Es war im Grunde ein kleines Action-Movie um einen Killer-Roboter in der Menschengestalt Arnold Schwarzeneggers, der aus der Zukunft gekommen war, um eine Frau namens Sarah Connor umzubringen, weil ihr ungeborener Sohn später zum Anführer der Menschheit im Krieg gegen die Maschinen werden sollte. So begann die Erfolgsgeschichte von James Camerons „Terminator“, die mittlerweile zwei weitere Kinofilme, Computerspiele, Comics und vielerlei mehr hervorgebracht hat. Und während im Kino mit „Terminator: Die Erlösung“ der nächste Blockbuster ins Haus steht, ist jetzt eine TV-Serie auf Blu-ray erschienen, die vom Überlebenskampf Sarah Connors und ihres Sohns John erzählt: „Terminator S.C.C.“.
von Frank Stein
Die Handlung beginnt unmittelbar dort, wo James Camerons Erfolgs-Sequel „Terminator 2: Tag der Abrechnung“ geendet hatte: auf einer Straße, die in eine ungewisse – und damit gute – Zukunft führt. Doch wie es in derlei Franchises üblich ist, waren der Sieg über den T-1000 und die Vernichtung des SkyNet entwickelnden Computerkonzerns CyberDyne Systems – beides Maßnahmen, um den zukünftigen Aufstand der Maschinen zu verhindern – natürlich letztlich furchtlos. Die Zukunft weiß sich selbst zu schützen. Und so währt das beschauliche Leben von Sarah Connor und ihrem Sohn John, die als gesuchte Verbrecher ein Dasein unter dem Radar führen, nicht lange. Denn ein neuer Terminator (nicht Arnold Schwarzenegger ;-) ) taucht auf der Bildfläche auf, mit dem Ziel, John Connor umzubringen. Glücklicherweise wird der Junge in letzter Sekunde von einem weiblichen Cyborg namens Cameron (eine Hommage an James C.) gerettet, der von seinem zukünftigen Ich umprogrammiert und zum Schutz in die Vergangenheit geschickt worden war – man kennt das ja (und beginnt sich zu fragen, wie viele „Bauern“ beide Kriegsparteien eigentlich insgesamt durch die Zeit geschickt haben, um jeweils den letzten Schachzug der Gegenseite zu kontern).
Nach diesem furiosen Action-Einstieg folgt ein buchstäblicher Zeitsprung ins Jahr 2007 (natürlich vor allem aus Budgetgründen, um im Hier und Heute drehen zu können). Doch auch diese Flucht durch die Zeit reicht nicht aus, um dem Trio Sarah, John und Cameron Ruhe vor seinen Verfolgern – einerseits sind nach wie vor die Maschinen hinter ihnen her, andererseits ein allzu neugieriger FBI-Agent – zu gewähren. Und so beschließen sie wohl oder übel, einmal mehr selbst in die Offensive zu gehen und die Entwicklung der SkyNet-KI, die einmal mehr droht, zu verhindern, während sie sich gleichzeitig dem Zugriff ihrer Feinde zu entziehen versuchen. Hilfe erhalten sie dabei von dem aus der Zukunft angereisten Derek Reese, dem Bruder von Sarahs Liebhaber und Johns Vater Kyle, der als letzter Überlebender eines Team aus Spezialisten übrig geblieben ist, die sich in Johns Namen eigentlich um SkyNet kümmern sollten (dummerweise trafen sie vorher auf einen der „neuen“ Triple-Eights, wie die T-888 genannt werden).
„Terminator: S.C.C.“ wurde von vielen Fans im Vorfeld sehr kritisch beäugt. Kann ein derartiges Effekte-Blockbuster-Franchise erfolgreich auf den kleinen Bildschirm übertragen werden? Und: Langweilt die stetige Wiederholung der versuchten Zerstörung SkyNets und der Kampf gegen Cyborgs nicht irgendwann? Diese Fragen können mit „Ja“ respektive „Nein“ beantwortet werden. Denn es gelingt den Machern erstaunlich gut, sich von den Explosionen auf der großen Leinwand zu emanzipieren und stattdessen die Figuren in den Vordergrund zu stellen. Lena Headey („300“) überzeugt als Frau, die zwischen dem Bemühen, einem Teenager ein normales Leben bieten zu können und eine gute Mutter zu sein, sowie dem unbeugsamen Willen, eine furchtbare Zukunft um jeden Preis aufzuhalten, ihren eigenen Weg zu finden versucht. Thomas Dekker („Heroes“) gewinnt die Sympathien der Zuschauer als ein Junge, der sein ganzes Leben auf der Flucht war und eigentlich absolut keine Lust mehr darauf hat, dass sein verdammtes Schicksal bereits vor seiner Geburt geschrieben wurde.
Den stärksten Eindruck aber hinterlässt überraschend Summer Glau, die in der Joss-Whedon-Serie „Firefly“ als debile River Tam noch eher eine Nebenrolle spielte, hier aber als Terminatrix zum Rückgrat der Serie wird. Man darf es als einen Casting-Coup sehen: Denn Glaus zu Ausdruckarmut neigendes Gesicht passt perfekt zu einer Maschine, die absolut gefühllos ihrer Programmierung folgt. Umso stärker wirken die kleinen Gesten – ein fragender Blick, ein winziges Lächeln –, diese Momente, in denen der weibliche Terminator Cameron versucht, zu verstehen, was es bedeutet, Mensch zu sein. Es erzeugt eine eigenartige Atmosphäre, wenn sich eine Killermaschine jenseits allen „Onkel-Bob“-Humors des zweiten „Terminator“-Films in die Tradition eines Data aus „Star Trek TNG“ stellt und für sich versucht, seine „Seele“ zu entdecken, gleichzeitig aber nach wie vor tötet, ohne nachzudenken. (Übrigens mag sich niemand wundern, warum Cameron in Episode 1 noch so menschlich wirkt, danach aber nicht mehr. Es war ein Experiment der Macher mit einem „Emotionschip“ für die nächste Generation der Terminatoren; ein Experiment, das nach Testvorführungen rasch wieder über Bord geworfen wurde.)
