproduktiv wirken, doch tolle Episoden wie „Charakterelemente“, „Das wirkliche Leben“ und „Rebellion Alpha“ entschädigen für die Wartezeit bis zum grandiosen Finale „Skorpion“, das einen Ausblick auf die vielleicht dramatischste Passage der Voyager-Reise bietet: den Borg-Raum.
PS: Im Begleitheft schreiben wir übrigens seit drei Staffeln das Jahr 2371. Schlamperei! Da sollte mal jemand die Sternzeit weiterdrehen ...
von Frank Stein
Nach der Kazon-Bedrohung der ersten und zweiten Staffel und vor dem Borg-Handlungsbogen ab der vierten liegt die Konsolidierungsphase der Voyager-Crew. Man hat sich mit der Situation abgefunden und widmet sich nun nicht mehr nur dem Überleben im Delta-Quadranten, sondern versucht, dem Exil auch angenehme Seiten abzugewinnen. Am nachhaltigsten demonstriert sich das in dem exorbitanten Gebrauch des Holodecks – insbesondere einer Simulation im karibischen Cluburlaub-Stil, die offenbar zum festen Freizeitprogramm der Mannschaft gehört. Doch auch „zwischenmenschlich“ (trotz all der emotional beteiligten Alienvölker in Ermangelung eines besseren Wortes mal anthropozentrisch ausgedrückt) tut sich einiges. Die Beziehung von Neelix und Kes driftet auseinander, weil die junge Ocampa das Bedürfnis hat, sich weiterzuentwickeln. Im Gegenzug dafür funkt es zwischen Tom Paris und B’Elanna Torres – genau genommen fliegen erstmal die Fetzen, doch in der eher stürmischen Annäherung liegt unübersehbar der Keim einer zukünftigen Beziehung! Harry Kim und ausgerechnet der kühle Logiker Tuvok treten in kurze Rivalität um die Gunst eine Holoschönheit. Derweil versucht der Holo-Doc nicht nur, seine Charakter-Parameter etwas aufzupeppen, sondern auch das Leben in einer Familie kennen zu lernen. Oh, und Captain Janeway muss sich der amourösen Avancen Qs erwehren, während sie sich gleichzeitig zunehmend der Erkenntnis stellen muss, dass das Leben an der Spitze der Hierarchie relativ einsam ist.
Es ist weniger ein Kritikpunkt als eine simple Feststellung, dass sich „Voyager“ in seinem dritten Jahr auffällig charakterzentriert gibt. So bleiben Bedrohungen beispielsweise weitestgehend auf Episoden-Niveau begrenzt. Einen Staffelgegner wie zuvor die Kazon gibt es nicht mehr, wenngleich Andeutungen bereits die Borg etablieren, die mit voller Macht allerdings erst in der finalen Episode „Skorpion, Teil 1“ auftreten, in der die Voyager den Rand des Borg-Raums erreicht, um den ein erbitterter Krieg geführt wird. Weiteres Staffelhighlights ist die Folge „Tuvoks Flashback“, in der wir eine mentale Reise in die Vergangenheit des Vulkaniers machen, die uns an Bord der „U.S.S. Excelsior“ führt – inklusive Auftritt zahlreicher Gaststars! – und die Ereignisse des Kinofilms „Star Trek VI: Das unentdeckte Land“ aus neuer Perspektive zeigt. Ein groß angelegtes Zeitreiseabenteuer bietet indessen der Zweiteiler „Vor dem Ende der Zukunft“, in welchem die Voyager ins Fadenkreuz eines Zeitpolizisten gerät, der Janeway beschuldigt, für die Auslöschung der Erde verantwortlich zu sein. Während des Zwischenfalls wird man in das Jahr 1996 geschleudert und muss in Los Angeles auf Spurensuche gehen, um die Tragödie abzuwenden.
Hinsichtlich der Präsentation der Serie gibt es nichts Neues zu vermelden. Die 26 Episoden sind nach wie vor auf sieben DVDs abgelegt, wobei auf der siebten DVD zusätzlich die Extras untergebracht wurden. Auch das Boxendesign entspricht weiterhin der Reihe: rote Hülle, silberner Aufdruck, neckisch „ausgesägte“ Fenster, farblich abgestimmte Pappummantelung im Inneren und nach wie vor lieblos schmale Klarsichthalterungen samt Klebestreifen zur Aufbewahrung der eigentlichen Bildträger. Das Startmenü lässt diesmal ein Shuttle aus vier Richtungen anfliegen – ein netter, kleiner Bonus, dass hier weiterhin auf inhaltlichen Wechsel geachtet wurde (mal sehen, welches Schiff uns zu Staffel 4 begrüßt).
Doch werfen wir ein Blick auf die Specials, die einmal mehr eine solide Mischung aus gelungenen und weniger gelungenen Features anbieten. Der erste Wermutstropfen gleich zum Einstieg: Auf Textkommentare wurde diesmal gänzlich verzichtet, was meines Erachtens sehr schade ist. Gerade „Tuvoks Flashback“ oder „Skorpion“ hätten durch einen Kommentar zusätzlich aufgewertet werden können. Allerdings gibt es zur Excelsior-Episode ein nettes Feature, in dem vor allem die Anstrengungen betont werden, die betrieben wurden, um diese Geschichte so authentisch wie möglich zu machen.
In „Auf ins Unbekannte: Staffel 3“ erzählen die Macher und Schauspieler von den Höhen und Tiefen der dritten Runde „Voyager“. Es wird davon berichtet, wie der Doc zur Lieblingsfigur der Autoren aufsteigt und wie Roxann Dawson und Robert Duncan McNeill im fiebrigen Liebesreigen des „Pon Farr“ mit B’Elanna und Tom Paris ein Ausleuchtungsballet hinlegten. Die „Voyager Zeitkapsel“ gibt es diesmal gleich im Doppelpack: einmal Neelix gewidmet, einmal Kes. Und so sehr es Spaß macht, dem auf sympathische Weise bescheidenen Neelix-Darsteller Ethan Phillips zuzuhören, so bedauerlich ist es, dass Jennifer Liens Interpretation ihrer Kes-Rolle auf ein Interview von 1994 beschränkt bleibt. Sie und Robert Beltram (Chakotay) scheinen die Einzigen zu sein, die für die DVD-Umsetzung von „Voyager“ nicht zur Verfügung standen. Der Trekkie hat so eine Ahnung, warum...
Aufs Neue sehr interessant ist auch in der dritten Staffel „Roter Alarm: Unglaubliche Special Effects“ geraten. Dan Curry und Ronald B. Moore berichten beispielsweise über die Umsetzung der Staffeleinstiegsepisode „Der Kampf ums Dasein“ und den Zweiteiler „Vor dem Ende der Zukunft“. Spannend dabei sind vor allem die Vorher-Nachher-Aufnahmen, die teilweise Schritt für Schritt den digitalen Verfremdungsprozess dokumentieren. Wie immer hätte ich den Beiden locker die doppelte und dreifache Feature-Länge zuhören können.
André Bormanis legt diesmal den Schwerpunkt auf die Astronomie von „Voyager“, die – wie alles andere auch – möglichst nah an dem, was wir heute über unsere Galaxis wissen oder interpolieren können, liegen sollte. Rückendeckung lässt er sich von den zwei Astronomen, Dr. Neil deGrasse Tyson und Dr. Sallie Baliunas, geben, die, unter gewissen Einschränkungen, dem ganzen Star-Trek-Phänomen einen Ansatz zugestehen, der sich von der puren Space Opera à la „Star Wars“ deutlich unterscheidet.
