Mittwoch, 20. Mai 2009

Star Trek – Orginal Motion Picture Collection (Blu Ray)

„Star Trek“ von J.J. Abrams hat es wirklich geschafft. Das Franchise, das nach „Star Trek – Nemesis“ als erledigt galt, ist wieder da, und nicht wenige Kritiker nennen den neusten Film den vielleicht besten „Star Trek“-Film, der jemals die große Leinwand gesehen hat. Action, Humor, große Gefühle – alles drin. Da mag manch einer vergessen, wie groß „Star Trek“ früher schon war. Um uns eine kleine Erinnerungshilfe zu geben, hat Paramount nun die sechs Abenteuer der klassischen Crew um James Tiberius Kirk in einer Blu-Ray-Box herausgebracht.

von Frank Stein

Ich muss eines vorab gestehen, damit der geneigte Leser verstehen kann, was gleich folgen wird: Ich war (und werde es immer sein) ein Freund der Abenteuer der klassischen Enterprise-Crew. Kirk, Spock und McCoy – dargestellt von William Shatner, Leonard Nimoy und DeForest Kelley – stellen für mich den Inbegriff einer Männerfreundschaft dar, die jeder Herausforderung gewachsen ist und buchstäblich selbst den Tod zu überdauern vermag. In den sechs Kinofilmen kam das noch deutlicher zum tragen, als in der alten Serie aus den 1960ern. Erfreulich zudem, dass gemeinsam mit dem Trio auch die übrigen Brückenmitglieder – Sulu, Checkov, Scotty und Uhura – noch enger zu einer Familie zusammenrückten. „Familienausflug im All“, nannten das manche Kritiker. „Zynisches Pack, geht doch mit Michael Myers und Hannibal Lector spielen, wenn euch solche Freunde lieber sind“, antworte ich darauf.

Abgesehen vom Motiv der Freundschaft behandelten diese Filme bei allen Actioneinlagen und humorvollen Momenten zutiefst menschliche Probleme (die Auseinandersetzung mit dem Tod in „Star Trek II – Zorn des Khan“), stellten sich Fragen zur menschlichen Natur (in der Suche V’gers nach seinem Schöpfer in „Star Trek – The Motion Picture“) und transportierten mal mehr, mal weniger verborgene politische Botschaften (etwa zum Umweltschutz in „Star Trek IV – Zurück in die Vergangenheit“ oder zum Ende des Kalten Krieges in „Star Trek VI – Das unentdeckte Land“). All das – und obendrein eine U.S.S. Enterprise, die niemals schöner, niemals erhabener wirkte, als in ihrer Motion-Picture-Inkarnation – macht die sechs ersten „Star Trek“-Kinoepisoden zu Science-Fiction-Filmen, die erstaunlich gut gealtert sind. Selbst, wenn man sie nicht, wie ich als Kind der 1980er, mit einem solch nostalgisch verklärten Blick anschaut.

Die Box

Die „Star Trek – Orginal Motion Picture Collection“ kommt in einem einfachen, aber schönen weißen Pappschuber daher, der von einem aufgeklebten Hologramm in Form des berühmten Kommunikators geziert wird, das die Enterprise im Orbit um einen Planeten zeigt. Eine Klarsicht-Plastikhülle, die auf der Vorderseite den Schriftzug und auf der Rückseite eine geschmackvolle Collage zeigt, schützt den Schuber.

Im Inneren befinden sich sieben Blu-Rays in sieben Einzelhüllen, die auf der Vorderseite jeweils das silbern eingefärbte Konterfei eines Mitglieds von Captain Kirks Kerncrew zeigt, während auf der Rückseite eine Collage wichtiger Charaktere und Filmmomente auf den Filmgenuss einstimmt und Informationen zum neu für diese Edition hergestellten Bonusmaterial gegeben werden. Auf das alte Bonusmaterial, das den DVDs der Special Editions entnommen wurde, wird seltsamerweise nicht extra hingewiesen – es befindet sich aber auch fast komplett auf den Silberlingen.

Neben den sechs Filmen befindet sich eine siebte Blu-Ray mit dem Feature „Star Trek: Höhepunkte“ in der Box, die eine Talkrunde zwischen William Shatner, Leonard Nimoy, Patrick Steward, Jonathan Frakes und Whoopi Goldberg als Moderatorin enthält. Alles in allem kann man nur sagen, dass die Aufmachung schlicht, aber elegant wirkt und dem Stoff durchaus angemessen.

Die Filme

Über die sechs Filme muss im Grunde nicht viel gesagt werden. Den meisten dürften sie bekannt sein. Doch weil eine Rezension nicht komplett wäre, würde man die besprochenen Filme nicht wenigstens kurz vorstellen, hier ein Überblick samt knapper Bewertung.

„Star Trek – The Motion Picture“ stellte 1979 die Rückkehr der Enterprise und ihrer Besatzung und zugleich den Sprung vom Fernsehbildschirm auf die große Leinwand dar. Erzählt wird vom Auftauchen eines gewaltigen, außerirdischen Maschinenwesens, das sich selbst V’ger nennt und in unbekannter Mission auf die Erde zusteuert, wobei es alles ausschaltet, was ihm im Weg steht. Admiral James T. Kirk kehrt an Bord seines alten Schiffes zurück, und die Enterprise geht auf Abfangkurs. – Von vielen Fans als dröge und langatmig gescholten, besticht der Film von Robert Wise allerdings durch phänomenale, an „2001“ erinnernde Weltraumbilder sowie die Handlung gewordene Trek-Maxime, mit offenem Geist auf alles Fremde zuzugehen und durch Menschlichkeit ein tieferes, gegenseitiges Verständnis herbeizuführen. (Kurioser Gag am Rande: Spock weist einmal während des Films darauf hin, dass angesichts der Macht des Maschinenwesens V’gers „jeder Widerstand zwecklos“ sei.)

„Star Trek II – Der Zorn des Khan“ greift die Handlung der Fernsehepisode „Der schlafende Tiger“ um Khan Noonien Singh und seinen genetischen Übermenschen auf. Khan gelingt es, aus seinem Gefängnis zu entkommen, in das ihn Kirk verbannt hatte, und er brennt darauf, Rache zu nehmen. Hierzu will er sich des Genesis-Projekts bemächtigen, das tote Welten mittels Materieumwandlung in blühende Paradise verwandeln kann – und nebenbei ein Sprengkörper von verheerenden Auswirkungen ist. – Das Katz-und-Maus-Spiel im All gilt vielen Fans als der beste aller „Star Trek“-Filme, auch wenn das spannende Duell mit dem heldenhaften Tod von Mr. Spock eines der schlimmsten Opfer forderte. (Kleiner Anschlussfehler: Khan versichert Chekov bei deren ersten Zusammentreffen, dass er nie ein Gesicht vergisst; tatsächlich war Chekov während der besagten Classic-Episode noch gar nicht an Bord.)

„Star Trek III – Auf der Suche nach Mr. Spock“ ist der vielleicht seltsamste und zugleich anrührendste Teil der Reihe, denn er handelt im Grunde von nichts anderem als dem Versuch der Gefährten um Captain Kirk, den Körper ihres verstorbenen Freunds Spock gegen alle Bürokratenwillkür vom Genesis-Planeten zu bergen, um ihn nach Vulkan zu bringen, wo er, gemeinsam mit Spocks Seele, Frieden finden soll. Doch auch die Klingonen interessieren sich für Genesis, und auf der Oberfläche selbst erwartet die Gefährten eine Überraschung. – Es war wohl unvermeidlich, dass der spitzohrige Vulkanier zurückkehren würde, aber dass diesem Umstand ein ganzer Film gewidmet wird, zeigt doch sehr deutlich, welchen Status „Star Trek“ in den 1980ern noch hatte. Aber das herzerwärmende Fazit „Das Wohl eines Einzelnen wiegt genauso schwer wie das Wohl Vieler“ lässt auch über die ansonsten eher dünne Handlung hinwegsehen (die allerdings einen weiteren Schockmoment für Fans in petto hatte).

„Star Trek IV – Zurück in die Vergangenheit“ ist die Komödie des filmischen Sixpacks. Ganz im Geiste der Ökobewegung der 1980er Jahre sucht eine gewaltige Sonde die Erde heim, sendet Grußbotschaften zur Erde – und als diese nicht beantwortet werden, beginnt sie mit deren Vernichtung. Kirk und Co finden heraus, dass die Sonde nach Buckelwalen sucht, die aber leider auf der Erde der Zukunft ausgestorben sind. Also geht es auf Zeitreise, um ein paar der sanften Riesen in die Zukunft zu schaffen. – Ein Russe und eine Afrikanerin auf der Suche nach „atomgetrriebenen Krriegsschiffen“, ein vulkanisches Blumenkind, das sich zu viel LDS reingezogen hat, und eine wilde Jagd durch ein Krankenhaus zeigten, wie selbstironisch Ikonen der Popkultur mit ihrer eigenen Legende umzugehen vermochten und machten diesen Film seinerzeit zum Fanliebling.