Die erste Staffel besteht aus schlanken neun Episoden auf drei Silberlingen, die lückenlos aneinander anschließen, sodass sich die Serie regelrecht dazu anbietet, im Heimkino in zeitnahen Blöcken genossen zu werden, anstatt im wöchentlichen Abstand im Fernsehen. Die Bildqualität der Blu-ray wirkt sehr gut und gibt sich keine Blöße, der Ton ist aus unerfindlichen Gründen auf Deutsch aber nur in Stereo abgemischt (in Englisch immerhin in 5.1 – wobei auch das für eine Blu-ray als veraltetes Tonformat gilt). Das Bonusmaterial sticht nicht durch seine Qualität hervor, ist aber ordentlich. Es gibt Audiokommentare zu drei Episoden sowie eine längere Version der Episode „Die Hand Gottes“ (wobei die eingefügten Teile unbearbeitet sind). Dazu kommt mit „Die Entstehung der Chroniken“ ein 3-teiliger Blick auf die Entstehungsgeschichte der Serie, in welchem die Macher ihren Ansatz einer „Terminator“-Serie darlegen, allerdings auch reichlich die Gelegenheit nutzen, sich und andere zu loben. Die Castingbänder von Lena Headey, Thomas Dekker und Richard T. Jones, nicht verwendete Szenen, ein kurzes Storyboard, die Tanzproben von Summer Glau und ein leider nicht wirklich lustiges Gag-Reel runden die „Specials“ der Blu-ray ab.
Fazit: Die Serie „Terminator S.C.C.“ bereichert das „Terminator“-Franchise eben dadurch, dass sie nicht versucht, die Action-Orgien der Filme schlecht (weil mit viel geringerem Budget) zu kopieren, sondern vielmehr den Fokus auf die Figuren legt. Wie weit darf man gehen, um den Untergang der Menschheit zu verhindern? Und inwieweit kann eine Maschine zum Menschen werden? Das sind die Fragen, welche die neun Folgen der ersten Serienstaffel unter anderem vorantreiben. Sehenswerte Schauspieler, clevere intermediale Querverweise und die eine oder andere augenzwinkernde Hommage vor allem an „Terminator 2“ machen „Terminator S.C.C.“ für Fans guter Science-Fiction-Unterhaltung zum (leider recht kurz währenden) Vergnügen. Die Blu-ray besticht durch ihr sehr gutes Bild, enttäuscht aber durch seinen veralteten Stereo-Ton (!). Das Bonusmaterial liegt im guten Mittelfeld vergleichbarer Silberlinge.
Terminator S.C.C.: The Sarah Connor Chronicles – Staffel 1
USA 2008
Regie: David Nutter, Paul A. Edwards u. a.
Darsteller: Lena Headey (Sarah Connor), Thomas Dekker (John Connor), Summer Glau (Cameron Phillips), Richard T. Jones (Agent James Ellison), Brian Austin Green (Derek Reese), Garret Dillahunt (Cromartie)
Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 27.03.2009
Länge: 392 min.
Bildformat: 1,78:1 (1080p HD)
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1), Französisch (Dolby Digital 5.1), Spanisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch
Bonusmaterial: Audiokommentar zu 3 Episoden von Produzent Josh Friedman, den Schauspielern und der Crew, Die Entstehung der Chroniken: 3-teiliger Blick auf die Entstehungsgeschichte der Serie (in HD), Die 52-minütige ungeschnittene Version sowie nicht verwendete Szenen aus Episode 7 „Die Hand Gottes“, Castingbänder von Lena Headey, Thomas Dekker und Richard T. Jones, Nicht verwendete Szenen, Das Storyboard zu einer ausgewählten Szene, Die Tanzproben von Summer Glau, Verpatzte Szenen
Preis: EUR 41,99
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Es gibt viele Blogs, die sich Fantasy-Themen widmen. Dieses Blog soll ganz der Science-Fiction in all ihren Spielarten gewidmet sein. Vor allem werde ich hier Buchrezensionen einstellen, aber auch gelegentlich solche von Filmen oder Brettspielen. Und mal sehen, was mir noch so einfällt.
Sonntag, 19. April 2009
Mittwoch, 15. April 2009
Star Trek TNG (Second Decade 1): Death in Winter
„Star Trek“ meldet sich aus seinem Dornröschenschlaf zurück. Für zumindest kurze Zeit werden die neuen, von Kultregisseur J. J. Abrams verfilmten Abenteuer von James T. Kirk und seiner Crew an Bord der Enterprise die Aufmerksamkeit der Welt auf sich ziehen. Kurioserweise haben selbige in der fernen Zukunft ihren Ausgangspunkt, in einer Föderation etwa zehn Jahre nach „Star Trek: Nemesis“. Doch was ist in diesen Jahren geschehen? Der (bislang nur auf Englisch erhältliche) TNG-Relaunch, auch als „Second Decade“, das „zweite Jahrzehnt“, bezeichnet, erzählt, was Picard und seine Getreuen nach dem Sieg über Shinzon erlebt haben.
von Frank Stein
Es sieht trostlos aus in Jean-Luc Picards Leben: Data ist tot, Will Riker und Deanna Troi haben die Enterprise-E verlassen und mit der U.S.S. Titan ihr eigenes Raumschiff übernommen, die Enterprise selbst liegt im Dock und muss nach dem Kampf gegen den wahnsinnigen Picard-Klon und romulanischen Praetor Shinzon generalüberholt werden – und dann ist da noch Beverly Crusher, Picards CMO (Chief Medical Officer) und jahrelange heimliche Liebe, die sich entschieden hat, die oberste Medizinerin von Starfleet zu werden und dafür das Schiff zu verlassen. Was bleibt einem da noch, möchte man fragen? (Worf und Geordi LaForge, um genau zu sein, und dafür ist man als TNG-Fan redlich dankbar.)
Doch es kommt noch schlimmer. Denn Picard erhält eine Nachricht, die ihm mitteilt, dass Beverly während eines Einsatzes im romulanischen Raum verschollen ist. Als Spezialistin auf diesem Gebiet sollte sie auf dem romulanischen Randplaneten Kevratas eine grassierende Seuche in den Griff bekommen und so vielleicht ganz nebenbei die Gunst der Einheimischen gewinnen. Unglücklicherweise hatte auch die amtierende Praetorin Tal'Aura, die sich in den unruhigen Zeiten nach Shinzons Tod vor die schwere Aufgabe gestellt sieht, ein Reich zusammenzuhalten, die rebellischen Randbereiche des Romulanischen Imperiums im Blick und so befand sich deren getreue rechte Hand, die eiskalte Sela, vor Ort (ein auch in der TV-Serie mehrfach in Erscheinung getretener, aus einem Paralleluniversum stammender Sproß der ehemaligen Enterprise-Sicherheitschefin Tasha Yar und einem Romulaner). Pech für Doktor Crusher.
Als alter Romulaner-Kenner ist Picard natürlich die zweite Wahl der Starfleet-Oberen, um die Kevratas-Krise in den Griff zu bekommen (und sollte er dabei zufällig die Chefin von Starfleet Medical retten können, umso besser). Und so bricht Jean-Luc undercover und in Begleitung eines romulanischen Überläufers namens Decalon sowie zweier alter Kollegen von der U.S.S. Stargazer – Pug Joseph and Doktor Carter Greyhorse – auf, um im feindlichen Gebiet nach einem dringend benötigten Impfstoff und einer guten alten Freundin zu suchen.