„Die Entstehung der Voyager Crew“ wirft einen Blick auf die ursprünglichen Charakterkonzepte aller Hauptdarsteller. Zunächste folgt ein Auszug aus der „Voyager“-Bibel für Autoren, dann eine beispielshafte Szene und schließlich lässt Michael Piller noch ein paar Gedanken zum Thema einfließen. Zum kollektiven Gläserheben lädt „Momente: Das 30. Jubiläum von Star Trek“ ein, ein kurzer Streifzug entlang des Roten Teppichs der Paramount Gala am 6.10.1996, der neben den üblichen Verächtigen eine Reihe hübscher Momente u. a. mit einem vitalen DeForest Kelley und einer aufgedrehten Kirsten Dunst einfängt (lange vor ihrer Karriere als Spinnenmannbraut).
Ein regelrechter Hohn (sorry) ist das Feature „Borg Invasion 4D“. Ein grandioser Trailer für den neuen Theme-Ride des „Star Trek: The Experience“-Parks im Hilton Hotel in Las Vegas macht Lust auf einen feinen Blick hinter die Kulissen, doch nach 57 Sekunden ist alles schon wieder vorbei. Es bleibt bei dem Trailer. Mehr ist da nicht. Nada. Und das Allerbeste: Exakt den gleichen Trailer gab es in Staffel 2 schon einmal zu sehen. (Darum gibt‘s von mir auch exakt die gleiche Kritik, nur gepaart mit dem Unverständnis, warum wir hier zum zweiten Mal für dumm verkauft werden.)
Eine Bildergallerie und zwei DVD-Werbetrailer für die TNG- und DS9-Boxen schließen das Feature-Programm ab. Zudem verstecken sich noch vier Easter-Eggs mit kurzen Anekdoten in der Shuttlehülle im Menü. Alles in allem ein ordentliches Programm, das überwiegend Spaß macht und insbesondere dem Gelegenheitstrekkie den einen oder anderen netten Insider-Blick verschafft.
Fazit:
Die dritte „Voyager“-Staffel hängt ein bisschen zwischen den Kazon und den Borg und nutzt diesen Mangel an größerer Bedrohung zu einer Vertiefung der Beziehungen an Bord des im fernen Delta-Quadranten verschollenen Raumschiffes. Vor allem Charaktere wie Tuvok und der Holo-Doc gewinnen dabei, was einige der besten Episoden der Staffel mit sich bringt. Durch die langsame Annäherung an die Borg ab Episode 16 wird zudem die Erwartungshaltung auf die vierte Staffel geschürt. Das mag zwar irgendwie kontraproduktiv wirken, doch tolle Episoden wie „Charakterelemente“, „Das wirkliche Leben“ und „Rebellion Alpha“ entschädigen für die Wartezeit bis zum grandiosen Finale „Skorpion“, das einen Ausblick auf die vielleicht dramatischste Passage der Voyager-Reise bietet: den Borg-Raum.
PS: Im Begleitheft schreiben wir übrigens seit drei Staffeln das Jahr 2371. Schlamperei! Da sollte mal jemand die Sternzeit weiterdrehen ...
Mittwoch, 8. September 2004
Star Trek - The Original Series Staffel 1 DVD-Box
1966 begann die Reise eines Raumschiffs, das aufgrund seiner Popularität beim Fandom ein Franchise lostreten sollte, das heute fast beispiellos ist im Science-Fiction-Genre. Drei Staffeln lang kämpfte sich die „Enterprise“ mit mikrigem Budget und unter dem kritischen Blick der Fernsehsender-Offiziellen durchs All und schuf dabei dennoch Kult: Unter dem Deckmantel zünftiger Action und farbenprächtigen 1960er-Jahre-Designs durchlebten Captain Kirk, Spitzohr Spock und Schiffsarzt (nicht Maurer!) Pille gemeinsam mit dem Rest der Crew mitunter äußerst intelligente Geschichten, die sich immer wieder mit existentiellen Fragen des Lebens beschäftigten (ein Grund, warum Star Trek bei Akademikern so beliebt ist :-) ). Nachdem die Welt lange, lange darauf warten musste, erscheinen diese legendären Abenteuer nun endlich auf DVD. Die erste Staffel steht bereits in den Verkaufsregalen.
von Frank Stein
Die Aufmachung
Die Box kommt, wie alle anderen Star-Trek-Serien auch, im schicken Plastikdesign her, wobei erstmalig die relativ strenge Kastenform einem etwas schlankeren, spielerischen Design gewichen ist. Man fühlt sich entweder an eine Sandwichdose oder einen Trikorder erinnert – in jedem Fall echt 1960er-Jahre-Style. Wie bei „Voyager“ ist die Schrift in glänzendem Silber gehalten und Ausfräsungen geben den Blick auf die Papphülle mit den DVDs im Inneren frei. Die Box öffnet sich lustigerweise der Länge nach in zwei Hälften. Man zieht sie sozusagen auseinander, um an den Inhalt zu kommen. In der Pappummantelung steckt leider erneut ein schlichter Stapel Klarsichthalterungen, die mit einem Klebestreifen am einen Ende zusammengehalten werden – genau wie bei „DS9“ und „Voyager“. Dafür ziert jeden Silberling das Konterfei eines anderen Crewmitglieds aus der ersten Staffel. Korrekterweise muss man auf Chekov verzichten, dafür wurde Janice Rand eine Scheibe gewidmet.
Das DVD-Menü ist äußerst farbenfroh und auch wenn die Computeranimation etwas ruckelt, die uns von außen auf die Enterprise zu und dann durch die Brücke schwenkend hin zur Steuerkonsole führt, ist sie doch ganz nett geworden. Die Anordnung der Episoden auf den Silberlingen ist dabei leider in Ausstrahlungsreihenfolge, nicht in der eigentlichen Produktionsreihenfolge geschehen, allerdings kann man mithilfe der Episodennummern sich die ursprüngliche Abfolge rekonstruieren, wenn man will.
Die Episoden
Im Gegensatz zu moderneren Serien geht die Classic-Serie gleich in medias res. Die Einführung der Charaktere nimmt vielleicht zwei Episoden ein – und dies auch nur am Rande. Unter den insgesamt 29 Episoden (28 Einzelepisoden und einer Doppelfolge) finden sich dabei so „Klassiker“ wie „Das letzte seiner Art“ mit dem unheimlichen, außerirdischen Salz-Junkie, „Implosion in der Spirale“, in der die Crew sich einen Virus einfängt und anfängt, auszuticken, „Talos IV – Tabu“, die Doppelfolge, die aus der Not des Drehbuchmangels geboren wurde und geschickt den gefloppten ersten Pilotfilm „The Cage“ verarbeitet oder „Der schlafende Tiger“, in der wir erstmals mit dem genetischen Übermensch Khan konfrontiert werden, der später im zweiten Kinofilm voller Zorn zurückkehren sollte. Auch „Horta rettet ihre Kinder“ (ich sage nur „Schmerz. Schmerz!“) und die grandiose Zeitreise-Tragödie „Griff in die Geschichte“, in der sich Kirk in die Visionärin Edith Keeler verliebt und sie dennoch verlieren muss, finden sich in der ersten Staffel wieder.
Es ist müßig, hier über die Qualität der einzelnen Folgen zu diskutieren. Das Budget ist erkennbar relativ gering gewesen, die Settings sind teilweise krude (wenn auch nett bunt) und das Schauspiel mitunter theatralisch (v.a. das des „Captains“). Doch die Geschichten sind unbestreitbar sehenswert und entweder mag man alte Serien eben – oder man mag sie nicht. Zur Bildqualität ist zu sagen, dass ich ich sie mir noch etwas besser vorgestellt hätte. Insbesondere Außenaufnahmen weisen häufig Kratzer und Staub auf, die zugegebenermaßen vermutlich nur unter erheblichem finanziellen Aufwand hätten wegretouschiert werden können. Die Set-Aufnahmen innerhalb des Schiffs hingegen sind meist klar, wenngleich man sich des Gefühls einer leichten Unschärfe nicht erwehren kann. Dafür sind die Farben toll (ich wiederhole mich, oder?) und, he, die Serie ist fürs Fernsehen gemacht worden und 40 Jahre alt! Gleichermaßen könnte man den Ton bemängeln, der laut Verpackung zumindest auf der englischen Tonspur 5.1 sein soll, allerdings abgesehen von wenigen Effekten unverändert erscheint, doch was soll überhaupt diese Show mit einem künstlichen Upmix einer ursprünglich mono aufgenommenen Geschichte? Ich für meinen Teil kann mit dem Originalton, sofern er klar rüberkommt, voll und ganz leben.