„Star Trek V – Am Rande des Universums“ beginnt schon mit dem falschen Titel, denn eigentlich führt die Handlung die Helden ins Zentrum des Universums. Dorthin nämlich zieht es einen abtrünnigen Vulkanier, der sich auf einer unglaublichen Suche nach Gott befindet und hierzu die Enterprise in seine Gewalt bringt. Um ihn zu bezwingen, müssen sich Kirk und Co ihren ureigenen Dämonen stellen, während gleichzeitig immer mehr Besatzungsmitglieder dem Charisma des Aufrührers erliegen. – William Shatners erste Regiearbeit wird von vielen Fans mit hochgezogener Augenbraue abgetan. Mir persönlich gefällt aber das starke Motiv der Freundschaft zwischen den Protagonisten Kirk, Spock und McCoy. Selbst wenn uns der Film sonst nichts gegeben haben sollte, so zumindest den Kanon dreier Männer am Lagerfeuer im Yosemite Park: Row, row, row your boat …

„Star Trek VI – Das unentdeckte Land“ beschließt die Reihe der klassischen „Star Trek“-Filme mit einem Paukenschlag. Nach der Zerstörung des Rohstoffmondes Praxis steht das klingonische Reich am Abgrund. Um einen furchtbaren Krieg abzuwenden, sucht der politisch aufgeschlossene Kanzler Gorkon den Dialog mit der Föderation. Leider wird Gorkon von ewig gestrigen Elementen ermordet, und ausgerechnet Kirk und die Enterprise sollen Schuld daran haben. – Das Ende des Kalten Krieges im „Star Trek“-Universum wies unübersehbare Parallelen zu irdischen Friedensbemühungen zwischen Ost und West auf und bestach (und besticht auch heute noch) durch eine clevere politische Intrige sowie seine zutiefst humane Botschaft von der Versöhnung einst verfeindeter Völker.

Die Blu-Ray

Die „Star Trek“-Filme sind zwischen 1979 und 1991 entstanden und somit nicht mehr ganz neu. Das darf man nie vergessen, wenn man die Qualität bewertet. Diese aber ist überwiegend wirklich beachtlich. Der digital restaurierte „Star Trek II – Zorn des Khan“ sieht noch am schlechtesten aus und weist, trotz guter Farbigkeit und vielen Details eine spürbare Unruhe im Bild auf. Dafür kommen die anderen Filme, vor allem „Star Trek IV – Zurück in die Vergangenheit“ mitunter so brillant und knackscharf daher, dass man immer wieder verführt ist, das Bild anzuhalten und zu staunen. Manche Momente möchte man sich glatt so als Gemälde an die Wand hängen!

Der Ton liegt auf Englisch in allen Filmen als 7.1 TrueHD vor und gibt sich keine Blöße. Die Abmischung ist wirklich sehr gut gelungen. Auf Deutsch muss man sich von Film 1 bis 4 mit Dolby Surround, bei Film 5 und 6 mit Dolby Digital 5.1 zufrieden geben, wobei ein wirklicher Mehrkanalton allerdings nicht vorliegt, weil es keine entsprechenden deutschen Masterbänder geben soll. (Auf dem Fernseher stört das allerdings niemanden.)

Leider liegen „Star Trek – The Motion Picture“ und „Star Trek IV – Das unentdeckte Land“ hier nur in der Original-Kinoversion vor und nicht in ihren jeweiligen (und in beiden Fällen besseren) Director’s Cuts. Hier wurde eine Chance verschenkt. Eine Wahlmöglichkeit zwischen beiden Versionen via Seamless Branching wäre das Tüpfelchen auf dem i gewesen. So mag sich manch einer fragen, ob es wohl noch eine „Director’s Edition“-Box geben wird, auf die es sich zu warten lohnt.

Die Extras

Das komplette Bonusmaterial an dieser Stelle aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Fakt ist: Es ist eine unglaubliche Menge! Das ist einerseits dem Umstand geschuldet, dass so gut wie alle Features der DVD Special Editions auf die Blu Rays übernommen wurden (hier fehlt mal eine Bildergalerie, dort ein Storyboard – die größte Lücke hat „Star Trek – The Motion Picture“ zu verzeichnen, denn dort wurden sowohl der alte Audiokommentar von Robert Wise als auch ein langes Feature zur Filmentstehung aus mir unerfindlichen Gründen weggelassen). Zum anderen wurde das bestehende Material aber noch um etliche neue Features ergänzt!

Das neue Material umfasst pro Silberling je einen neuen Audiokommentar von Trek-Schöpfern wie Nicholas Meyer, Manny Coto, Roberto Orci, Alex Kurtzman, Ronald D. Moore, Michael Taylor, dem Ehepaar Okuda und den Reeves-Stevens. Dazu kommen kurze Features beispielweise über die Musik von James Horner, die Effekte von ILM, das Science-Fiction-Museum von Seattle (das eine große „Star Trek“-Sektion hat), Klingonen & Shakespeare und mehr. Jeder Silberling weist obendrein einen kurzen Vortrag der „Akademie der Sternenflotte“ zum jeweiligen Kernthema des Films, etwa der Wal-Sonde oder V’ger, auf sowie eine Schiffsdatenbank, die (als Ersatz der überall weggefallenen Textkommentare der Okudas) entweder filmbegleitend Informationen zu Schiffen, Personen, Technik und mehr bietet oder aber einfach so durchstöbert werden kann. Über einen BD-Live-Zugang kann man zu guter Letzt beim „Star Trek IQ“ sein Wissen in Trivia-Spielen testen.

Das Highlight bildet zweifellos – und auch vom Titel her – „Star Trek: Höhepunkte“, die 70-minütige Talkrunde von zwei Captains, zwei ersten Offizieren und einer Barkeeperin. William Shatner, Leonard Nimoy, Patrick Steward, Jonathan Frakes und Whoopi Goldberg sitzen um den runden Tisch zusammen und erinnern sich an persönliche Momente, Storys vom Set, die Arbeit miteinander und wie „Star Trek“ ihr Leben beeinflusst hat.

Alles in allem gibt der Boxentext an, dass mehr als zwölf Stunden bereits erschienener Inhalte und über zweieinhalb Stunden neuer Special Features die Filmkollektion flankieren. Ich habe das nicht nachgerechnet, aber angesichts von allein elf Audiokommentaren dürfte das eher noch tiefgestapelt sein. In jedem Fall handelt es sich um eine so phänomenale Fülle an Informationen und Anekdoten rund um die Original Motion Pictures, dass selbst hartgesottene Fans noch Neues während des Anschauens erfahren sollten.

Fazit:
Hätte ich noch keinen Blu-Ray-Player gehabt, ich hätte mir wegen dieser Box einen gekauft! Oder etwas weniger plakativ gesagt: Für Fans der klassischen Enterprise-Crew um Kirk, Spock und Co ist die „Star Trek – Orginal Motion Picture Collection“ auf Blu-Ray ein kleines Fest. Die Bildqualität hebt sich deutlich von allem ab, was zuvor auf DVD erschienen ist, das Bonusmaterial ist schlicht und ergreifen üppig zu nennen und die Aufmachung wirkt zwar einfach, aber trotzdem irgendwie edel. Zu bemängeln gibt es allein das Fehlen der Director’s Cuts von „Star Trek – The Motion Picture“ und „Star Trek VI – Das unentdeckte Land“. Außerdem wurde leider nicht sämtliches Bonusmaterial der vorigen DVD Special Editions auf die Silberlinge der nächsten Generation hinübergerettet. Dennoch: die beste Filmedition der klassischen „Star Trek“-Abenteuer, die aktuell auf dem Markt existiert.