Der bereits im September 2005 als Hardcover-Band und 2007 als Taschenbuch erschienene TNG-Roman „Death in Winter“ von Michael Jan Friedman stellt eine Übergangsgeschichte zwischen den Ereignissen in „Star Trek: Nemesis“ und den neuen Abenteuern des Raumschiffs Enterprise dar. Kurze Zeit nach der Filmhandlung angesiedelt, widmet sich die Geschichte vor allem der Beziehung von Jean-Luc Picard und Beverly Crusher sowie den politischen Unruhen im Romulanischen Imperium, zu denen die aus „Nemesis“ bekannte Kommandantin Donatra als Gefolgsfrau des militaristischen Aufrührers Braeg kräftig beiträgt.
Entsprechend folgt die Geschichte zwei großen Handlungslinien. Zum einen werden Doktor Crushers Gefangennahme durch die Romulaner sowie ihre Flucht und Picards Rettungseinsatz beschrieben, zum anderen gewährt Friedman dem Leser und Fan immer wieder Einblicke in die Intrigen auf der Kernwelt Romulus, die nur unter viel Blut und Tränen zu einer neuen Regierung findet. Dieser Part ist im Grunde der spanndere und auch drastischere Teil des Romans. Die Ereignisse auf Kevratas nehmen sich dagegen recht provinziell aus und werden nur durch die Anwesenheit der TNG-Antagonistin Sela sowie die sich spürbar entwickelnde Romanze zwischen Picard und Crusher aufgewertet. Dennoch hat das Finale eher TV-Serien-Format anstatt wirklich große Bilder zu evozieren, wie es für einen TNG-Relaunch in Romanform (bei dem man im Grunde alles hätte machen können) angemessen gewesen wäre.
Fazit: „Death in Winter“ ist eine solide Übergangsgeschichte, die vor allem durch die Entwicklung der Beziehung zwischen Jean-Luc Picard und Beverly Crusher glänzt, sowie die spannenden politischen Geschehnisse auf Romulus. Die Kevratas-Mission dagegen kommt sehr konventionell daher, und der Nebenplot um Worf und Geordi, die unbedingt Picard helfen wollen, aber nicht dürfen, hat schon fast komödiantische Qualitäten. Fans der Friedman-Reihe „U.S.S. Stargazer“ um Picards früheres Kommando freuen sich sicher über die zahllosen Verweise dorthin sowie die Wiederkehr der Figuren Pug Joseph und Carter Greyhorse.
Star Trek TNG: Death in Winter (Second Decade 1)
Film/Serien-Roman
Michael Jan Friedman
Pocket Books 2007
ISBN: 978-0743497220
368 S., Taschenbuch, englisch
Preis: $ 7,99
bei amazon.de bestellen
von Frank Stein
Es sieht trostlos aus in Jean-Luc Picards Leben: Data ist tot, Will Riker und Deanna Troi haben die Enterprise-E verlassen und mit der U.S.S. Titan ihr eigenes Raumschiff übernommen, die Enterprise selbst liegt im Dock und muss nach dem Kampf gegen den wahnsinnigen Picard-Klon und romulanischen Praetor Shinzon generalüberholt werden – und dann ist da noch Beverly Crusher, Picards CMO (Chief Medical Officer) und jahrelange heimliche Liebe, die sich entschieden hat, die oberste Medizinerin von Starfleet zu werden und dafür das Schiff zu verlassen. Was bleibt einem da noch, möchte man fragen? (Worf und Geordi LaForge, um genau zu sein, und dafür ist man als TNG-Fan redlich dankbar.)
Doch es kommt noch schlimmer. Denn Picard erhält eine Nachricht, die ihm mitteilt, dass Beverly während eines Einsatzes im romulanischen Raum verschollen ist. Als Spezialistin auf diesem Gebiet sollte sie auf dem romulanischen Randplaneten Kevratas eine grassierende Seuche in den Griff bekommen und so vielleicht ganz nebenbei die Gunst der Einheimischen gewinnen. Unglücklicherweise hatte auch die amtierende Praetorin Tal'Aura, die sich in den unruhigen Zeiten nach Shinzons Tod vor die schwere Aufgabe gestellt sieht, ein Reich zusammenzuhalten, die rebellischen Randbereiche des Romulanischen Imperiums im Blick und so befand sich deren getreue rechte Hand, die eiskalte Sela, vor Ort (ein auch in der TV-Serie mehrfach in Erscheinung getretener, aus einem Paralleluniversum stammender Sproß der ehemaligen Enterprise-Sicherheitschefin Tasha Yar und einem Romulaner). Pech für Doktor Crusher.
Als alter Romulaner-Kenner ist Picard natürlich die zweite Wahl der Starfleet-Oberen, um die Kevratas-Krise in den Griff zu bekommen (und sollte er dabei zufällig die Chefin von Starfleet Medical retten können, umso besser). Und so bricht Jean-Luc undercover und in Begleitung eines romulanischen Überläufers namens Decalon sowie zweier alter Kollegen von der U.S.S. Stargazer – Pug Joseph and Doktor Carter Greyhorse – auf, um im feindlichen Gebiet nach einem dringend benötigten Impfstoff und einer guten alten Freundin zu suchen.
Der bereits im September 2005 als Hardcover-Band und 2007 als Taschenbuch erschienene TNG-Roman „Death in Winter“ von Michael Jan Friedman stellt eine Übergangsgeschichte zwischen den Ereignissen in „Star Trek: Nemesis“ und den neuen Abenteuern des Raumschiffs Enterprise dar. Kurze Zeit nach der Filmhandlung angesiedelt, widmet sich die Geschichte vor allem der Beziehung von Jean-Luc Picard und Beverly Crusher sowie den politischen Unruhen im Romulanischen Imperium, zu denen die aus „Nemesis“ bekannte Kommandantin Donatra als Gefolgsfrau des militaristischen Aufrührers Braeg kräftig beiträgt.
Entsprechend folgt die Geschichte zwei großen Handlungslinien. Zum einen werden Doktor Crushers Gefangennahme durch die Romulaner sowie ihre Flucht und Picards Rettungseinsatz beschrieben, zum anderen gewährt Friedman dem Leser und Fan immer wieder Einblicke in die Intrigen auf der Kernwelt Romulus, die nur unter viel Blut und Tränen zu einer neuen Regierung findet. Dieser Part ist im Grunde der spanndere und auch drastischere Teil des Romans. Die Ereignisse auf Kevratas nehmen sich dagegen recht provinziell aus und werden nur durch die Anwesenheit der TNG-Antagonistin Sela sowie die sich spürbar entwickelnde Romanze zwischen Picard und Crusher aufgewertet. Dennoch hat das Finale eher TV-Serien-Format anstatt wirklich große Bilder zu evozieren, wie es für einen TNG-Relaunch in Romanform (bei dem man im Grunde alles hätte machen können) angemessen gewesen wäre.