Die Extras
Das Bonusmaterial ist diesmal – und das sage ich nicht nur, weil ich ein alter Fan von Kirk, Spock und Pille bin – wirklich äußerst gelungen. Zunächst einmal gibt es Textkommentare zu gleich vier Episoden („Die Spitze des Eisbergs“, „Talos IV – Tabu“ Teil 1 und 2 sowie „Kodos, der Henker“), die höchst interessante Einblicke in die Produktionsumstände gewähren und gleichzeitig Details der Handlung kommentieren. Ausgesprochen lesenwert und einem Audiokommentar locker ebenbürtig. Eher historischen Kuriositätswert haben die Trailer, die es zu jeder einzelnen Episode gibt und Einblick in die noch recht spoilerlastige Previewpolitik im TV der 1960er Jahre gewähren.
Doch kommen wir zu den Features, die allesamt auf der achten DVD abgelegt sind. „Die Geburt einer zeitlosen Legende“ erzählt – nomen est omen – vom Beginn von Star Trek. Dabei kommen praktisch alle Protagonisten der ersten Staffel zu Wort und auch Meister Roddenberry himself meldet sich in sympathischen Interviewschnipseln aus einem 1988 aufgenommenen Gespräch zu Wort. „Leben jenseits von Star Trek: William Shatner“ scheint eine Art Insidergag zu sein. Es heißt ja, das Mr. Shatner keine Gelegenheit verstreichen lässt, von seinen Pferden und seiner Reitleidenschaft zu erzählen – so passend oder unpassend der Moment sein mag. Dieses Feature widmet sich nun ausschließlich der Reitleidenschaft des „Captains“. Star Trek wird mit keinem Wort erwähnt! Ungelogen! Insofern ist der Titel vielleicht etwas irreführend (wer einen Abriss von Shatners Leben nach Star Trek erwartet, wird enttäuscht sein), aber genau genommen kann man nicht von Mogelpackung sprechen. Na ja, für ein amüsiertes Kopfschütteln ist die Episode gut.
Erheblich interessanter ist ein Interview mit Leonard Nimoy unter dem Titel „Reflektionen über Spock“, in dem er seinen Bezug zu Spock darlegt und seine Motivation zum Schreiben der zwei unter Fans heiß diskutierten Bücher „I am not Spock“ und „I am Spock“ darlegt. Dabei räumt er auf sehr diplomatische Weise mit einigen Vorurteilen bezüglich seiner Einstellung zu Star Trek auf. „Wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist... Staffel 1“ widmet sich detailfreutig einzelnen, herausragenden Episoden der ersten Staffel sowie dem generellen Umfeld, in dem diese Staffel entstand. Vor allem Nimoy ist er erneut, der nette Anekdoten zum Besten gibt, aber auch George Takei und sogar Ricardo „Khan“ Montalban erinnern sich auf kurzweilige Art und Weise.
„Klatsch und Tratsch: Romanzen im 23. Jahrhundert“ ist ein echtes Hightlight. Es geht – natürlich – um die Liebesgeschichten der Crew – vor allem Captain Kirks. Wie kurios klingt es da, dass Shatner den Womanizer Kirk eigentlich viel lieber zölibatär angelegt hätte und mitunter regelrecht angewidert war von all der holden Weiblichkeit. Ganz im Gegensatz zu Walter Koenig, der Chekov noch Heerscharen von Frauen mehr gegönnt hätte!
Das letzte sehr nette Feature widmet sich den „Sci-Fi Visionären“, also den Geschichten und den Drehbuchautoren hinter den Geschichten. Renommierte SF-Autoren wie Harlan Ellison und Ted Sturgeon schrieben Episoden für die Classic-Serie, andere wie Ray Bradbury spazierten zumindest übers Set, bevor sie ausgesucht höflich eine Absage erteilten. Das Ziel war, Gene Roddenberrys Vision einer Science-Fiction-Serie mit echten Botschaften umzusetzen – ein Ziel, das letztlich ein gutes Stück für den Erfolg der Serie verantwortlich war.
Den Abschluss bilden noch vier „Easter Eggs“, die kurze Classic-Anekdoten präsentieren, dazu einige Trailer für andere ST-DVD-Sets, eine Foto-Gallerie und ein eher seltsames Spiel, während dem man die Verbindung zwischen zwei ST-Darstellern über mehrere filmische Zwischenschritte schließen muss – mir hat sich der Sinn irgendwie nicht erschlossen (abgesehen davon, dass es sauschwer war).
Fazit: Ein echtes Highlight unter den bisher erschienenen ST-DVD-Boxen. Das sage ich nicht nur, weil die Classic-Serie einfach kultig ist und nun endlich mehrsprachig und werbefrei genossen werden kann, sondern auch, weil die Aufmachung wirklich cool ist und das Bonusmaterial meines Erachtens zum Besten gehört, was auf ST-Staffelboxen bislang zu sehen war! Da verschmerzt man auch, dass der Bildqualität das Alter der Serie trotz digitalem Aufpolieren noch deutlich anzusehen ist und dass der Ton nur auf dem Papier sechs Kanäle beschallt. Denn genau genommen sind ja auch selbst diese Mängel Teil des echten 60er-Jahre-Flairs...
von Frank Stein
Die Aufmachung
Die Box kommt, wie alle anderen Star-Trek-Serien auch, im schicken Plastikdesign her, wobei erstmalig die relativ strenge Kastenform einem etwas schlankeren, spielerischen Design gewichen ist. Man fühlt sich entweder an eine Sandwichdose oder einen Trikorder erinnert – in jedem Fall echt 1960er-Jahre-Style. Wie bei „Voyager“ ist die Schrift in glänzendem Silber gehalten und Ausfräsungen geben den Blick auf die Papphülle mit den DVDs im Inneren frei. Die Box öffnet sich lustigerweise der Länge nach in zwei Hälften. Man zieht sie sozusagen auseinander, um an den Inhalt zu kommen. In der Pappummantelung steckt leider erneut ein schlichter Stapel Klarsichthalterungen, die mit einem Klebestreifen am einen Ende zusammengehalten werden – genau wie bei „DS9“ und „Voyager“. Dafür ziert jeden Silberling das Konterfei eines anderen Crewmitglieds aus der ersten Staffel. Korrekterweise muss man auf Chekov verzichten, dafür wurde Janice Rand eine Scheibe gewidmet.
Das DVD-Menü ist äußerst farbenfroh und auch wenn die Computeranimation etwas ruckelt, die uns von außen auf die Enterprise zu und dann durch die Brücke schwenkend hin zur Steuerkonsole führt, ist sie doch ganz nett geworden. Die Anordnung der Episoden auf den Silberlingen ist dabei leider in Ausstrahlungsreihenfolge, nicht in der eigentlichen Produktionsreihenfolge geschehen, allerdings kann man mithilfe der Episodennummern sich die ursprüngliche Abfolge rekonstruieren, wenn man will.