Star Trek – Orginal Motion Picture Collection
USA 1979-1991
Regie: Robert Wise, Nicolas Meyer, Leonard Nimoy, William Shatner
Darsteller: William Shatner (James T. Kirk), Leonard Nimoy (Spock), DeForest Kelley (Dr. Leonard McCoy), James Doohan (Montgomery „Scotty“ Scott), Walter Koenig (Pavel Chekov), Nichelle Nichols (Nyota Uhura), George Takei (Hikaru Sulu)

Vertrieb: Paramount Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 27.04.2009

Länge: 685 min.
Bildformat: 2,35:1 (1080p HD)
Tonformat: Englisch (Dolby TrueHD 7.1), Deutsch (Dolby Digital 2.0/5.1), Französisch (Dolby Digital 2.0/5.1), Spanisch (Dolby Digital 1.0/2.0/5.1), Italienisch (Dolby Digital 2.0/5.1)
Untertitel: Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Arabisch, Kroatisch, Dänisch, Holländisch, Finnisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Norwegisch, Spanisch, Portugiesisch, Schwedisch

Bonusmaterial: viel (u. a. zwölf Audiokommentare, Schiffsdatenbank, Trailer, Deleted Scenes, Akademie der Sternenflotte, Features über die Produktion, Visuelle Effekte, die Musik und das Universum, Interviews, „Star Trek“ in anderen Lebensbereichen usw.)

Preis: EUR 99,95

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Montag, 27. April 2009

Star Trek TNG (Second Decade 2): Resistance

Die Enterprise-E fliegt wieder. Und die erste Mission klingt nach angenehmer Routine. Es gilt, einen Grenzkonflikt zwischen zwei benachbarten Völkern beizulegen. Doch unvermittelt schlägt die Vergangenheit zu. Ein Übel, das längst besiegt geglaubt war, meldet sich im Geist von Jean-Luc Picard wieder zu Wort: Die verstreuten Reste der im Alpha-Quadranten gestrandeten Borg haben sich wieder gesammelt, und sie drohen, eine neue Königin zu „gebären“. Picard schwört, alles dranzusetzen, um das zu verhindern.

von Frank Stein


Die Erlebnisse mit den Borg gehören zu den schlimmsten, die Captain Jean-Luc Picard in seinem Leben machen musste. Von den Borg entführt und als Locutus gezwungen, eine Flotte von Föderationsschiffen zu vernichten, fühlte er an Körper und Geist regelrecht vergewaltigt. Dass er dieses Trauma nie wirklich überwunden hat, zeigte sich in seinem fanatischen und geradezu selbstzerstörerischen Kampf gegen die Borg-Queen um die Erde der Vergangenheit – kurz vor dem ersten Kontakt mit den Vulkaniern. Mit ihrem Tod – und Kathryn Janeways vernichtendem Sieg über die Borg im Delta-Quadranten – glaubte Picard, sein Leben wäre von diesem Albtraum befreit. Doch plötzlich hört er das Kollektiv wieder in seinem Geist!

Man könnte zunächst meinen, es wäre vielleicht ein Stress-Symptom. Denn der Captain der Enterprise-E muss einige Veränderungen verdauen. Zunächst wird B4, Datas debiler Prototyp, ins Daystrom-Institut geschickt. Dann verweigert Worf seine Beförderung vom temporären zum permanten Ersten Offizier, weil er sich nach einer alten Geschichte um eine schwere Kommandoentscheidung, die er zugunsten seiner Geliebten Jadzia Dax falsch traf, für eines Kommandos nicht würdig hält. Schließlich ist da noch die neue Counselor, die Vulkanierin T'Lana, die so völlig anders als Deanna Troi ist und Picard mit ihrer von Logik diktierten Perspektive regelmäßig Kontra gibt.

Doch es ist kein Stress. Picard ist sich sicher, dass die Borg zurück sind. Und obwohl ihm Admiral Janeway befiehlt, nichts zu unternehmen und auf die Ankunft der Borg-Spezialistin Seven-of-Nine zu warten, steuert er mit der Enterprise einen Mond in einem abgelegenen Sonnensystem an – und entdeckt dort tatsächlich einen neu gebauten Borg-Kubus. In dessen Innerem ist eine mysteriöse Prozedur im Gange, die eine neue Borg-Queen ins Leben rufen soll. Um das zu verhindern, ist Picard bereit, alles zu geben. Doch er muss feststellen, dass sich die Borg nach mehreren Niederlagen durch die Hand der Menschen weiterentwickelt haben. Sie assimilieren nicht mehr. Sie vernichten. Um sie zu stoppen, müssen Picard und die seinen zu drastischen Maßnahmen greifen.

J. M. Dillards Beitrag zum TNG-Relaunch hat von Fanseite einiges an Kritik einstecken müssen: Schon wieder Borg. Abklatsch von „Star Trek: Der erste Kontakt“. Zu wenig Charakterentwicklung. Zu hanebüchender Plot. Fakt ist, dass die Autorin vieles richtig macht, sich aber auch (aus Kanonsicht) ein paar unnötige Fehler leistet. „Resistance“ geht ziemlich schnell in die Vollen. Bereits nach wenigen Seiten ist man als Leser von der Handlung gefangen, die sich auch sehr rasch, ähnlich einem Kinofilm, fortentwickelt. Dabei ist das Buch keineswegs ein reines Remake von „Der erste Kontakt“, sondern nutzt vielmehr das Vorwissen um diese Geschichten, um eine düstere und von Schicksalhaftigkeit geprägte Atmosphäre zu schaffen. Insofern zählen die Szenen, in denen Picard erst von der Rückkehr der Borg ahnt, dann die furchtbare Bestätigung erhält und sich schließlich darüber klar wird, dass es Opfer kosten wird, das sich gerade neu bildende Kollektiv aufzuhalten, dramaturgisch zu den stärksten.

Die Action selbst, die folgt, ist dagegen in der Tat eher konventionell geraten und würde auf der großen Leinwand kaum spektakulär wirken. Dazu kommt, dass Dillard an diesem Punkt gleich mehrfach einige recht dreiste Fakten in den Raum wirft, die den bisherigen Kanon ignorieren oder ziemlich eigenmächtig erweitern (bei „Star Trek“ von Kanon zu sprechen ist ja immer etwas kritisch, aber zumindest seit den Serien-Relaunchs in Romanform scheinen die Macher bei Pocket Books um eine stimmige Kontinuität bemüht, sodass eigentlich jeder Autor darauf achten sollte, was er seinen später nachfolgenden Kollegen auf den Tisch haut). ACHTUNG SPOILER: So wird behauptet, dass jedes neuere Schiff der Sternenflotte in ihre Rechner die Spezifikationen für romulanische Tarntechnologie eingespeist hat und es nur eines Admirals-Codes bedarf, um eine Tarnvorrichtung nachzubauen. Außerdem kann sich die Enterprise-E plötzlich teilen wie ihre Vorgängerin, eine Fähigkeit, die ihr schon allein aus Designgründen abgehen müsste. Zu guter Letzt wird mit der Royal-Jelly-Theorie um die Entstehung der Borg-Queen die Royal-Protocol-Theorie, die der Voyager-Relaunch etabliert hatte, missachtet. Ein unnötiger Widerspruch.

Fazit:
Mit „Resistance“ liegt ein Buch vor, das zu Beginn sehr atmosphärisch von der Rückkehr der Borg als Erzfeind der Föderation erzählt, gegen Ende aber an den Actionsequenzen scheitert, die mal hanebüchend, mal recht altbacken wirken. Die Borg als Feind sind natürlich nicht neu, aber immer noch gut und nach wie vor mit Potenzial, der Föderation richtig Druck zu machen. Als Ausgangspunkt des zentralen Handlungsbogens, der das literarische „Star Trek“-Universum bis heute („Destiny“-Trilogie und Nachwehen) prägt, ist der Roman für Fans jedenfalls ein Muss.