Fazit: „Death in Winter“ ist eine solide Übergangsgeschichte, die vor allem durch die Entwicklung der Beziehung zwischen Jean-Luc Picard und Beverly Crusher glänzt, sowie die spannenden politischen Geschehnisse auf Romulus. Die Kevratas-Mission dagegen kommt sehr konventionell daher, und der Nebenplot um Worf und Geordi, die unbedingt Picard helfen wollen, aber nicht dürfen, hat schon fast komödiantische Qualitäten. Fans der Friedman-Reihe „U.S.S. Stargazer“ um Picards früheres Kommando freuen sich sicher über die zahllosen Verweise dorthin sowie die Wiederkehr der Figuren Pug Joseph und Carter Greyhorse.
Star Trek TNG: Death in Winter (Second Decade 1)
Film/Serien-Roman
Michael Jan Friedman
Pocket Books 2007
ISBN: 978-0743497220
368 S., Taschenbuch, englisch
Preis: $ 7,99
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Montag, 9. Februar 2009
Star Wars – The Clone Wars (Blu-ray)
Die neue Animationsserie „The Clone Wars“ (nicht zu verwechseln mit der Zeichentrickserie „Clone Wars“ aus den Jahren 2003-2005) beherrscht im Augenblick das „Star Wars“-Universum. In eigenwilliger Optik, aber mit spektakulären Effekten bringt die sie Fans rund um den Globus Woche für Woche neue Geschichten aus der Zeit der Klonkriege. Quasi als 98-minütiger Teaser kam der Film „The Clone Wars“ im Sommer in die Kinos. Jetzt ist die Blu-ray erschienen und bringt die dramatische Zeit zwischen „Angriff der Klonkrieger“ und „Die Rache der Sith“ auch auf die heimischen Bildschirme.
von Frank Stein
Es war einmal, vor langer Zeit…
Der Film beginnt mit einem sehr gewöhnungsbedürftigen Intro. Zu den poppigen Klängen der bekannten John-Williams-Fanfare jagt das „Star Wars – Clone Wars“-Logo durchs Bild. Dann setzt nicht der obligatorische Rolltext ein; stattdessen hebt ein Erzähler an, zu einer schnellen Bildmontage in reißerischem Tonfall die aktuelle Situation in der Galaxis zu beschreiben. Das kann man entweder als cleveres Zitat an alte Wochenschauen aus dem Zweiten Weltkrieg verstehen – oder als Konzession an eine Zielgruppe, die des flüssigen Lesens noch nicht mächtig ist.
Es folgt eine mehr oder minder beliebige Episode aus den Klonkriegen, jenem galaxisweiten Konflikt zwischen der Alten Republik und den Jedi-Rittern auf der einen Seite und den Separatisten mit ihren Droiden-Armeen auf der anderen. Nach der Schlacht um Christophsis wird der junge Jedi-Ritter Anakin Skywalker gemeinsam mit seinem neuen Padawan, der neunmalklugen Ahsoka, von Yoda losgeschickt, Jabbas Sohn aus den Händen von Entführern zu retten, denn die Republik braucht die Allianz mit den Hutts, um ihre Streitkräfte im Äußeren Rand ungehindert bewegen zu können. Natürlich ist das Ganze eine Falle der Separatisten, die einen Keil zwischen Jedi und Hutts treiben wollen, doch mit viel Kampfgeschick und dem ein oder anderen Trick gelingt es Anakin und Ahsoka, die Aufgabe zu bewältigen.
Die Handlung besteht im Wesentlichen aus der Schlacht um Christophsis, der Befreiungsaktion auf dem Planeten Teth und dem Finale auf Tatooine. Damit reiht sich „The Clone Wars“ durchaus in die dreiteilige Erzählstruktur aller früheren „Star Wars“-Filme ein. Allerdings unterläuft den Machern in diesem Fall ein dramaturgischer Fehler: Denn während die Schlacht um Christophsis brachial zu nennen ist und die Befreiungsaktion auf Teth kaum weniger furios daherkommt, lassen Tempo und Spannung ausgerechnet im letzten Drittel spürbar nach, und der Schluss ist fast ernüchternd unspektakulär.
Zugute halten muss man der Produktion, dass das Maß an kindischen Witzen für eine „Kinderserie“ angenehm zurückgenommen ist. Ein paar täppische Droiden, ein rülpsendes Hutt-Baby und ein geckenhaft aufgemachter Onkel von Jabba strapazieren die Nerven kritischer Fans deutlich weniger als etwa ein Jar Jar Binks (der erst in der TV-Serie selbst auftreten wird). Stattdessen überwiegt ein ernster, ja militaristischer Tonfall. Der Fokus liegt auf den Klontruppen sowie auf düster dreinblickenden Lichtschwertschwingern, was sich für die Stimmung des Films als sehr vorteilhaft erweist. Selbst die kindliche Ahsoka, die dem jüngeren Publikum als Identifikationsfigur dienen dürfte, funktioniert als mal großäugige, mal schnippische Anspielpartnerin für den launischen Anakin Skywalker.
Aardman Animation meets LucasArts
Technisch wirkt „The Clone Wars“ irritierend unausgeglichen. Auf der einen Seite stehen großartig gerenderte Raumschiffe und Kampfmaschinen – allen voran die Venator-Klasse-Sternenzerstörer, die sich als gewaltige Kolosse durchs Sternenmeer schieben. Auch das Schlachtengetümmel auf Christophsis und Teth ist mit seinem Blitzgewitter aus Blasterschüssen, dem Wummern der AT-TE Truppentransporter und einer Kakophonie aus Explosionen mitreißend eingefangen. Je biologischer das Ambiente aber wird, desto mehr fallen die Grenzen des Lucas’schen Verfahrens auf.
Während die Hauptdarsteller nurmehr wie leicht hölzern agierende, digitalisierte Plastilinpuppen wirken (damit lässt sich leben, wenn man es als „Stil“ akzeptiert hat), haben gerade die Aliens in Jabbas Palast kaum noch den Charme von Computerspielfiguren – sie wirken blass, statisch und weit davon entfernt, dreckiger, stinkender Abschaum zu sein. Ähnliches gilt für die Bildhintergründe, die mitunter einfach nur aus unscharfen, wenig detailreichen Strukturen bestehen. Während das auf Christophsis mit den fernen Hochhäusern noch halbwegs funktioniert, versagt es erneut in Jabbas Palast, der einfach nur mattgrau aussieht. Eine Ausnahme bildet eine Vergnügungsstraße auf dem Stadtplaneten Coruscant, die mit viel Neonlicht und Extravaganz erfreulich frivol und verrucht daherkommt.