Die Episoden
Im Gegensatz zu moderneren Serien geht die Classic-Serie gleich in medias res. Die Einführung der Charaktere nimmt vielleicht zwei Episoden ein – und dies auch nur am Rande. Unter den insgesamt 29 Episoden (28 Einzelepisoden und einer Doppelfolge) finden sich dabei so „Klassiker“ wie „Das letzte seiner Art“ mit dem unheimlichen, außerirdischen Salz-Junkie, „Implosion in der Spirale“, in der die Crew sich einen Virus einfängt und anfängt, auszuticken, „Talos IV – Tabu“, die Doppelfolge, die aus der Not des Drehbuchmangels geboren wurde und geschickt den gefloppten ersten Pilotfilm „The Cage“ verarbeitet oder „Der schlafende Tiger“, in der wir erstmals mit dem genetischen Übermensch Khan konfrontiert werden, der später im zweiten Kinofilm voller Zorn zurückkehren sollte. Auch „Horta rettet ihre Kinder“ (ich sage nur „Schmerz. Schmerz!“) und die grandiose Zeitreise-Tragödie „Griff in die Geschichte“, in der sich Kirk in die Visionärin Edith Keeler verliebt und sie dennoch verlieren muss, finden sich in der ersten Staffel wieder.
Es ist müßig, hier über die Qualität der einzelnen Folgen zu diskutieren. Das Budget ist erkennbar relativ gering gewesen, die Settings sind teilweise krude (wenn auch nett bunt) und das Schauspiel mitunter theatralisch (v.a. das des „Captains“). Doch die Geschichten sind unbestreitbar sehenswert und entweder mag man alte Serien eben – oder man mag sie nicht. Zur Bildqualität ist zu sagen, dass ich ich sie mir noch etwas besser vorgestellt hätte. Insbesondere Außenaufnahmen weisen häufig Kratzer und Staub auf, die zugegebenermaßen vermutlich nur unter erheblichem finanziellen Aufwand hätten wegretouschiert werden können. Die Set-Aufnahmen innerhalb des Schiffs hingegen sind meist klar, wenngleich man sich des Gefühls einer leichten Unschärfe nicht erwehren kann. Dafür sind die Farben toll (ich wiederhole mich, oder?) und, he, die Serie ist fürs Fernsehen gemacht worden und 40 Jahre alt! Gleichermaßen könnte man den Ton bemängeln, der laut Verpackung zumindest auf der englischen Tonspur 5.1 sein soll, allerdings abgesehen von wenigen Effekten unverändert erscheint, doch was soll überhaupt diese Show mit einem künstlichen Upmix einer ursprünglich mono aufgenommenen Geschichte? Ich für meinen Teil kann mit dem Originalton, sofern er klar rüberkommt, voll und ganz leben.
Die Extras
Das Bonusmaterial ist diesmal – und das sage ich nicht nur, weil ich ein alter Fan von Kirk, Spock und Pille bin – wirklich äußerst gelungen. Zunächst einmal gibt es Textkommentare zu gleich vier Episoden („Die Spitze des Eisbergs“, „Talos IV – Tabu“ Teil 1 und 2 sowie „Kodos, der Henker“), die höchst interessante Einblicke in die Produktionsumstände gewähren und gleichzeitig Details der Handlung kommentieren. Ausgesprochen lesenwert und einem Audiokommentar locker ebenbürtig. Eher historischen Kuriositätswert haben die Trailer, die es zu jeder einzelnen Episode gibt und Einblick in die noch recht spoilerlastige Previewpolitik im TV der 1960er Jahre gewähren.
Doch kommen wir zu den Features, die allesamt auf der achten DVD abgelegt sind. „Die Geburt einer zeitlosen Legende“ erzählt – nomen est omen – vom Beginn von Star Trek. Dabei kommen praktisch alle Protagonisten der ersten Staffel zu Wort und auch Meister Roddenberry himself meldet sich in sympathischen Interviewschnipseln aus einem 1988 aufgenommenen Gespräch zu Wort. „Leben jenseits von Star Trek: William Shatner“ scheint eine Art Insidergag zu sein. Es heißt ja, das Mr. Shatner keine Gelegenheit verstreichen lässt, von seinen Pferden und seiner Reitleidenschaft zu erzählen – so passend oder unpassend der Moment sein mag. Dieses Feature widmet sich nun ausschließlich der Reitleidenschaft des „Captains“. Star Trek wird mit keinem Wort erwähnt! Ungelogen! Insofern ist der Titel vielleicht etwas irreführend (wer einen Abriss von Shatners Leben nach Star Trek erwartet, wird enttäuscht sein), aber genau genommen kann man nicht von Mogelpackung sprechen. Na ja, für ein amüsiertes Kopfschütteln ist die Episode gut.
Erheblich interessanter ist ein Interview mit Leonard Nimoy unter dem Titel „Reflektionen über Spock“, in dem er seinen Bezug zu Spock darlegt und seine Motivation zum Schreiben der zwei unter Fans heiß diskutierten Bücher „I am not Spock“ und „I am Spock“ darlegt. Dabei räumt er auf sehr diplomatische Weise mit einigen Vorurteilen bezüglich seiner Einstellung zu Star Trek auf. „Wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist... Staffel 1“ widmet sich detailfreutig einzelnen, herausragenden Episoden der ersten Staffel sowie dem generellen Umfeld, in dem diese Staffel entstand. Vor allem Nimoy ist er erneut, der nette Anekdoten zum Besten gibt, aber auch George Takei und sogar Ricardo „Khan“ Montalban erinnern sich auf kurzweilige Art und Weise.
„Klatsch und Tratsch: Romanzen im 23. Jahrhundert“ ist ein echtes Hightlight. Es geht – natürlich – um die Liebesgeschichten der Crew – vor allem Captain Kirks. Wie kurios klingt es da, dass Shatner den Womanizer Kirk eigentlich viel lieber zölibatär angelegt hätte und mitunter regelrecht angewidert war von all der holden Weiblichkeit. Ganz im Gegensatz zu Walter Koenig, der Chekov noch Heerscharen von Frauen mehr gegönnt hätte!
Das letzte sehr nette Feature widmet sich den „Sci-Fi Visionären“, also den Geschichten und den Drehbuchautoren hinter den Geschichten. Renommierte SF-Autoren wie Harlan Ellison und Ted Sturgeon schrieben Episoden für die Classic-Serie, andere wie Ray Bradbury spazierten zumindest übers Set, bevor sie ausgesucht höflich eine Absage erteilten. Das Ziel war, Gene Roddenberrys Vision einer Science-Fiction-Serie mit echten Botschaften umzusetzen – ein Ziel, das letztlich ein gutes Stück für den Erfolg der Serie verantwortlich war.
Den Abschluss bilden noch vier „Easter Eggs“, die kurze Classic-Anekdoten präsentieren, dazu einige Trailer für andere ST-DVD-Sets, eine Foto-Gallerie und ein eher seltsames Spiel, während dem man die Verbindung zwischen zwei ST-Darstellern über mehrere filmische Zwischenschritte schließen muss – mir hat sich der Sinn irgendwie nicht erschlossen (abgesehen davon, dass es sauschwer war).
Fazit: Ein echtes Highlight unter den bisher erschienenen ST-DVD-Boxen. Das sage ich nicht nur, weil die Classic-Serie einfach kultig ist und nun endlich mehrsprachig und werbefrei genossen werden kann, sondern auch, weil die Aufmachung wirklich cool ist und das Bonusmaterial meines Erachtens zum Besten gehört, was auf ST-Staffelboxen bislang zu sehen war! Da verschmerzt man auch, dass der Bildqualität das Alter der Serie trotz digitalem Aufpolieren noch deutlich anzusehen ist und dass der Ton nur auf dem Papier sechs Kanäle beschallt. Denn genau genommen sind ja auch selbst diese Mängel Teil des echten 60er-Jahre-Flairs...