Star Trek TNG: Resistance (Second Decade 2)
Film/Serien-Roman
J. M. Dillard
Pocket Books 2007
ISBN: 978-0743499552
306 S., Taschenbuch, englisch
Preis: $ 7,99

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Sonntag, 19. April 2009

Terminator S.C.C.: The Sarah Connor Chronicles – Staffel 1 (Blu-ray)

Es war im Grunde ein kleines Action-Movie um einen Killer-Roboter in der Menschengestalt Arnold Schwarzeneggers, der aus der Zukunft gekommen war, um eine Frau namens Sarah Connor umzubringen, weil ihr ungeborener Sohn später zum Anführer der Menschheit im Krieg gegen die Maschinen werden sollte. So begann die Erfolgsgeschichte von James Camerons „Terminator“, die mittlerweile zwei weitere Kinofilme, Computerspiele, Comics und vielerlei mehr hervorgebracht hat. Und während im Kino mit „Terminator: Die Erlösung“ der nächste Blockbuster ins Haus steht, ist jetzt eine TV-Serie auf Blu-ray erschienen, die vom Überlebenskampf Sarah Connors und ihres Sohns John erzählt: „Terminator S.C.C.“.

von Frank Stein

Die Handlung beginnt unmittelbar dort, wo James Camerons Erfolgs-Sequel „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ geendet hatte: auf einer Straße, die in eine ungewisse – und damit gute – Zukunft führt. Doch wie es in derlei Franchises üblich ist, waren der Sieg über den T-1000 und die Vernichtung des SkyNet entwickelnden Computerkonzerns CyberDyne Systems – beides Maßnahmen, um den zukünftigen Aufstand der Maschinen zu verhindern – natürlich letztlich furchtlos. Die Zukunft weiß sich selbst zu schützen. Und so währt das beschauliche Leben von Sarah Connor und ihrem Sohn John, die als gesuchte Verbrecher ein Dasein unter dem Radar führen, nicht lange. Denn ein neuer Terminator (nicht Arnold Schwarzenegger ;-) ) taucht auf der Bildfläche auf, mit dem Ziel, John Connor umzubringen. Glücklicherweise wird der Junge in letzter Sekunde von einem weiblichen Cyborg namens Cameron (eine Hommage an James C.) gerettet, der von seinem zukünftigen Ich umprogrammiert und zum Schutz in die Vergangenheit geschickt worden war – man kennt das ja (und beginnt sich zu fragen, wie viele „Bauern“ beide Kriegsparteien eigentlich insgesamt durch die Zeit geschickt haben, um jeweils den letzten Schachzug der Gegenseite zu kontern).

Nach diesem furiosen Action-Einstieg folgt ein buchstäblicher Zeitsprung ins Jahr 2007 (natürlich vor allem aus Budgetgründen, um im Hier und Heute drehen zu können). Doch auch diese Flucht durch die Zeit reicht nicht aus, um dem Trio Sarah, John und Cameron Ruhe vor seinen Verfolgern – einerseits sind nach wie vor die Maschinen hinter ihnen her, andererseits ein allzu neugieriger FBI-Agent – zu gewähren. Und so beschließen sie wohl oder übel, einmal mehr selbst in die Offensive zu gehen und die Entwicklung der SkyNet-KI, die einmal mehr droht, zu verhindern, während sie sich gleichzeitig dem Zugriff ihrer Feinde zu entziehen versuchen. Hilfe erhalten sie dabei von dem aus der Zukunft angereisten Derek Reese, dem Bruder von Sarahs Liebhaber und Johns Vater Kyle, der als letzter Überlebender eines Team aus Spezialisten übrig geblieben ist, die sich in Johns Namen eigentlich um SkyNet kümmern sollten (dummerweise trafen sie vorher auf einen der „neuen“ Triple-Eights, wie die T-888 genannt werden).

„Terminator: S.C.C.“ wurde von vielen Fans im Vorfeld sehr kritisch beäugt. Kann ein derartiges Effekte-Blockbuster-Franchise erfolgreich auf den kleinen Bildschirm übertragen werden? Und: Langweilt die stetige Wiederholung der versuchten Zerstörung SkyNets und der Kampf gegen Cyborgs nicht irgendwann? Diese Fragen können mit „Ja“ respektive „Nein“ beantwortet werden. Denn es gelingt den Machern erstaunlich gut, sich von den Explosionen auf der großen Leinwand zu emanzipieren und stattdessen die Figuren in den Vordergrund zu stellen. Lena Headey („300“) überzeugt als Frau, die zwischen dem Bemühen, einem Teenager ein normales Leben bieten zu können und eine gute Mutter zu sein, sowie dem unbeugsamen Willen, eine furchtbare Zukunft um jeden Preis aufzuhalten, ihren eigenen Weg zu finden versucht. Thomas Dekker („Heroes“) gewinnt die Sympathien der Zuschauer als ein Junge, der sein ganzes Leben auf der Flucht war und eigentlich absolut keine Lust mehr darauf hat, dass sein verdammtes Schicksal bereits vor seiner Geburt geschrieben wurde.

Den stärksten Eindruck aber hinterlässt überraschend Summer Glau, die in der Joss-Whedon-Serie „Firefly“ als debile River Tam noch eher eine Nebenrolle spielte, hier aber als Terminatrix zum Rückgrat der Serie wird. Man darf es als einen Casting-Coup sehen: Denn Glaus zu Ausdruckarmut neigendes Gesicht passt perfekt zu einer Maschine, die absolut gefühllos ihrer Programmierung folgt. Umso stärker wirken die kleinen Gesten – ein fragender Blick, ein winziges Lächeln –, diese Momente, in denen der weibliche Terminator Cameron versucht, zu verstehen, was es bedeutet, Mensch zu sein. Es erzeugt eine eigenartige Atmosphäre, wenn sich eine Killermaschine jenseits allen „Onkel-Bob“-Humors des zweiten „Terminator“-Films in die Tradition eines Data aus „Star Trek TNG“ stellt und für sich versucht, seine „Seele“ zu entdecken, gleichzeitig aber nach wie vor tötet, ohne nachzudenken. (Übrigens mag sich niemand wundern, warum Cameron in Episode 1 noch so menschlich wirkt, danach aber nicht mehr. Es war ein Experiment der Macher mit einem „Emotionschip“ für die nächste Generation der Terminatoren; ein Experiment, das nach Testvorführungen rasch wieder über Bord geworfen wurde.)

Die erste Staffel besteht aus schlanken neun Episoden auf drei Silberlingen, die lückenlos aneinander anschließen, sodass sich die Serie regelrecht dazu anbietet, im Heimkino in zeitnahen Blöcken genossen zu werden, anstatt im wöchentlichen Abstand im Fernsehen. Die Bildqualität der Blu-ray wirkt sehr gut und gibt sich keine Blöße, der Ton ist aus unerfindlichen Gründen auf Deutsch aber nur in Stereo abgemischt (in Englisch immerhin in 5.1 – wobei auch das für eine Blu-ray als veraltetes Tonformat gilt). Das Bonusmaterial sticht nicht durch seine Qualität hervor, ist aber ordentlich. Es gibt Audiokommentare zu drei Episoden sowie eine längere Version der Episode „Die Hand Gottes“ (wobei die eingefügten Teile unbearbeitet sind). Dazu kommt mit „Die Entstehung der Chroniken“ ein 3-teiliger Blick auf die Entstehungsgeschichte der Serie, in welchem die Macher ihren Ansatz einer „Terminator“-Serie darlegen, allerdings auch reichlich die Gelegenheit nutzen, sich und andere zu loben. Die Castingbänder von Lena Headey, Thomas Dekker und Richard T. Jones, nicht verwendete Szenen, ein kurzes Storyboard, die Tanzproben von Summer Glau und ein leider nicht wirklich lustiges Gag-Reel runden die „Specials“ der Blu-ray ab.

Fazit: Die Serie „Terminator S.C.C.“ bereichert das „Terminator“-Franchise eben dadurch, dass sie nicht versucht, die Action-Orgien der Filme schlecht (weil mit viel geringerem Budget) zu kopieren, sondern vielmehr den Fokus auf die Figuren legt. Wie weit darf man gehen, um den Untergang der Menschheit zu verhindern? Und inwieweit kann eine Maschine zum Menschen werden? Das sind die Fragen, welche die neun Folgen der ersten Serienstaffel unter anderem vorantreiben. Sehenswerte Schauspieler, clevere intermediale Querverweise und die eine oder andere augenzwinkernde Hommage vor allem an „Terminator 2“ machen „Terminator S.C.C.“ für Fans guter Science-Fiction-Unterhaltung zum (leider recht kurz währenden) Vergnügen. Die Blu-ray besticht durch ihr sehr gutes Bild, enttäuscht aber durch seinen veralteten Stereo-Ton (!). Das Bonusmaterial liegt im guten Mittelfeld vergleichbarer Silberlinge.