Gerettet werden die optischen Ausrutscher in jedem Moment von der umwerfenden Tonkulisse. Hier muss man den Machern Respekt zollen. Es kracht und donnert so hingebungsvoll während der präsentierten Schlachtsequenzen, dass man den Film am liebsten als Hörspiel genießen würde. Untermalt wird das Ganze von einem Score von Kevin Kiner, der trotz seiner stellenweise störend poppigen Anwandlungen immer wieder mit orchestralem Bombast seinen Teil zur Atmosphäre beiträgt. Die Sprecher scheinen überwiegend aus der Riege der Synchronsprecher der Realschauspieler zu stammen, womit wir in Deutschland einen Vorteil gegenüber dem US-Publikum genießen, das natürlich nicht Ewan McGregor und Natalie Portman zu hören bekommt – wenngleich es sich durchaus einige Schauspieler, darunter Sam Jackson als Mace Windu und Christopher Lee als Count Dooku, nicht nehmen ließen, ihren Charakteren erneut die Stimme zu leihen.
Der Klonkrieg im Heimkino
Man mag von „The Clone Wars“ halten, was man will; die Blu-ray jedenfalls ist ein Leckerbissen für Fans hochauflösender Heimkinounterhaltung. Das Bild ist von knackiger Schärfe und Farbigkeit, was man bei einer Computeranimation allerdings auch irgendwie erwarten würde. Der Ton wirkt allerdings etwas zu hell. Vor allem Explosionen und dem Antriebswummern der Raumschiffe fehlt es ein wenig an Druck. Ton-Fetischisten werden zudem mit Unmut bemerken, dass keine True-HD-Tonspur vorliegt, wie man es von aktuellen Blu-ray-Scheiben eigentlich erwartet, sondern nur Dolby Digital 5.1 EX.
Das Bonusmaterial, das übrigens fast komplett in HD vorliegt, gefällt durch Art und Umfang. So existiert ein durchgängiger Videokommentar, der parallel zur Filmhandlung Regisseur Dave Filoni, Produzent Catherine Winer, Autor Henry Gilroy und Cutter Jason W. A. Tucker zu Wort kommen lässt. Dazu werden immer wieder Skizzen und anderes Entwurfsmaterial eingeblendet. „The Clone Wars: Unerzählte Geschichten“ gibt einen Ausblick auf die kommende erste Staffel der TV-Serie. Figuren, Welten, Geschichten und übergeordnete Themen werden hier dem Zuschauer näher gebracht und sollen so Lust auf das Kommende machen.
Das Feature „Die Stimmen von Clone Wars“ widmet sich den Synchronsprechern und verleiht somit den (englischen) Stimmen der animierten Charaktere ein sympathisches Gesicht. Eine weitere Dokumentation stellt „Die neue Filmmusik“ vor. Dabei steht Kevin Kiners Herangehensweise an die musikalische Untermalung der Serie im Fokus. Er erzählt ebenso von seinem Versuch, Elemente aus John Williams’ bekannten Kompositionen aufzunehmen, aber gleichzeitig auch etwas ganz eigenes zu schaffen, wie auch von dem Konzept, jeder Welt ihren eigenen, ungewöhnlichen Klang zu verleihen. Abgeschlossen wird der Behind-the-Scenes-Teil durch eine Fotogalerie sowie sechs Making-of-Featurettes, die zuvor im Internet zu sehen waren.
Fünf nicht verwendete Szenen, verschiedene Trailer zum Film und ein Hologramm-Memory-Spiel, das bei erfolgreicher Bewältigung drei TV-Serien-Sneak-Peaks freischaltet (die allerdings aus den frühen Serien-Episoden stammen und mittlerweile schon nicht mehr so geheim sind), runden das Bonusmaterial ab.
Fazit: Keine Frage: „The Clone Wars“ ist die beste „Star Wars“-TV-Produktion, die jemals der Ideenschmiede von George Lucas entsprungen ist. Alles, was zuvor war, wird sowohl technisch als auch inhaltlich sichtbar deklassiert. Die überlange Kino-Episode hingegen hinterlässt einen gemischten Eindruck. Die Qualität der Animationen schwankt leider, die Musik lässt stellenweise John Williams vermissen und der wahrhaft schwungvolle Einstieg in die Geschichte wird durch eine eher kurios anmutende Handlung und ein schwaches Ende relativiert. Die Blu-ray dagegen ist von nahezu makelloser Qualität: Das Bonusmaterial ist umfangreich und das Bild gestochen scharf. Nur Ton-Fetischisten werden das Fehlen einer True-HD-Tonspur monieren.
Star Wars – The Clone Wars
USA 2008
Regie: Dave Filoni
Sprecher: Matt Lanter (Anakin Skywalker), Ashley Eckstein (Ahsoka Tano), James Arnold Taylor (Obi-Wan Kenobi), Samuel L. Jackson (Mace Windu), Christopher Lee ( Count Dooku), Anthony Daniels (C-3PO)
Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 11.12.2008
Länge: 98 min.
Bildformat: 2,4:1 (1080p HD)
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 5.1 EX), Englisch (Dolby Digital 5.1 EX), Spanisch (Dolby Digital 5.1 EX), Dänisch (Dolby Digital 5.1 EX), Niederländisch (Dolby Digital 5.1 EX), Französisch (Dolby Digital 5.1 EX), Norwegisch (Dolby Digital 5.1 EX), Schwedisch (Dolby Digital 5.1 EX)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Dänisch, Finnisch, Holländisch, Koreanisch, Chinesisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch
Bonusmaterial: Videokommentar, Unerzählte Geschichten: Vorschau, Geschichten, Fahrzeuge, Planeten und Kriege aus Staffel 1 der TV-Serie, Die Stimmen von „The Clone Wars“, Eine neue Filmmusik, Fotogalerie, Webisodes: 6 Making-of Featurettes, Nicht verwendete Szenen, Das Hologramm-Gedächtnis-Spiel, Trailer
Preis: EUR 29,95
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von Frank Stein
Es war einmal, vor langer Zeit…
Der Film beginnt mit einem sehr gewöhnungsbedürftigen Intro. Zu den poppigen Klängen der bekannten John-Williams-Fanfare jagt das „Star Wars – Clone Wars“-Logo durchs Bild. Dann setzt nicht der obligatorische Rolltext ein; stattdessen hebt ein Erzähler an, zu einer schnellen Bildmontage in reißerischem Tonfall die aktuelle Situation in der Galaxis zu beschreiben. Das kann man entweder als cleveres Zitat an alte Wochenschauen aus dem Zweiten Weltkrieg verstehen – oder als Konzession an eine Zielgruppe, die des flüssigen Lesens noch nicht mächtig ist.