Freitag, 2. Juli 2004
Star Trek Voyager - Season 1 DVD-Box
Mit der erfolgreichen Veröffentlichung von zwei kompletten Star-Trek-Serien – TNG und DS9 – hat Paramount bewiesen, dass es bei Weitem nicht so schlecht um das Franchise stehen kann, wie manch einer behauptet. Trotz des mitunter horrenden Boxenpreises – zwischen 90 und 120 Euro war in einschlägigen Elektronikfachläden alles zu finden – waren beide Serien ein Erfolg unter den Fans. Von freudigem Stolz erfüllt, wer sich die schwergewichtigen Boxen ins heimische Regal stellen konnte. Von Mai 2004 bis Mitte 2005 kommt nun auch Voyager zu digitalen Ehren.
von Frank Stein
Einleitend vielleicht ein paar Worte zur „Außenhülle“. Es hat zwar eine Weile gebraucht, aber das Star-Trek-Boxendesign ist mittlerweile zur Perfektion gereift. Die karmesinrote Plastikbox mit dem silbernen Schriftzug wirkt edel, die seitlich „ausgesägten“ Fenster verleihen dem Ganzen eine fesche Dynamik. Die Innenschale ist weiß und das DVD-Set befindet sich in einer farblich abgestimmten Pappummantelung und auf einer schwarzen Schaumgummimatte ruhend. So weit, so gut. Leider stecken die Silberlinge – wie schon bei DS9 – erneut lieblos in schmalen Klarsichthalterungen, die am Rücken nur von einem Klebestreifen zusammengehalten werden. Zu dem graphisch aufwändig gestalteten und weitaus schöneren Klapp-Pappschachtel-Design, das noch bei TNG vorherrschend war, hat man leider auch hier nicht zurückgefunden.
Nur zwei Sätze zum Inhalt der doch hinreichend bekannten Serie: Das Föderationsraumschiff „U.S.S. Voyager“ unter dem Kommando von Captain Kathryn Janeway wird von einer unbekannten Macht in den nicht minder unbekannten Delta-Quadranten gezogen. 70.000 Lichtjahre von der Erde entfernt in einem völlig fremden Teil der Galaxis gestrandet und ganz auf sich allein gestellt, macht sich die Crew der Voyager auf die lange Reise durchs All Richtung Heimat.
Die erste Staffel, noch leicht verkürzt nur aus dem zweiteiligen Pilotfilm sowie 14 regulären Folgen bestehend, dient vor allem der Etablierung der Charaktere. Abgesehen von den zunehmend seltener werdenden Reibereien zwischen den Starfleet-Offizieren und dem Marquis-Teil der Mannschaft gibt es keinen verknüpfenden Handlungsbogen. Wiederkehrende Gegner sind die wilden Raumnomaden der Kazon sowie die verunstalteten Organsammler der Vidiianer – beides leider nicht wirklich charismatische Gegenspieler.
Die 16 Episoden sind auf den ersten vier der insgesamt sechs DVDs untergebracht (jeweils vier pro Scheibe). Das Startmenü mit einer anfliegenden Voyager sieht spacig aus und gefällt mir von allen bisherigen Star-Trek-Serien-DVDs bisher am Besten. Auch die Bild- und Tonqualität der einzelnen Folgen gibt keinen Grund zur Beanstandung. Man merkt eindeutig, dass Voyager um einiges jünger als z.B. TNG ist. Besonders nett ist natürlich die Mehrsprachigkeit: So kann man Janeway und ihre Crew wahlweise in deutsch, englisch, französisch, spanisch oder italienisch palavern lassen. Die ersten beiden Sprachen gibt´s sogar in ordentlichem 5.1.
Auf DVD 5 schließlich sind die Special Features untergebracht. Diese bewegen sich im normalen Star-Trek-Serien-Rahmen. Man kennt das aus TNG und DS9. Kurze Features (ca. zwischen 5 und 15 Minuten lang) bieten Hintergrund-Infos rund um Staffel 1. In „Auf ins Unbekannte“ erzählen die Macher Rick Berman, Michael Piller und Jeri Taylor, wie es zu Voyager kam. In der „Voyager Zeitkapsel: Kathryn Janeway“ erinnert sich Kate Mulgrew im Rahmen eines sympathischen Interviews an ihre Zeit als Captain des Föderationsraumschiffes.
Wirklich spannend ist „Der erste Captain“, ein kurzer Blick hinter die Kulissen, der zeigt, dass eigentlich die kanadische Schauspielerin Genevieve Bujold die Rolle der Janeway erhalten sollte. Seltene Aufnahmen und Outtakes von Bujold als Captain Janeway zeigen, wie anders „Voyager“ hätte ausfallen können, wenn eine andere Schauspielerin im „captain’s chair“ Platz genommen hätte. Unter uns: Ich bin froh, dass es Kate Mulgrew geworden ist. Im direkten Vergleich zeigt sich sehr auffällig, wie frisch ihre Herangehensweise an die Rolle gewesen ist.
„Gedanken der Besetzung: Staffel 1“ ist eher klassisch: kurze bits-and-pieces der Darsteller, die kaum wirklich überrraschen. „Am Drehort mit den Kazon“ führt uns in die Wüste, wo für den Pilotfilm ein Kazonlager errichtet worden war, und bietet einen kurzen Einblick in die Schwierigkeiten des Drehs vor Ort. Für meine Begriffe leider viel zu kurz geraten ist „Roter Alarm: Visuelle Effekte in der ersten Staffel“. Zwar plaudern die Effektkünstler ganz nett aus dem Nähkästchen, aber angesichts der Effektlastigkeit einer Serie wie „Voyager“ hätte man sich noch viel mehr Einblicke in dieses spannende Metier gewünscht.
Erneut von gewissem Kuriositätswert ist ein Feature über „Voyager im Internet“. Einer der Webmaster von www.startrek.com erzählt, wie seinerzeit der Internet-Auftritt der neuen Serie gestaltet worden war. Ähnlich nett: „Echte Wissenschaft mit André Bormanis“, dem wissenschaftlichen Berater der Serie. Bormanis berichtet, inwiefern aktuelle Kenntnisse der Wissenschaft innerhalb von „Voyager“ umgesetzt wurden und wie es zu all dem Tech-Babble innerhalb der Serie kommt. „STAR TREK: THE EXPERIENCE“ ist im Prinzip ein Promotion-Clip für das STAR TREK Museum in Las Vegas, allerdings ein sehr gelungener – man möchte sofort ins Flugzeug steigen! Vier – innerhalb der Menüs „versteckte“ – „Verlorene Funksprüche aus dem Delta-Quadranten“ bieten fragmentarische Interview-Schnipsel zu einzelnen Aspekten der Serie. Eine Bildergallerie rundet das Angebot ab.
Alles in allem kann man sich mit den Special Features ca. zwei Stunden ganz nett beschäftigen. Nach wie vor schmerzlich vermisst werden, von meiner Seite zumindest, die Audiokommentare zu einzelnen Schlüssel-Episoden, die in vielen anderen Serien mittlerweile gang und gäbe sind. Es ist kaum vorstellbar, dass die Macher keine Lust gehabt hätten, ihre Schöpfungen zu kommentieren. So ist das Fehlen wohl eher der Trägheit von Paramount geschuldet, denen Audiokommentare entweder zu teuer oder zu aufwändig waren.
Exklusiv für die deutsche Edition von „Voyager“ wurden auf eine sechste DVD zwei Episoden der klassischen Star-Trek-Serie um Kirk, Spock und Co gebrannt. „Ganz neue Dimensionen“ sowie „Griff in die Geschichte“ sind beides sicher sehr gute Folgen – vor allem letztere –, die man dankend zwischendurch in den DVD-Player schiebt, allerdings irritiert dieses Bonus-Material schon ein wenig angesicht der bereits angekündigten DVD-Box zu „Raumschiff Enterprise“. Auf der anderen Seite: Wer will sich beschweren, wenn er mal etwas extra bekommt ...