Terminator S.C.C.: The Sarah Connor Chronicles – Staffel 1
USA 2008
Regie: David Nutter, Paul A. Edwards u. a.
Darsteller: Lena Headey (Sarah Connor), Thomas Dekker (John Connor), Summer Glau (Cameron Phillips), Richard T. Jones (Agent James Ellison), Brian Austin Green (Derek Reese), Garret Dillahunt (Cromartie)

Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 27.03.2009

Länge: 392 min.
Bildformat: 1,78:1 (1080p HD)
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1), Spanisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch

Bonusmaterial: Audiokommentar zu 3 Episoden von Produzent Josh Friedman, den Schauspielern und der Crew, Die Entstehung der Chroniken: 3-teiliger Blick auf die Entstehungsgeschichte der Serie (in HD), Die 52-minütige ungeschnittene Version sowie nicht verwendete Szenen aus Episode 7 „Die Hand Gottes“, Castingbänder von Lena Headey, Thomas Dekker und Richard T. Jones, Nicht verwendete Szenen, Das Storyboard zu einer ausgewählten Szene, Die Tanzproben von Summer Glau, Verpatzte Szenen

Preis: EUR 41,99

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Mittwoch, 15. April 2009

Star Trek TNG (Second Decade 1): Death in Winter

„Star Trek“ meldet sich aus seinem Dornröschenschlaf zurück. Für zumindest kurze Zeit werden die neuen, von Kultregisseur J. J. Abrams verfilmten Abenteuer von James T. Kirk und seiner Crew an Bord der Enterprise die Aufmerksamkeit der Welt auf sich ziehen. Kurioserweise haben selbige in der fernen Zukunft ihren Ausgangspunkt, in einer Föderation etwa zehn Jahre nach „Star Trek: Nemesis“. Doch was ist in diesen Jahren geschehen? Der (bislang nur auf Englisch erhältliche) TNG-Relaunch, auch als „Second Decade“, das „zweite Jahrzehnt“, bezeichnet, erzählt, was Picard und seine Getreuen nach dem Sieg über Shinzon erlebt haben.

von Frank Stein

Es sieht trostlos aus in Jean-Luc Picards Leben: Data ist tot, Will Riker und Deanna Troi haben die Enterprise-E verlassen und mit der U.S.S. Titan ihr eigenes Raumschiff übernommen, die Enterprise selbst liegt im Dock und muss nach dem Kampf gegen den wahnsinnigen Picard-Klon und romulanischen Praetor Shinzon generalüberholt werden – und dann ist da noch Beverly Crusher, Picards CMO (Chief Medical Officer) und jahrelange heimliche Liebe, die sich entschieden hat, die oberste Medizinerin von Starfleet zu werden und dafür das Schiff zu verlassen. Was bleibt einem da noch, möchte man fragen? (Worf und Geordi LaForge, um genau zu sein, und dafür ist man als TNG-Fan redlich dankbar.)

Doch es kommt noch schlimmer. Denn Picard erhält eine Nachricht, die ihm mitteilt, dass Beverly während eines Einsatzes im romulanischen Raum verschollen ist. Als Spezialistin auf diesem Gebiet sollte sie auf dem romulanischen Randplaneten Kevratas eine grassierende Seuche in den Griff bekommen und so vielleicht ganz nebenbei die Gunst der Einheimischen gewinnen. Unglücklicherweise hatte auch die amtierende Praetorin Tal'Aura, die sich in den unruhigen Zeiten nach Shinzons Tod vor die schwere Aufgabe gestellt sieht, ein Reich zusammenzuhalten, die rebellischen Randbereiche des Romulanischen Imperiums im Blick und so befand sich deren getreue rechte Hand, die eiskalte Sela, vor Ort (ein auch in der TV-Serie mehrfach in Erscheinung getretener, aus einem Paralleluniversum stammender Sproß der ehemaligen Enterprise-Sicherheitschefin Tasha Yar und einem Romulaner). Pech für Doktor Crusher.

Als alter Romulaner-Kenner ist Picard natürlich die zweite Wahl der Starfleet-Oberen, um die Kevratas-Krise in den Griff zu bekommen (und sollte er dabei zufällig die Chefin von Starfleet Medical retten können, umso besser). Und so bricht Jean-Luc undercover und in Begleitung eines romulanischen Überläufers namens Decalon sowie zweier alter Kollegen von der U.S.S. Stargazer – Pug Joseph and Doktor Carter Greyhorse – auf, um im feindlichen Gebiet nach einem dringend benötigten Impfstoff und einer guten alten Freundin zu suchen.

Der bereits im September 2005 als Hardcover-Band und 2007 als Taschenbuch erschienene TNG-Roman „Death in Winter“ von Michael Jan Friedman stellt eine Übergangsgeschichte zwischen den Ereignissen in „Star Trek: Nemesis“ und den neuen Abenteuern des Raumschiffs Enterprise dar. Kurze Zeit nach der Filmhandlung angesiedelt, widmet sich die Geschichte vor allem der Beziehung von Jean-Luc Picard und Beverly Crusher sowie den politischen Unruhen im Romulanischen Imperium, zu denen die aus „Nemesis“ bekannte Kommandantin Donatra als Gefolgsfrau des militaristischen Aufrührers Braeg kräftig beiträgt.

Entsprechend folgt die Geschichte zwei großen Handlungslinien. Zum einen werden Doktor Crushers Gefangennahme durch die Romulaner sowie ihre Flucht und Picards Rettungseinsatz beschrieben, zum anderen gewährt Friedman dem Leser und Fan immer wieder Einblicke in die Intrigen auf der Kernwelt Romulus, die nur unter viel Blut und Tränen zu einer neuen Regierung findet. Dieser Part ist im Grunde der spanndere und auch drastischere Teil des Romans. Die Ereignisse auf Kevratas nehmen sich dagegen recht provinziell aus und werden nur durch die Anwesenheit der TNG-Antagonistin Sela sowie die sich spürbar entwickelnde Romanze zwischen Picard und Crusher aufgewertet. Dennoch hat das Finale eher TV-Serien-Format anstatt wirklich große Bilder zu evozieren, wie es für einen TNG-Relaunch in Romanform (bei dem man im Grunde alles hätte machen können) angemessen gewesen wäre.

Fazit: „Death in Winter“ ist eine solide Übergangsgeschichte, die vor allem durch die Entwicklung der Beziehung zwischen Jean-Luc Picard und Beverly Crusher glänzt, sowie die spannenden politischen Geschehnisse auf Romulus. Die Kevratas-Mission dagegen kommt sehr konventionell daher, und der Nebenplot um Worf und Geordi, die unbedingt Picard helfen wollen, aber nicht dürfen, hat schon fast komödiantische Qualitäten. Fans der Friedman-Reihe „U.S.S. Stargazer“ um Picards früheres Kommando freuen sich sicher über die zahllosen Verweise dorthin sowie die Wiederkehr der Figuren Pug Joseph und Carter Greyhorse.

Star Trek TNG: Death in Winter (Second Decade 1)
Film/Serien-Roman
Michael Jan Friedman
Pocket Books 2007
ISBN: 978-0743497220
368 S., Taschenbuch, englisch
Preis: $ 7,99

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Montag, 9. Februar 2009

Star Wars – The Clone Wars (Blu-ray)

Die neue Animationsserie „The Clone Wars“ (nicht zu verwechseln mit der Zeichentrickserie „Clone Wars“ aus den Jahren 2003-2005) beherrscht im Augenblick das „Star Wars“-Universum. In eigenwilliger Optik, aber mit spektakulären Effekten bringt die sie Fans rund um den Globus Woche für Woche neue Geschichten aus der Zeit der Klonkriege. Quasi als 98-minütiger Teaser kam der Film „The Clone Wars“ im Sommer in die Kinos. Jetzt ist die Blu-ray erschienen und bringt die dramatische Zeit zwischen „Angriff der Klonkrieger“ und „Die Rache der Sith“ auch auf die heimischen Bildschirme.

von Frank Stein

Es war einmal, vor langer Zeit…

Der Film beginnt mit einem sehr gewöhnungsbedürftigen Intro. Zu den poppigen Klängen der bekannten John-Williams-Fanfare jagt das „Star Wars – Clone Wars“-Logo durchs Bild. Dann setzt nicht der obligatorische Rolltext ein; stattdessen hebt ein Erzähler an, zu einer schnellen Bildmontage in reißerischem Tonfall die aktuelle Situation in der Galaxis zu beschreiben. Das kann man entweder als cleveres Zitat an alte Wochenschauen aus dem Zweiten Weltkrieg verstehen – oder als Konzession an eine Zielgruppe, die des flüssigen Lesens noch nicht mächtig ist.

Es folgt eine mehr oder minder beliebige Episode aus den Klonkriegen, jenem galaxisweiten Konflikt zwischen der Alten Republik und den Jedi-Rittern auf der einen Seite und den Separatisten mit ihren Droiden-Armeen auf der anderen. Nach der Schlacht um Christophsis wird der junge Jedi-Ritter Anakin Skywalker gemeinsam mit seinem neuen Padawan, der neunmalklugen Ahsoka, von Yoda losgeschickt, Jabbas Sohn aus den Händen von Entführern zu retten, denn die Republik braucht die Allianz mit den Hutts, um ihre Streitkräfte im Äußeren Rand ungehindert bewegen zu können. Natürlich ist das Ganze eine Falle der Separatisten, die einen Keil zwischen Jedi und Hutts treiben wollen, doch mit viel Kampfgeschick und dem ein oder anderen Trick gelingt es Anakin und Ahsoka, die Aufgabe zu bewältigen.