Es folgt eine mehr oder minder beliebige Episode aus den Klonkriegen, jenem galaxisweiten Konflikt zwischen der Alten Republik und den Jedi-Rittern auf der einen Seite und den Separatisten mit ihren Droiden-Armeen auf der anderen. Nach der Schlacht um Christophsis wird der junge Jedi-Ritter Anakin Skywalker gemeinsam mit seinem neuen Padawan, der neunmalklugen Ahsoka, von Yoda losgeschickt, Jabbas Sohn aus den Händen von Entführern zu retten, denn die Republik braucht die Allianz mit den Hutts, um ihre Streitkräfte im Äußeren Rand ungehindert bewegen zu können. Natürlich ist das Ganze eine Falle der Separatisten, die einen Keil zwischen Jedi und Hutts treiben wollen, doch mit viel Kampfgeschick und dem ein oder anderen Trick gelingt es Anakin und Ahsoka, die Aufgabe zu bewältigen.
Die Handlung besteht im Wesentlichen aus der Schlacht um Christophsis, der Befreiungsaktion auf dem Planeten Teth und dem Finale auf Tatooine. Damit reiht sich „The Clone Wars“ durchaus in die dreiteilige Erzählstruktur aller früheren „Star Wars“-Filme ein. Allerdings unterläuft den Machern in diesem Fall ein dramaturgischer Fehler: Denn während die Schlacht um Christophsis brachial zu nennen ist und die Befreiungsaktion auf Teth kaum weniger furios daherkommt, lassen Tempo und Spannung ausgerechnet im letzten Drittel spürbar nach, und der Schluss ist fast ernüchternd unspektakulär.
Zugute halten muss man der Produktion, dass das Maß an kindischen Witzen für eine „Kinderserie“ angenehm zurückgenommen ist. Ein paar täppische Droiden, ein rülpsendes Hutt-Baby und ein geckenhaft aufgemachter Onkel von Jabba strapazieren die Nerven kritischer Fans deutlich weniger als etwa ein Jar Jar Binks (der erst in der TV-Serie selbst auftreten wird). Stattdessen überwiegt ein ernster, ja militaristischer Tonfall. Der Fokus liegt auf den Klontruppen sowie auf düster dreinblickenden Lichtschwertschwingern, was sich für die Stimmung des Films als sehr vorteilhaft erweist. Selbst die kindliche Ahsoka, die dem jüngeren Publikum als Identifikationsfigur dienen dürfte, funktioniert als mal großäugige, mal schnippische Anspielpartnerin für den launischen Anakin Skywalker.
Aardman Animation meets LucasArts
Technisch wirkt „The Clone Wars“ irritierend unausgeglichen. Auf der einen Seite stehen großartig gerenderte Raumschiffe und Kampfmaschinen – allen voran die Venator-Klasse-Sternenzerstörer, die sich als gewaltige Kolosse durchs Sternenmeer schieben. Auch das Schlachtengetümmel auf Christophsis und Teth ist mit seinem Blitzgewitter aus Blasterschüssen, dem Wummern der AT-TE Truppentransporter und einer Kakophonie aus Explosionen mitreißend eingefangen. Je biologischer das Ambiente aber wird, desto mehr fallen die Grenzen des Lucas’schen Verfahrens auf.
Während die Hauptdarsteller nurmehr wie leicht hölzern agierende, digitalisierte Plastilinpuppen wirken (damit lässt sich leben, wenn man es als „Stil“ akzeptiert hat), haben gerade die Aliens in Jabbas Palast kaum noch den Charme von Computerspielfiguren – sie wirken blass, statisch und weit davon entfernt, dreckiger, stinkender Abschaum zu sein. Ähnliches gilt für die Bildhintergründe, die mitunter einfach nur aus unscharfen, wenig detailreichen Strukturen bestehen. Während das auf Christophsis mit den fernen Hochhäusern noch halbwegs funktioniert, versagt es erneut in Jabbas Palast, der einfach nur mattgrau aussieht. Eine Ausnahme bildet eine Vergnügungsstraße auf dem Stadtplaneten Coruscant, die mit viel Neonlicht und Extravaganz erfreulich frivol und verrucht daherkommt.
Gerettet werden die optischen Ausrutscher in jedem Moment von der umwerfenden Tonkulisse. Hier muss man den Machern Respekt zollen. Es kracht und donnert so hingebungsvoll während der präsentierten Schlachtsequenzen, dass man den Film am liebsten als Hörspiel genießen würde. Untermalt wird das Ganze von einem Score von Kevin Kiner, der trotz seiner stellenweise störend poppigen Anwandlungen immer wieder mit orchestralem Bombast seinen Teil zur Atmosphäre beiträgt. Die Sprecher scheinen überwiegend aus der Riege der Synchronsprecher der Realschauspieler zu stammen, womit wir in Deutschland einen Vorteil gegenüber dem US-Publikum genießen, das natürlich nicht Ewan McGregor und Natalie Portman zu hören bekommt – wenngleich es sich durchaus einige Schauspieler, darunter Sam Jackson als Mace Windu und Christopher Lee als Count Dooku, nicht nehmen ließen, ihren Charakteren erneut die Stimme zu leihen.
Der Klonkrieg im Heimkino
Man mag von „The Clone Wars“ halten, was man will; die Blu-ray jedenfalls ist ein Leckerbissen für Fans hochauflösender Heimkinounterhaltung. Das Bild ist von knackiger Schärfe und Farbigkeit, was man bei einer Computeranimation allerdings auch irgendwie erwarten würde. Der Ton wirkt allerdings etwas zu hell. Vor allem Explosionen und dem Antriebswummern der Raumschiffe fehlt es ein wenig an Druck. Ton-Fetischisten werden zudem mit Unmut bemerken, dass keine True-HD-Tonspur vorliegt, wie man es von aktuellen Blu-ray-Scheiben eigentlich erwartet, sondern nur Dolby Digital 5.1 EX.
Das Bonusmaterial, das übrigens fast komplett in HD vorliegt, gefällt durch Art und Umfang. So existiert ein durchgängiger Videokommentar, der parallel zur Filmhandlung Regisseur Dave Filoni, Produzent Catherine Winer, Autor Henry Gilroy und Cutter Jason W. A. Tucker zu Wort kommen lässt. Dazu werden immer wieder Skizzen und anderes Entwurfsmaterial eingeblendet. „The Clone Wars: Unerzählte Geschichten“ gibt einen Ausblick auf die kommende erste Staffel der TV-Serie. Figuren, Welten, Geschichten und übergeordnete Themen werden hier dem Zuschauer näher gebracht und sollen so Lust auf das Kommende machen.