Fazit: Abschließendes Urteil? Verpackung hübsch, Episoden-Präsentation fehlerlos, Bonusmaterial besseres Mittelmaß, Preisklasse nach wie vor gepfeffert. Fans von Captain Janeway und Co sind sicher begeistert von der Möglichkeit, ihre Lieblingscrew fürderhin werbefrei, in tadelloser Bildqualität und vor allem im englischen Original genießen zu können. Der Gelegenheitstrekkie wird sein goldgepresstes Latinum allerdings wohl eher im Säckel behalten.
von Frank Stein
Einleitend vielleicht ein paar Worte zur „Außenhülle“. Es hat zwar eine Weile gebraucht, aber das Star-Trek-Boxendesign ist mittlerweile zur Perfektion gereift. Die karmesinrote Plastikbox mit dem silbernen Schriftzug wirkt edel, die seitlich „ausgesägten“ Fenster verleihen dem Ganzen eine fesche Dynamik. Die Innenschale ist weiß und das DVD-Set befindet sich in einer farblich abgestimmten Pappummantelung und auf einer schwarzen Schaumgummimatte ruhend. So weit, so gut. Leider stecken die Silberlinge – wie schon bei DS9 – erneut lieblos in schmalen Klarsichthalterungen, die am Rücken nur von einem Klebestreifen zusammengehalten werden. Zu dem graphisch aufwändig gestalteten und weitaus schöneren Klapp-Pappschachtel-Design, das noch bei TNG vorherrschend war, hat man leider auch hier nicht zurückgefunden.
Nur zwei Sätze zum Inhalt der doch hinreichend bekannten Serie: Das Föderationsraumschiff „U.S.S. Voyager“ unter dem Kommando von Captain Kathryn Janeway wird von einer unbekannten Macht in den nicht minder unbekannten Delta-Quadranten gezogen. 70.000 Lichtjahre von der Erde entfernt in einem völlig fremden Teil der Galaxis gestrandet und ganz auf sich allein gestellt, macht sich die Crew der Voyager auf die lange Reise durchs All Richtung Heimat.
Die erste Staffel, noch leicht verkürzt nur aus dem zweiteiligen Pilotfilm sowie 14 regulären Folgen bestehend, dient vor allem der Etablierung der Charaktere. Abgesehen von den zunehmend seltener werdenden Reibereien zwischen den Starfleet-Offizieren und dem Marquis-Teil der Mannschaft gibt es keinen verknüpfenden Handlungsbogen. Wiederkehrende Gegner sind die wilden Raumnomaden der Kazon sowie die verunstalteten Organsammler der Vidiianer – beides leider nicht wirklich charismatische Gegenspieler.
Die 16 Episoden sind auf den ersten vier der insgesamt sechs DVDs untergebracht (jeweils vier pro Scheibe). Das Startmenü mit einer anfliegenden Voyager sieht spacig aus und gefällt mir von allen bisherigen Star-Trek-Serien-DVDs bisher am Besten. Auch die Bild- und Tonqualität der einzelnen Folgen gibt keinen Grund zur Beanstandung. Man merkt eindeutig, dass Voyager um einiges jünger als z.B. TNG ist. Besonders nett ist natürlich die Mehrsprachigkeit: So kann man Janeway und ihre Crew wahlweise in deutsch, englisch, französisch, spanisch oder italienisch palavern lassen. Die ersten beiden Sprachen gibt´s sogar in ordentlichem 5.1.
Auf DVD 5 schließlich sind die Special Features untergebracht. Diese bewegen sich im normalen Star-Trek-Serien-Rahmen. Man kennt das aus TNG und DS9. Kurze Features (ca. zwischen 5 und 15 Minuten lang) bieten Hintergrund-Infos rund um Staffel 1. In „Auf ins Unbekannte“ erzählen die Macher Rick Berman, Michael Piller und Jeri Taylor, wie es zu Voyager kam. In der „Voyager Zeitkapsel: Kathryn Janeway“ erinnert sich Kate Mulgrew im Rahmen eines sympathischen Interviews an ihre Zeit als Captain des Föderationsraumschiffes.
Wirklich spannend ist „Der erste Captain“, ein kurzer Blick hinter die Kulissen, der zeigt, dass eigentlich die kanadische Schauspielerin Genevieve Bujold die Rolle der Janeway erhalten sollte. Seltene Aufnahmen und Outtakes von Bujold als Captain Janeway zeigen, wie anders „Voyager“ hätte ausfallen können, wenn eine andere Schauspielerin im „captain’s chair“ Platz genommen hätte. Unter uns: Ich bin froh, dass es Kate Mulgrew geworden ist. Im direkten Vergleich zeigt sich sehr auffällig, wie frisch ihre Herangehensweise an die Rolle gewesen ist.
„Gedanken der Besetzung: Staffel 1“ ist eher klassisch: kurze bits-and-pieces der Darsteller, die kaum wirklich überrraschen. „Am Drehort mit den Kazon“ führt uns in die Wüste, wo für den Pilotfilm ein Kazonlager errichtet worden war, und bietet einen kurzen Einblick in die Schwierigkeiten des Drehs vor Ort. Für meine Begriffe leider viel zu kurz geraten ist „Roter Alarm: Visuelle Effekte in der ersten Staffel“. Zwar plaudern die Effektkünstler ganz nett aus dem Nähkästchen, aber angesichts der Effektlastigkeit einer Serie wie „Voyager“ hätte man sich noch viel mehr Einblicke in dieses spannende Metier gewünscht.
Erneut von gewissem Kuriositätswert ist ein Feature über „Voyager im Internet“. Einer der Webmaster von www.startrek.com erzählt, wie seinerzeit der Internet-Auftritt der neuen Serie gestaltet worden war. Ähnlich nett: „Echte Wissenschaft mit André Bormanis“, dem wissenschaftlichen Berater der Serie. Bormanis berichtet, inwiefern aktuelle Kenntnisse der Wissenschaft innerhalb von „Voyager“ umgesetzt wurden und wie es zu all dem Tech-Babble innerhalb der Serie kommt. „STAR TREK: THE EXPERIENCE“ ist im Prinzip ein Promotion-Clip für das STAR TREK Museum in Las Vegas, allerdings ein sehr gelungener – man möchte sofort ins Flugzeug steigen! Vier – innerhalb der Menüs „versteckte“ – „Verlorene Funksprüche aus dem Delta-Quadranten“ bieten fragmentarische Interview-Schnipsel zu einzelnen Aspekten der Serie. Eine Bildergallerie rundet das Angebot ab.
Alles in allem kann man sich mit den Special Features ca. zwei Stunden ganz nett beschäftigen. Nach wie vor schmerzlich vermisst werden, von meiner Seite zumindest, die Audiokommentare zu einzelnen Schlüssel-Episoden, die in vielen anderen Serien mittlerweile gang und gäbe sind. Es ist kaum vorstellbar, dass die Macher keine Lust gehabt hätten, ihre Schöpfungen zu kommentieren. So ist das Fehlen wohl eher der Trägheit von Paramount geschuldet, denen Audiokommentare entweder zu teuer oder zu aufwändig waren.
Exklusiv für die deutsche Edition von „Voyager“ wurden auf eine sechste DVD zwei Episoden der klassischen Star-Trek-Serie um Kirk, Spock und Co gebrannt. „Ganz neue Dimensionen“ sowie „Griff in die Geschichte“ sind beides sicher sehr gute Folgen – vor allem letztere –, die man dankend zwischendurch in den DVD-Player schiebt, allerdings irritiert dieses Bonus-Material schon ein wenig angesicht der bereits angekündigten DVD-Box zu „Raumschiff Enterprise“. Auf der anderen Seite: Wer will sich beschweren, wenn er mal etwas extra bekommt ...