Die Handlung besteht im Wesentlichen aus der Schlacht um Christophsis, der Befreiungsaktion auf dem Planeten Teth und dem Finale auf Tatooine. Damit reiht sich „The Clone Wars“ durchaus in die dreiteilige Erzählstruktur aller früheren „Star Wars“-Filme ein. Allerdings unterläuft den Machern in diesem Fall ein dramaturgischer Fehler: Denn während die Schlacht um Christophsis brachial zu nennen ist und die Befreiungsaktion auf Teth kaum weniger furios daherkommt, lassen Tempo und Spannung ausgerechnet im letzten Drittel spürbar nach, und der Schluss ist fast ernüchternd unspektakulär.

Zugute halten muss man der Produktion, dass das Maß an kindischen Witzen für eine „Kinderserie“ angenehm zurückgenommen ist. Ein paar täppische Droiden, ein rülpsendes Hutt-Baby und ein geckenhaft aufgemachter Onkel von Jabba strapazieren die Nerven kritischer Fans deutlich weniger als etwa ein Jar Jar Binks (der erst in der TV-Serie selbst auftreten wird). Stattdessen überwiegt ein ernster, ja militaristischer Tonfall. Der Fokus liegt auf den Klontruppen sowie auf düster dreinblickenden Lichtschwertschwingern, was sich für die Stimmung des Films als sehr vorteilhaft erweist. Selbst die kindliche Ahsoka, die dem jüngeren Publikum als Identifikationsfigur dienen dürfte, funktioniert als mal großäugige, mal schnippische Anspielpartnerin für den launischen Anakin Skywalker.

Aardman Animation meets LucasArts


Technisch wirkt „The Clone Wars“ irritierend unausgeglichen. Auf der einen Seite stehen großartig gerenderte Raumschiffe und Kampfmaschinen – allen voran die Venator-Klasse-Sternenzerstörer, die sich als gewaltige Kolosse durchs Sternenmeer schieben. Auch das Schlachtengetümmel auf Christophsis und Teth ist mit seinem Blitzgewitter aus Blasterschüssen, dem Wummern der AT-TE Truppentransporter und einer Kakophonie aus Explosionen mitreißend eingefangen. Je biologischer das Ambiente aber wird, desto mehr fallen die Grenzen des Lucas’schen Verfahrens auf.

Während die Hauptdarsteller nurmehr wie leicht hölzern agierende, digitalisierte Plastilinpuppen wirken (damit lässt sich leben, wenn man es als „Stil“ akzeptiert hat), haben gerade die Aliens in Jabbas Palast kaum noch den Charme von Computerspielfiguren – sie wirken blass, statisch und weit davon entfernt, dreckiger, stinkender Abschaum zu sein. Ähnliches gilt für die Bildhintergründe, die mitunter einfach nur aus unscharfen, wenig detailreichen Strukturen bestehen. Während das auf Christophsis mit den fernen Hochhäusern noch halbwegs funktioniert, versagt es erneut in Jabbas Palast, der einfach nur mattgrau aussieht. Eine Ausnahme bildet eine Vergnügungsstraße auf dem Stadtplaneten Coruscant, die mit viel Neonlicht und Extravaganz erfreulich frivol und verrucht daherkommt.

Gerettet werden die optischen Ausrutscher in jedem Moment von der umwerfenden Tonkulisse. Hier muss man den Machern Respekt zollen. Es kracht und donnert so hingebungsvoll während der präsentierten Schlachtsequenzen, dass man den Film am liebsten als Hörspiel genießen würde. Untermalt wird das Ganze von einem Score von Kevin Kiner, der trotz seiner stellenweise störend poppigen Anwandlungen immer wieder mit orchestralem Bombast seinen Teil zur Atmosphäre beiträgt. Die Sprecher scheinen überwiegend aus der Riege der Synchronsprecher der Realschauspieler zu stammen, womit wir in Deutschland einen Vorteil gegenüber dem US-Publikum genießen, das natürlich nicht Ewan McGregor und Natalie Portman zu hören bekommt – wenngleich es sich durchaus einige Schauspieler, darunter Sam Jackson als Mace Windu und Christopher Lee als Count Dooku, nicht nehmen ließen, ihren Charakteren erneut die Stimme zu leihen.

Der Klonkrieg im Heimkino

Man mag von „The Clone Wars“ halten, was man will; die Blu-ray jedenfalls ist ein Leckerbissen für Fans hochauflösender Heimkinounterhaltung. Das Bild ist von knackiger Schärfe und Farbigkeit, was man bei einer Computeranimation allerdings auch irgendwie erwarten würde. Der Ton wirkt allerdings etwas zu hell. Vor allem Explosionen und dem Antriebswummern der Raumschiffe fehlt es ein wenig an Druck. Ton-Fetischisten werden zudem mit Unmut bemerken, dass keine True-HD-Tonspur vorliegt, wie man es von aktuellen Blu-ray-Scheiben eigentlich erwartet, sondern nur Dolby Digital 5.1 EX.

Das Bonusmaterial, das übrigens fast komplett in HD vorliegt, gefällt durch Art und Umfang. So existiert ein durchgängiger Videokommentar, der parallel zur Filmhandlung Regisseur Dave Filoni, Produzent Catherine Winer, Autor Henry Gilroy und Cutter Jason W. A. Tucker zu Wort kommen lässt. Dazu werden immer wieder Skizzen und anderes Entwurfsmaterial eingeblendet. „The Clone Wars: Unerzählte Geschichten“ gibt einen Ausblick auf die kommende erste Staffel der TV-Serie. Figuren, Welten, Geschichten und übergeordnete Themen werden hier dem Zuschauer näher gebracht und sollen so Lust auf das Kommende machen.

Das Feature „Die Stimmen von Clone Wars“ widmet sich den Synchronsprechern und verleiht somit den (englischen) Stimmen der animierten Charaktere ein sympathisches Gesicht. Eine weitere Dokumentation stellt „Die neue Filmmusik“ vor. Dabei steht Kevin Kiners Herangehensweise an die musikalische Untermalung der Serie im Fokus. Er erzählt ebenso von seinem Versuch, Elemente aus John Williams’ bekannten Kompositionen aufzunehmen, aber gleichzeitig auch etwas ganz eigenes zu schaffen, wie auch von dem Konzept, jeder Welt ihren eigenen, ungewöhnlichen Klang zu verleihen. Abgeschlossen wird der Behind-the-Scenes-Teil durch eine Fotogalerie sowie sechs Making-of-Featurettes, die zuvor im Internet zu sehen waren.

Fünf nicht verwendete Szenen, verschiedene Trailer zum Film und ein Hologramm-Memory-Spiel, das bei erfolgreicher Bewältigung drei TV-Serien-Sneak-Peaks freischaltet (die allerdings aus den frühen Serien-Episoden stammen und mittlerweile schon nicht mehr so geheim sind), runden das Bonusmaterial ab.

Fazit: Keine Frage: „The Clone Wars“ ist die beste „Star Wars“-TV-Produktion, die jemals der Ideenschmiede von George Lucas entsprungen ist. Alles, was zuvor war, wird sowohl technisch als auch inhaltlich sichtbar deklassiert. Die überlange Kino-Episode hingegen hinterlässt einen gemischten Eindruck. Die Qualität der Animationen schwankt leider, die Musik lässt stellenweise John Williams vermissen und der wahrhaft schwungvolle Einstieg in die Geschichte wird durch eine eher kurios anmutende Handlung und ein schwaches Ende relativiert. Die Blu-ray dagegen ist von nahezu makelloser Qualität: Das Bonusmaterial ist umfangreich und das Bild gestochen scharf. Nur Ton-Fetischisten werden das Fehlen einer True-HD-Tonspur monieren.