Das Feature „Die Stimmen von Clone Wars“ widmet sich den Synchronsprechern und verleiht somit den (englischen) Stimmen der animierten Charaktere ein sympathisches Gesicht. Eine weitere Dokumentation stellt „Die neue Filmmusik“ vor. Dabei steht Kevin Kiners Herangehensweise an die musikalische Untermalung der Serie im Fokus. Er erzählt ebenso von seinem Versuch, Elemente aus John Williams’ bekannten Kompositionen aufzunehmen, aber gleichzeitig auch etwas ganz eigenes zu schaffen, wie auch von dem Konzept, jeder Welt ihren eigenen, ungewöhnlichen Klang zu verleihen. Abgeschlossen wird der Behind-the-Scenes-Teil durch eine Fotogalerie sowie sechs Making-of-Featurettes, die zuvor im Internet zu sehen waren.
Fünf nicht verwendete Szenen, verschiedene Trailer zum Film und ein Hologramm-Memory-Spiel, das bei erfolgreicher Bewältigung drei TV-Serien-Sneak-Peaks freischaltet (die allerdings aus den frühen Serien-Episoden stammen und mittlerweile schon nicht mehr so geheim sind), runden das Bonusmaterial ab.
Fazit: Keine Frage: „The Clone Wars“ ist die beste „Star Wars“-TV-Produktion, die jemals der Ideenschmiede von George Lucas entsprungen ist. Alles, was zuvor war, wird sowohl technisch als auch inhaltlich sichtbar deklassiert. Die überlange Kino-Episode hingegen hinterlässt einen gemischten Eindruck. Die Qualität der Animationen schwankt leider, die Musik lässt stellenweise John Williams vermissen und der wahrhaft schwungvolle Einstieg in die Geschichte wird durch eine eher kurios anmutende Handlung und ein schwaches Ende relativiert. Die Blu-ray dagegen ist von nahezu makelloser Qualität: Das Bonusmaterial ist umfangreich und das Bild gestochen scharf. Nur Ton-Fetischisten werden das Fehlen einer True-HD-Tonspur monieren.
Star Wars – The Clone Wars
USA 2008
Regie: Dave Filoni
Sprecher: Matt Lanter (Anakin Skywalker), Ashley Eckstein (Ahsoka Tano), James Arnold Taylor (Obi-Wan Kenobi), Samuel L. Jackson (Mace Windu), Christopher Lee ( Count Dooku), Anthony Daniels (C-3PO)
Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 11.12.2008
Länge: 98 min.
Bildformat: 2,4:1 (1080p HD)
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 5.1 EX), Englisch (Dolby Digital 5.1 EX), Spanisch (Dolby Digital 5.1 EX), Dänisch (Dolby Digital 5.1 EX), Niederländisch (Dolby Digital 5.1 EX), Französisch (Dolby Digital 5.1 EX), Norwegisch (Dolby Digital 5.1 EX), Schwedisch (Dolby Digital 5.1 EX)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Dänisch, Finnisch, Holländisch, Koreanisch, Chinesisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch
Bonusmaterial: Videokommentar, Unerzählte Geschichten: Vorschau, Geschichten, Fahrzeuge, Planeten und Kriege aus Staffel 1 der TV-Serie, Die Stimmen von „The Clone Wars“, Eine neue Filmmusik, Fotogalerie, Webisodes: 6 Making-of Featurettes, Nicht verwendete Szenen, Das Hologramm-Gedächtnis-Spiel, Trailer
Preis: EUR 29,95
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Mittwoch, 3. Dezember 2008
Der Omega-Mann (Blu-ray)
Welcher Science-Fiction-Fan hat nicht noch den Postapokalypse-Blockbuster „I am Legend“ vor Augen, der Will Smith als scheinbar letzten Menschen auf Erden im gleichsam verzweifelten Kampf gegen Mutanten und auf der Suche nach einem Serum gegen die von Menschen heraufbeschworene, weltweite Seuche zeigte? Eine frühere Version dieser auf einem Roman von Richard Matheson basierenden Geschichte stammt aus dem Jahr 1971. Hier war der abgebrühte Charlton Heston „Der Omega-Mann“ – jetzt geht er auf Blu-ray Disc auf die Jagd nach bleichen Kultisten.
von Frank Stein
Die Handlung
Ein Mann fährt mit seinem offenen Wagen durch eine menschenleere Stadt. Er fährt über verschmutzte Straßen, an halbverfallenen Häusern vorbei und an Parks, in denen die Natur ihr Territorium zurückerobert. Plötzlich nimmt er aus den Augenwinkeln einen Schatten in einem der Gebäude wahr. Er bremst, springt auf und feuert mit seiner Maschinenpistole eine Salve in die Häuserfront.
So beginnt „Der Omega-Mann“, ein postapokalyptischer Science-Fiction-Film nach einem Roman von Richard Matheson. Die moderne Waffentechnologie der Menschheit, im Grenzstreit zwischen China und Russland entfesselt, hat ein tödliches Virus über die Erde gebracht, und Robert Neville, von Charlton Heston als harter Mann mit Macho-Allüren, aber gutem Herz verkörpert, ist einer der wenigen, die überlebt haben.
Leider Gottes sind die anderen, die der Katastrophe entronnen sind, größtenteils mutiert und wandeln als „Familie“, als Kult bleicher Zombiegestalten, die zu einer mittelalterlichen Gesellschaftsform zurück wollen und jede Technologie hassen und zerstören, durch Los Angeles. Glücklicherweise hat die Krankheit sie allergisch gegen Licht werden lassen, doch umso mehr setzen sie Neville, den sie als Relikt der Vergangenheit ansehen, in den Nächten zu.
Nevilles karges Leben, das im Wesentlichen aus Essen, Schlafen und dem Jagen der Zombies besteht, nimmt eine überraschende Wende, als er auf die junge Schwarze Lisa trifft, die mit einer Gruppe von Kindern außerhalb der Stadt überlebt hat. Denn auf einmal ist es für Neville nicht mehr das Wichtigste, den Tod zu bringen, sondern das Leben zu erhalten.
Der Film
Für manche ist es Trash, für andere ist es Kult. Fakt ist, dass Regisseur Boris Sagal hier eine Mahnung vor den Folgen unkontrollierter Kriegstreiberei gewissermaßen in der Verpackung eines Pulp-Heftromans bietet. Der eifernde Kriegszug der „Familie“ gegen den schießfreudigen und etwas eitlen Wissenschaftler Neville wirkt durch das klischeehafte Äußere der Zombies, die mit bleichen Gesichtern, Sonnenbrillen und stilechten schwarzen Kutten durch den Film steifen, auf heutige Zuschauer ungewollt komisch. Auch Nevilles Schicksal als Heilsbringer und Opferlamm einer zukünftigen Menschheit wird stellenweise etwas zu deutlich in Szene gesetzt – gleich zwei Mal steht er in schönster Jesus-Pose an einer kreuzähnlichen Struktur.