Fazit: Abschließendes Urteil? Verpackung hübsch, Episoden-Präsentation fehlerlos, Bonusmaterial besseres Mittelmaß, Preisklasse nach wie vor gepfeffert. Fans von Captain Janeway und Co sind sicher begeistert von der Möglichkeit, ihre Lieblingscrew fürderhin werbefrei, in tadelloser Bildqualität und vor allem im englischen Original genießen zu können. Der Gelegenheitstrekkie wird sein goldgepresstes Latinum allerdings wohl eher im Säckel behalten.
Donnerstag, 1. April 2004
Star Trek V - Am Rande des Universums (2 Disc Special Edition)
Es gehört zu den Widrigkeiten des Lebens als Fan des Mediums DVD, dass Studios – zumindest noch bis vor kurzem – mit schöner Regelmäßigkeit zuerst eine ziemlich mager ausgestattete Basisversion eines Films auf den Markt bringen und dann, so scheint es, wenn sich der Film als Verkaufsschlager entpuppt, eine kräftig aufgebohrte Special-Edition-Box hinterherschieben. Im Falle der Star-Trek-Reihe waren bereits Film 2 bis 9 mit nicht viel mehr als dem Film und ein paar mageren Trailern auf dem Silberling erschienen, als „Star Trek – Der Film“ plötzlich als verschwenderische „Director‘s Edition“ herausgebracht wurde. In der Folge wurden auch Teil 2, 3 und 4 als üppige 2-Disk-Special-Editions neu aufgelegt. Und jüngst wurde diese Reihe nun durch Teil 5 ergänzt.
von Frank Stein
Viele Fans sind der Ansicht, „Star Trek V: Am Rande des Universums“ – übrigens ein völlig irreführender deutscher Titel, geht es doch während der Geschichte vielmehr ins Zentrum der Galaxis – sei der schlechteste Kinofilm der Serie. Ihre Antipathie stützt sich dabei vor allem auf William Shatner als Regisseur und leicht egozentrischen Selbstdarsteller. Bei mir persönlich rangiert der Film allerdings mindestens im guten Mittelfeld meiner Star-Trek-Movies-Hitliste. Vor allem gefällt mir die Botschaft der unverbrüchlichen Freundschaft zwischen den drei Hauptfiguren Kirk, Spock und McCoy, die sowohl am warmen Lagerfeuer, als auch im kalten All zelebriert wird.
Die Handlung setzt auf der Erde ein, nur kurze Zeit nach „Star Trek IV“. Während sich Kirk, Spock und McCoy im Yosemite Nationalpark mit Bergsteigen und Lagerfeuerromantik entspannen, obliegt es Scotty im Orbit, die noch unfertige Enterprise 1701-A für ihren ersten Einsatz auf Vordermann zu bringen. Der kommt schneller, als erwartet. Ein religiöser Eiferer hat auf Nimbus III, einem fehlgeschlagenen Experiment zur Völkerverständigung zwischen Menschen, Klingonen und Romulanern, die Repräsentanten der drei Rassen in seine Gewalt gebracht. Obwohl der Lack auf der Außenhaut noch nicht ganz trocken ist und die Enterprise im Erdorbit hängend kaum das nächstliegende Schiff sein kann, werden Kirk und seine Mannen losgeschickt, die Lage zu entschärfen. Ein Befreiungsversuch der Geiseln schlägt jedoch fehl, vielmehr gelingt es dem Verrückten, einem Vulkanier namens Sybock, der sich überdies als Halbbruder Spocks entpuppt, die Enterprise in seine Gewalt zu bringen. Seine Mission ist eine spirituelle: Die Suche nach dem Planeten Sha Ka Re, der Heimat Gottes, im Zentrum der Galaxis. Und während der charismatische Anführer nach und nach die gesamte Raumschiff-Crew verführt, und während gleichzeitig ein geltungssüchtiger klingonischer Raubvogel-Captain danach lechzt, sich durch den Sieg über Staatsfeind Nr. 1 James T. Kirk zu unsterblichem Ruhm zu verhelfen, steht die Freundschaft – und auch der Glaube – der drei Weltraumveteranen Kirk, Spock und McCoy mehr denn je auf dem Prüfstand.
Man mag nun über den Film, der übrigens in makelloser Bild- und Tonqualität (deutsch und englisch) auf der Scheibe abgelegt wurde, denken, was man will, die zwei DVDs sind jedenfalls randvoll mit spannenden Extras. Zunächst gibt es einen Audiokommentar von William Shatner und seiner Tochter Liz, während dem Shatner immer wieder über das geringe Budget, den Zeitdruck und die Unmöglichkeit, seine großen Visionen ansprechend umzusetzen, lamentiert. Legendär scheint die sogenannte Rockmen-Sequenz zu sein (Arbeitstitel: „Dantes Inferno“), die Kirk gegen Ende des Films auf dem Gottesplaneten in einen spektakulären Kampf mit zehn Steinmenschen verwickeln sollte, bevor ihm Spock mit dem klingonischen Raubvogel zu Hilfe eilt. Das Budget macht aus zehn Steinmenschen fünf, aus fünf einen, und der sah nach Testaufnahmen letztlich aus wie der Steinbeißer aus „Die unendliche Geschichte“. Die Sequenz wurde gestrichen! (Womit der Film nun sehr viel „schlichter“ endet, als eigentlich vorgesehen.) Neben diesem sehr persönlichen Eindruck des Regisseurs existiert noch ein Textkommentar von Michael und Denise Okuda, die einen eher informativen Ansatz verfolgen und auf sehr interessante Art und Weise sowohl das Geschehen im Film interpretieren, allgemeine Hintergrundinfos zu Settings und Darstellern liefern sowie sich der Ereignisse der Dreharbeiten erinnern.
Ein Großteil der Extras befindet sich dann auf Disk 2. In einer computeranimierten Sequenz bringt uns ein Shuttle runter nach Sha Ka Re, wo sich vor dem glühenden Steinkreis das Menü aufbaut. Es existieren fünf Untermenüs: „Das Star Trek Universum“, „Produktion“, „Archive“, „Entfallene Szenen“ und „Werbung“. Die ersten beiden sind eindeutig die interessantesten. „Das Star Trek Universum“ beherrbergt fünf Features, die zwischen 10 und 20 Minuten lang sind und sich mit Aspekten rund um den Film beschäftigen, wie beispielsweise Star Trek und Religiosität oder den Set Designer Herman Zimmermann. Unter „Produktion“ findet sich ein Grußwort von Produzent Harve Bennett, ein halbstündiges Making-Of, diverse Bildtests von Raumschiffen und Aliens (inklusive dem einzigen noch existierenden Material zur Rockman-Sequenz!) sowie als Zeitdokument die Pressekonferenz nach Beendigung der Dreharbeiten. Die „Archive“ bestehen aus einer kurzen, musikalisch untermalten Slideshow mit Setbildern sowie den Storyboards des Filmendes und sind damit etwas dürftig geraten. Hier hätte man sich mehr Material gewünscht. Gleiches gilt für die „Entfallenen Szenen“, derer es vier gibt, wobei bedauerlicherweise nicht die Szenen zwischen den beiden Klingonen Klaa und Vixis darunter sind, von denen es, wie die beiden Darsteller in einem Interview verraten, einige geben muss, in denen unter anderem die erotische Spannung zwischen dem virilen Captain und seiner ambitionierten ersten Offizierin deutlicher wird. Genau genommen ist eigentlich nichts darunter, was man unbedingt im Film hätte sehen müssen, allerdings ist die anzügliche Begrüßung des klingonischen Botschafters gegenüber der romulanischen Abgesandten schon lustig. Die „Werbung“ schließlich besteht aus zwei Kinotrailern und sieben TV-Spots, die – wie ich immer wieder fasziniert feststelle – ein bemerkenswertes Bild in Bezug auf den Wandel von Werbestrategien im Laufe der Jahre zeichnen.