Star Wars – The Clone Wars
USA 2008
Regie: Dave Filoni
Sprecher: Matt Lanter (Anakin Skywalker), Ashley Eckstein (Ahsoka Tano), James Arnold Taylor (Obi-Wan Kenobi), Samuel L. Jackson (Mace Windu), Christopher Lee ( Count Dooku), Anthony Daniels (C-3PO)

Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 11.12.2008

Länge: 98 min.
Bildformat: 2,4:1 (1080p HD)
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 5.1 EX), Englisch (Dolby Digital 5.1 EX), Spanisch (Dolby Digital 5.1 EX), Dänisch (Dolby Digital 5.1 EX), Niederländisch (Dolby Digital 5.1 EX), Französisch (Dolby Digital 5.1 EX), Norwegisch (Dolby Digital 5.1 EX), Schwedisch (Dolby Digital 5.1 EX)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Dänisch, Finnisch, Holländisch, Koreanisch, Chinesisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch

Bonusmaterial: Videokommentar, Unerzählte Geschichten: Vorschau, Geschichten, Fahrzeuge, Planeten und Kriege aus Staffel 1 der TV-Serie, Die Stimmen von „The Clone Wars“, Eine neue Filmmusik, Fotogalerie, Webisodes: 6 Making-of Featurettes, Nicht verwendete Szenen, Das Hologramm-Gedächtnis-Spiel, Trailer

Preis: EUR 29,95

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Mittwoch, 3. Dezember 2008

Der Omega-Mann (Blu-ray)

Welcher Science-Fiction-Fan hat nicht noch den Postapokalypse-Blockbuster „I am Legend“ vor Augen, der Will Smith als scheinbar letzten Menschen auf Erden im gleichsam verzweifelten Kampf gegen Mutanten und auf der Suche nach einem Serum gegen die von Menschen heraufbeschworene, weltweite Seuche zeigte? Eine frühere Version dieser auf einem Roman von Richard Matheson basierenden Geschichte stammt aus dem Jahr 1971. Hier war der abgebrühte Charlton Heston „Der Omega-Mann“ – jetzt geht er auf Blu-ray Disc auf die Jagd nach bleichen Kultisten.

von Frank Stein

Die Handlung

Ein Mann fährt mit seinem offenen Wagen durch eine menschenleere Stadt. Er fährt über verschmutzte Straßen, an halbverfallenen Häusern vorbei und an Parks, in denen die Natur ihr Territorium zurückerobert. Plötzlich nimmt er aus den Augenwinkeln einen Schatten in einem der Gebäude wahr. Er bremst, springt auf und feuert mit seiner Maschinenpistole eine Salve in die Häuserfront.

So beginnt „Der Omega-Mann“, ein postapokalyptischer Science-Fiction-Film nach einem Roman von Richard Matheson. Die moderne Waffentechnologie der Menschheit, im Grenzstreit zwischen China und Russland entfesselt, hat ein tödliches Virus über die Erde gebracht, und Robert Neville, von Charlton Heston als harter Mann mit Macho-Allüren, aber gutem Herz verkörpert, ist einer der wenigen, die überlebt haben.

Leider Gottes sind die anderen, die der Katastrophe entronnen sind, größtenteils mutiert und wandeln als „Familie“, als Kult bleicher Zombiegestalten, die zu einer mittelalterlichen Gesellschaftsform zurück wollen und jede Technologie hassen und zerstören, durch Los Angeles. Glücklicherweise hat die Krankheit sie allergisch gegen Licht werden lassen, doch umso mehr setzen sie Neville, den sie als Relikt der Vergangenheit ansehen, in den Nächten zu.

Nevilles karges Leben, das im Wesentlichen aus Essen, Schlafen und dem Jagen der Zombies besteht, nimmt eine überraschende Wende, als er auf die junge Schwarze Lisa trifft, die mit einer Gruppe von Kindern außerhalb der Stadt überlebt hat. Denn auf einmal ist es für Neville nicht mehr das Wichtigste, den Tod zu bringen, sondern das Leben zu erhalten.

Der Film

Für manche ist es Trash, für andere ist es Kult. Fakt ist, dass Regisseur Boris Sagal hier eine Mahnung vor den Folgen unkontrollierter Kriegstreiberei gewissermaßen in der Verpackung eines Pulp-Heftromans bietet. Der eifernde Kriegszug der „Familie“ gegen den schießfreudigen und etwas eitlen Wissenschaftler Neville wirkt durch das klischeehafte Äußere der Zombies, die mit bleichen Gesichtern, Sonnenbrillen und stilechten schwarzen Kutten durch den Film steifen, auf heutige Zuschauer ungewollt komisch. Auch Nevilles Schicksal als Heilsbringer und Opferlamm einer zukünftigen Menschheit wird stellenweise etwas zu deutlich in Szene gesetzt – gleich zwei Mal steht er in schönster Jesus-Pose an einer kreuzähnlichen Struktur.

Der Film ist einerseits ein Kind seiner Zeit, nicht nur in der Ausstattung, sondern auch in der bedrückenden, ökologische oder gesellschaftliche Katastrophen beschreibenden Grundstimmung, die in vielen Science-Fiction-Filmen der 1970er zu finden war und diese Filme auch heute noch diskussionswürdiger als jedes CGI-Spektakel sein lassen. Durch Charlton Heston wirkt er aber gleichzeitig irgendwie konservativ – und das, obwohl Heston in den 1960ern durchaus liberal gesinnt war. Hestons Liebe für den alten Kinofilm „Woodstock“ nimmt man ihm weniger ab, als seine Begeisterung für Waffen. Und dass die junge, sexy Lisa den reifen Herrn dem sportlichen Jungspund vorzieht, der zu ihrer Gruppe von Überlebenden gehört, erscheint auch ein wenig wie die Wunschvorstellung eines alternden Hollywoodstars.

Die Blu-ray


Der Silberling bietet ordentliches Bildmaterial, das vor allem in den Stadtansichten überzeugen kann – bis hin zu dem Punkt, an dem man am Horizont ein Auto über eine Brücke fahren sieht, obwohl Los Angeles eigentlich menschenleer sein soll! Nichtsdestotrotz sieht man dem Film natürlich sein Alter an – sowohl vom Bild her, das keinesfalls so lupenrein sein kann, wie die Digitalqualität moderner Produktionen, als auch vom Ton, der nur in Dolby Digital 1.0 (Mono) vorliegt. Dennoch kann man sich über das Technische kaum beschweren.

Das Bonusmaterial hält sich allerdings in Grenzen. Es gibt eine kurze Einleitung der Co-Stars Eric Laneuville und Paul Koslo sowie der Drehbuchautorin Joyce H. Corrington, die indes über ein paar nette Worte nicht hinausgeht. Interessanter gestaltet sich die zeitgenössische Dokumentation „Der letzte Überlebende – Der Omega Mann“, der den Zuschauer über das Film-Set führt und Charlton Heston im Gespräch mit einem Soziologen zeigt, der mit dem Schauspieler fast belustigend ernsthaft über die Psyche des Protagonisten Robert Neville diskutiert. Ein Kinotrailer rundet das eher schmale Angebot, das auch schon auf der DVD von 2003 zu finden war, ab.

Fazit:
Zweifellos gehört „Der Omega-Mann“ zu den wichtigen Science-Fiction-Filmen der 1970er Jahre. Auch wenn das plakative Auftreten der Bösewichte aus heutiger Sicht mitunter schmunzeln lässt, geht die insgesamt bedrückende und auch eindringliche Stimmung keineswegs unter. Ein Film für Genre-Liebhaber, die nicht immer nur das Neuste in ihren DVD-Spieler einlegen müssen. Apropos DVD: Der Kauf der Blu-ray lohnt nur bedingt. Außer einem leicht verbesserten Bild existiert kein Unterschied zu der seit 2003 existierenden DVD – ein Preisunterschied von mehr als 20 Euro scheint hier nicht gerechtfertigt.

Der Omega-Mann
USA 1971
Regie: Boris Sagal
Darsteller: Charlton Heston (Robert Neville), Rosalind Cash (Rosa), Anthony Zerbe (Matthias), Paul Koslo (Dutch), Eric Laneuville (Richie)

Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 20.11.2008

Länge: 98 min.
Bildformat: 2,40:1 (1080p HD)
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 1.0), Englisch (Dolby Digital 1.0), Spanisch (Dolby Digital 1.0), Französisch (Dolby Digital 1.0), Italienisch (Dolby Digital 1.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Portugisisch, Spanisch, Dänisch, Holländisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Koreanisch, Norwegisch, Schwedisch

Bonusmaterial: Einleitung von Eric Laneuville, Paul Koslo und Joyce H. Corrington, Vintage-Dokumentation „Der letzte Überlebende – Der Omega-Mann“, Trailer

Preis: EUR 29,99

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Dienstag, 4. November 2008

Starship Troopers 3 – Marauder (Blu-ray)

Es ist schon ein paar Jahre her, dass der niederländische Filmregisseur Paul Verhoeven mit seiner bitterbösen Verfilmung des Heinlein-Romans „Starship Troopers“ für Aufsehen sorgte: Die offiziellen Stellen mochten den Film überhaupt nicht und sorgten alsbald für seine Indizierung. Doch unter Fans gilt „SST“ nicht nur wegen seiner spektakulären Action, sondern auch wegen seines satirischen Untertons, als Genre-Perle. Im Laufe der Zeit hat sich daraus ein regelrechtes Franchise entwickelt – jüngster Sproß ist die Direct-to-DVD-Premiere „Starship Troopers 3 – Marauder“.

von Ye Loyal Federation Citizen

The Story

Der Krieg gegen die Bugs findet und findet kein Ende. Jüngstes Schlachtfeld ist der Planet Roku San, auf dem Colonel Johnny Rico, der Kriegsheld von Planet P, mit markigen Sprüchen das Regiment führt. Während einer Inspektion von Sky Marshall Omar Anoke, bei der Rico zwei alte Freunde, General Dix Hauser und Captain Lola Beck, wiedertrifft, kommt es zu einem Angriff der Bugs, und der Planet fällt. Während Rico wegen Befehlsverweigerung in den Bau wandert und Dix das Kommando übernimmt, stranden Anoke, Lola und ein paar Crewmitglieder ihres Schiffes auf der Flucht vor den Insekten auf dem ominösen Planeten OM-1. Dort entdeckt Anoke seine Religiösität und schleppt die übrigen Überlebenden mit sich auf seiner Suche nach Gott. Doch nicht nur im Staate Dänemark ist einiges faul – und schließlich wird Rico in einen riesigen Kampfanzug gesteckt und mit einer Truppe Elitesoldaten ausgeschickt, um die verlorenen Kinder heim in den Schoß der Föderation zu holen.

The Good

Casper Van Dien ist zurück – und mimt einmal mehr seinen harten Starship Trooper Johnny Rico. Der Begeisterung, mit der er sich Befehle schreiend und Platzpatronen verschießend, in den Krieg gegen die Bugs wirft, kann man sich auch als Zuschauer kaum entziehen. Dass er mittlerweile zehn Jahre älter geworden ist, sieht man ihm, weiß Gott, nicht an. Ebenfalls durchaus Potenzial haben diverse der „bösen“ Ideen der Drehbuchautoren: Ein aalglatter, das Volk durch schmissige Popsongs umwerbender Sky Marshall, der den Verstand verliert, roboterähnliche Kampfanzüge mit immenser Feuerkraft, ein cthuloider Oberbug, der parasitär einen halben Planeten im Griff hat, und immer wieder herrlich zynische „Newseinblendungen“ lassen einen erahnen, was „Starship Troopers 3 – Marauders“ hätte werden können. Wenn, ja wenn nicht …

The Bad

… die Umsetzung so halbgar wäre. Schön, es ist eine Direct-to-DVD-Produktion. Das limitiert das Budget – auf 20 Millionen, wie ich mir habe sagen lassen. Und das ist bei einem (satirischen) Kriegsfilm prinzipiell erst mal schlecht, erst recht, wenn er im Science-Fiction-Milieu angesiedelt ist, denn ein (satirischer) Science-Fiction-Kriegsfilm verlangt nach glaubwürdigen Kämpfen, zünftiger Action, bedrohlichen Gegnern und guten Effekten – ordentliche Schauspieler schaden übrigens auch nicht. Das alles kann „Starship Troopers 3“ leider nur sehr bedingt bieten. Die Bugs erinnern, bei aller Sympathie für die Geeks, die sie verzapft haben (man lernt sie in einem der Specials kennen), wahlweise an flächig animierte, digitale Zebras oder ungelenk gesteuerte Puppen. Explosionen und Feuer wirken über weite Strecken wie auf die Szene gesetzte CGI. Die Raumschiffe erreichen gute Videospielqualität – aber auch nicht mehr. Dies überrascht vor allem, wenn man sich aktuelle Fernsehserien, wie „Battlestar Galactica“ anschaut, die makellos Effekte, Spannungsdramaturgie und Schauspielkunst zusammenzuführen vermögen.

The Ugly

Es gibt so ein paar Szenen im Film, die sind Trash pur. Mein Lieblingsbeispiel: Rico und seine Truppe sollen sich auf ihren Einsatz mit den neuen „Marauder“-Kampfanzügen vorbereiten. Da jedes B-Movie seinen Anteil an nackter Haut braucht, heißt es natürlich „ausziehen“. Weil wir aber in „Starship Troopers“ (die gemischte Duschszene) gelernt haben, dass Soldaten auch nackt völlig unbefangen miteinander umgehen – man ist im Schützengraben ja mit dem Arsch des Nebenmannes verheiratet –, fangen die Krieger auch hier, völlig aus dem Nichts heraus, an, willkürlich über ihre Zukunftspläne nach dem Krieg zu schwadronieren (als hätten sie nicht am Anfang des Films zusammen in der Cantina von Roku San gehockt), um von den unbedeckten Brüsten „abzulenken“, die natürlich absolut zufällig ins Bild blitzen. Eine Szene, die – bei aller Zitathaftigkeit – gestelzter nicht wirken könnte.

The Blu-ray

Der Film ist vergleichsweise „billig“ produziert und das kann die höhere Bildauflösung der Blu-ray Disc nur noch schonungsloser enthüllen. Dabei sind die meisten Szenen relativ grobkörnig (Nacht- und Actionaufnahmen kommen dazu), sodass aus dem Medium nicht allzu viel herausgeholt wird. Ganz nett ist indes das Bonusmaterial: In gleich zwei Audiokommentaren erzählt Regisseur Ed Neumeier (nicht ganz ohne Dopplungen) von der Herstellung des Films – einmal unterstützt von Produzent David Lancaster und Effektemann Robert Skotak (der einst für „Aliens“ und „T2“ Oscars gewonnen hat), einmal von den Darstellern Casper Van Dien und Jolene Blalock. Ein weiteres Mal ist Neumeier mit Van Dien im so genannten „Marauder“-Mode zu sehen, der neben der Filmhandlung Interviewschnipsel, Datenmaterial und Behind-the-Scenes-Footage einstreut. In zwei kürzeren Features („Evolution: The Bugs of Starship Troopers 3: Marauder“ und „Enlist: Marauder’s Mobile Infantry“) kommen noch einmal die Special Effects Macher zu Wort, ebenso die Schauspieler. Das Sahnehäubchen bildet schließlich ein Musikvideo zu SM Anokes Smash-Hit „It’s a Good Day to Die“.

Fazit:
Schön, es ist eine Direct-to-DVD-Produktion. (Das sagte ich bereits.) Und sie hat auch ihre Momente – der singende Sky Marshall Anoke tanzt noch heute mit seinem Zahnpastalächeln durch meine Träume. Dennoch: Im Großen und Ganzen ist „Starship Troopers 3 – Marauder“ eben ein dritter Teil eines seinerzeit großartigen Science-Fiction-Films. Gut für einen Samstagabend mit reichlich Bier. Aber es beschwere sich bitte später niemand bei mir über Logiklöcher, Muppet-Bugs und Schauspieler, die nur zwei Gesichtsausdrücke beherrschen (ist mir seltsamerweise bei „Star Trek: Enterprise“ nie aufgefallen, dass das für vier Staffeln T’Pol reichte - aber gut, Vulkanier eben …)

Starship Troopers 3 – Marauder
USA/ZA/DE 2008
Regie: Edward Neumeier
Darsteller: Casper Van Dien (Colonel Johnny Rico), Jolene Blalock (Captain Lola Beck), Stephen Hogan (Sky Marshal Omar Anoke), Boris Kodjoe (General Dix Hauser), Amanda Donohoe (Admiral Enolo Phid), Marnette Patterson (Holly Little)

Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 16.10.2008

Länge: 105 min.
Bildformat: 1,85:1 (1080p HD)
Tonformat: Englisch (DTS-HD 7.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch

Bonusmaterial: Audiokommentar Filmemacher, Audiokommentar Regisseur & Besetzung, Marauder-Modus (Interviews, Aufnahmen vom Set, Hintergrundfakten zum Film), Werden Sie zum Trooper im Film – Kämpfen Sie mit! (BD-Live), Dokumentationen: Evolution: The Bugs of Starship Troopers 3: Marauder, Enlist: Marauder’s Mobile Infantry, Musikvideo: „It’s a Good Day to Die“, Trailer

Preis: EUR 28,99

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