Fazit: Für Star-Trek-Fans ist diese DVD, wie auch ihre Vorgänger in dieser Reihe, selbstredend ein Muss. In einer besseren Bild- und Tonqualität wird man den Film in absehbarer Zukunft nicht bekommen und die Extras bedeuten mehrere Stunden zusätzliche Unterhaltung auf angenehm hohem Niveau, sowohl was die Machart angeht, als auch den Informationsgehalt. Meine Empfehlung lautet also: kaufen und einen Film erleben, an dessen Ende man das dringende Bedürfnis hat, mal wieder mit ein paar richtig guten Freunden campen zu gehen.
von Frank Stein
Viele Fans sind der Ansicht, „Star Trek V: Am Rande des Universums“ – übrigens ein völlig irreführender deutscher Titel, geht es doch während der Geschichte vielmehr ins Zentrum der Galaxis – sei der schlechteste Kinofilm der Serie. Ihre Antipathie stützt sich dabei vor allem auf William Shatner als Regisseur und leicht egozentrischen Selbstdarsteller. Bei mir persönlich rangiert der Film allerdings mindestens im guten Mittelfeld meiner Star-Trek-Movies-Hitliste. Vor allem gefällt mir die Botschaft der unverbrüchlichen Freundschaft zwischen den drei Hauptfiguren Kirk, Spock und McCoy, die sowohl am warmen Lagerfeuer, als auch im kalten All zelebriert wird.
Die Handlung setzt auf der Erde ein, nur kurze Zeit nach „Star Trek IV“. Während sich Kirk, Spock und McCoy im Yosemite Nationalpark mit Bergsteigen und Lagerfeuerromantik entspannen, obliegt es Scotty im Orbit, die noch unfertige Enterprise 1701-A für ihren ersten Einsatz auf Vordermann zu bringen. Der kommt schneller, als erwartet. Ein religiöser Eiferer hat auf Nimbus III, einem fehlgeschlagenen Experiment zur Völkerverständigung zwischen Menschen, Klingonen und Romulanern, die Repräsentanten der drei Rassen in seine Gewalt gebracht. Obwohl der Lack auf der Außenhaut noch nicht ganz trocken ist und die Enterprise im Erdorbit hängend kaum das nächstliegende Schiff sein kann, werden Kirk und seine Mannen losgeschickt, die Lage zu entschärfen. Ein Befreiungsversuch der Geiseln schlägt jedoch fehl, vielmehr gelingt es dem Verrückten, einem Vulkanier namens Sybock, der sich überdies als Halbbruder Spocks entpuppt, die Enterprise in seine Gewalt zu bringen. Seine Mission ist eine spirituelle: Die Suche nach dem Planeten Sha Ka Re, der Heimat Gottes, im Zentrum der Galaxis. Und während der charismatische Anführer nach und nach die gesamte Raumschiff-Crew verführt, und während gleichzeitig ein geltungssüchtiger klingonischer Raubvogel-Captain danach lechzt, sich durch den Sieg über Staatsfeind Nr. 1 James T. Kirk zu unsterblichem Ruhm zu verhelfen, steht die Freundschaft – und auch der Glaube – der drei Weltraumveteranen Kirk, Spock und McCoy mehr denn je auf dem Prüfstand.
Man mag nun über den Film, der übrigens in makelloser Bild- und Tonqualität (deutsch und englisch) auf der Scheibe abgelegt wurde, denken, was man will, die zwei DVDs sind jedenfalls randvoll mit spannenden Extras. Zunächst gibt es einen Audiokommentar von William Shatner und seiner Tochter Liz, während dem Shatner immer wieder über das geringe Budget, den Zeitdruck und die Unmöglichkeit, seine großen Visionen ansprechend umzusetzen, lamentiert. Legendär scheint die sogenannte Rockmen-Sequenz zu sein (Arbeitstitel: „Dantes Inferno“), die Kirk gegen Ende des Films auf dem Gottesplaneten in einen spektakulären Kampf mit zehn Steinmenschen verwickeln sollte, bevor ihm Spock mit dem klingonischen Raubvogel zu Hilfe eilt. Das Budget macht aus zehn Steinmenschen fünf, aus fünf einen, und der sah nach Testaufnahmen letztlich aus wie der Steinbeißer aus „Die unendliche Geschichte“. Die Sequenz wurde gestrichen! (Womit der Film nun sehr viel „schlichter“ endet, als eigentlich vorgesehen.) Neben diesem sehr persönlichen Eindruck des Regisseurs existiert noch ein Textkommentar von Michael und Denise Okuda, die einen eher informativen Ansatz verfolgen und auf sehr interessante Art und Weise sowohl das Geschehen im Film interpretieren, allgemeine Hintergrundinfos zu Settings und Darstellern liefern sowie sich der Ereignisse der Dreharbeiten erinnern.
Ein Großteil der Extras befindet sich dann auf Disk 2. In einer computeranimierten Sequenz bringt uns ein Shuttle runter nach Sha Ka Re, wo sich vor dem glühenden Steinkreis das Menü aufbaut. Es existieren fünf Untermenüs: „Das Star Trek Universum“, „Produktion“, „Archive“, „Entfallene Szenen“ und „Werbung“. Die ersten beiden sind eindeutig die interessantesten. „Das Star Trek Universum“ beherrbergt fünf Features, die zwischen 10 und 20 Minuten lang sind und sich mit Aspekten rund um den Film beschäftigen, wie beispielsweise Star Trek und Religiosität oder den Set Designer Herman Zimmermann. Unter „Produktion“ findet sich ein Grußwort von Produzent Harve Bennett, ein halbstündiges Making-Of, diverse Bildtests von Raumschiffen und Aliens (inklusive dem einzigen noch existierenden Material zur Rockman-Sequenz!) sowie als Zeitdokument die Pressekonferenz nach Beendigung der Dreharbeiten. Die „Archive“ bestehen aus einer kurzen, musikalisch untermalten Slideshow mit Setbildern sowie den Storyboards des Filmendes und sind damit etwas dürftig geraten. Hier hätte man sich mehr Material gewünscht. Gleiches gilt für die „Entfallenen Szenen“, derer es vier gibt, wobei bedauerlicherweise nicht die Szenen zwischen den beiden Klingonen Klaa und Vixis darunter sind, von denen es, wie die beiden Darsteller in einem Interview verraten, einige geben muss, in denen unter anderem die erotische Spannung zwischen dem virilen Captain und seiner ambitionierten ersten Offizierin deutlicher wird. Genau genommen ist eigentlich nichts darunter, was man unbedingt im Film hätte sehen müssen, allerdings ist die anzügliche Begrüßung des klingonischen Botschafters gegenüber der romulanischen Abgesandten schon lustig. Die „Werbung“ schließlich besteht aus zwei Kinotrailern und sieben TV-Spots, die – wie ich immer wieder fasziniert feststelle – ein bemerkenswertes Bild in Bezug auf den Wandel von Werbestrategien im Laufe der Jahre zeichnen.
Fazit: Für Star-Trek-Fans ist diese DVD, wie auch ihre Vorgänger in dieser Reihe, selbstredend ein Muss. In einer besseren Bild- und Tonqualität wird man den Film in absehbarer Zukunft nicht bekommen und die Extras bedeuten mehrere Stunden zusätzliche Unterhaltung auf angenehm hohem Niveau, sowohl was die Machart angeht, als auch den Informationsgehalt. Meine Empfehlung lautet also: kaufen und einen Film erleben, an dessen Ende man das dringende Bedürfnis hat, mal wieder mit ein paar richtig guten Freunden campen zu gehen.
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