Der Film ist einerseits ein Kind seiner Zeit, nicht nur in der Ausstattung, sondern auch in der bedrückenden, ökologische oder gesellschaftliche Katastrophen beschreibenden Grundstimmung, die in vielen Science-Fiction-Filmen der 1970er zu finden war und diese Filme auch heute noch diskussionswürdiger als jedes CGI-Spektakel sein lassen. Durch Charlton Heston wirkt er aber gleichzeitig irgendwie konservativ – und das, obwohl Heston in den 1960ern durchaus liberal gesinnt war. Hestons Liebe für den alten Kinofilm „Woodstock“ nimmt man ihm weniger ab, als seine Begeisterung für Waffen. Und dass die junge, sexy Lisa den reifen Herrn dem sportlichen Jungspund vorzieht, der zu ihrer Gruppe von Überlebenden gehört, erscheint auch ein wenig wie die Wunschvorstellung eines alternden Hollywoodstars.
Die Blu-ray
Der Silberling bietet ordentliches Bildmaterial, das vor allem in den Stadtansichten überzeugen kann – bis hin zu dem Punkt, an dem man am Horizont ein Auto über eine Brücke fahren sieht, obwohl Los Angeles eigentlich menschenleer sein soll! Nichtsdestotrotz sieht man dem Film natürlich sein Alter an – sowohl vom Bild her, das keinesfalls so lupenrein sein kann, wie die Digitalqualität moderner Produktionen, als auch vom Ton, der nur in Dolby Digital 1.0 (Mono) vorliegt. Dennoch kann man sich über das Technische kaum beschweren.
Das Bonusmaterial hält sich allerdings in Grenzen. Es gibt eine kurze Einleitung der Co-Stars Eric Laneuville und Paul Koslo sowie der Drehbuchautorin Joyce H. Corrington, die indes über ein paar nette Worte nicht hinausgeht. Interessanter gestaltet sich die zeitgenössische Dokumentation „Der letzte Überlebende – Der Omega Mann“, der den Zuschauer über das Film-Set führt und Charlton Heston im Gespräch mit einem Soziologen zeigt, der mit dem Schauspieler fast belustigend ernsthaft über die Psyche des Protagonisten Robert Neville diskutiert. Ein Kinotrailer rundet das eher schmale Angebot, das auch schon auf der DVD von 2003 zu finden war, ab.
Fazit: Zweifellos gehört „Der Omega-Mann“ zu den wichtigen Science-Fiction-Filmen der 1970er Jahre. Auch wenn das plakative Auftreten der Bösewichte aus heutiger Sicht mitunter schmunzeln lässt, geht die insgesamt bedrückende und auch eindringliche Stimmung keineswegs unter. Ein Film für Genre-Liebhaber, die nicht immer nur das Neuste in ihren DVD-Spieler einlegen müssen. Apropos DVD: Der Kauf der Blu-ray lohnt nur bedingt. Außer einem leicht verbesserten Bild existiert kein Unterschied zu der seit 2003 existierenden DVD – ein Preisunterschied von mehr als 20 Euro scheint hier nicht gerechtfertigt.
Der Omega-Mann
USA 1971
Regie: Boris Sagal
Darsteller: Charlton Heston (Robert Neville), Rosalind Cash (Rosa), Anthony Zerbe (Matthias), Paul Koslo (Dutch), Eric Laneuville (Richie)
Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 20.11.2008
Länge: 98 min.
Bildformat: 2,40:1 (1080p HD)
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 1.0), Englisch (Dolby Digital 1.0), Spanisch (Dolby Digital 1.0), Französisch (Dolby Digital 1.0), Italienisch (Dolby Digital 1.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Portugisisch, Spanisch, Dänisch, Holländisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Koreanisch, Norwegisch, Schwedisch
Bonusmaterial: Einleitung von Eric Laneuville, Paul Koslo und Joyce H. Corrington, Vintage-Dokumentation „Der letzte Überlebende – Der Omega-Mann“, Trailer
Preis: EUR 29,99
bei amazon.de bestellen
von Frank Stein
Die Handlung
Ein Mann fährt mit seinem offenen Wagen durch eine menschenleere Stadt. Er fährt über verschmutzte Straßen, an halbverfallenen Häusern vorbei und an Parks, in denen die Natur ihr Territorium zurückerobert. Plötzlich nimmt er aus den Augenwinkeln einen Schatten in einem der Gebäude wahr. Er bremst, springt auf und feuert mit seiner Maschinenpistole eine Salve in die Häuserfront.
So beginnt „Der Omega-Mann“, ein postapokalyptischer Science-Fiction-Film nach einem Roman von Richard Matheson. Die moderne Waffentechnologie der Menschheit, im Grenzstreit zwischen China und Russland entfesselt, hat ein tödliches Virus über die Erde gebracht, und Robert Neville, von Charlton Heston als harter Mann mit Macho-Allüren, aber gutem Herz verkörpert, ist einer der wenigen, die überlebt haben.
Leider Gottes sind die anderen, die der Katastrophe entronnen sind, größtenteils mutiert und wandeln als „Familie“, als Kult bleicher Zombiegestalten, die zu einer mittelalterlichen Gesellschaftsform zurück wollen und jede Technologie hassen und zerstören, durch Los Angeles. Glücklicherweise hat die Krankheit sie allergisch gegen Licht werden lassen, doch umso mehr setzen sie Neville, den sie als Relikt der Vergangenheit ansehen, in den Nächten zu.
Nevilles karges Leben, das im Wesentlichen aus Essen, Schlafen und dem Jagen der Zombies besteht, nimmt eine überraschende Wende, als er auf die junge Schwarze Lisa trifft, die mit einer Gruppe von Kindern außerhalb der Stadt überlebt hat. Denn auf einmal ist es für Neville nicht mehr das Wichtigste, den Tod zu bringen, sondern das Leben zu erhalten.
Der Film
Für manche ist es Trash, für andere ist es Kult. Fakt ist, dass Regisseur Boris Sagal hier eine Mahnung vor den Folgen unkontrollierter Kriegstreiberei gewissermaßen in der Verpackung eines Pulp-Heftromans bietet. Der eifernde Kriegszug der „Familie“ gegen den schießfreudigen und etwas eitlen Wissenschaftler Neville wirkt durch das klischeehafte Äußere der Zombies, die mit bleichen Gesichtern, Sonnenbrillen und stilechten schwarzen Kutten durch den Film steifen, auf heutige Zuschauer ungewollt komisch. Auch Nevilles Schicksal als Heilsbringer und Opferlamm einer zukünftigen Menschheit wird stellenweise etwas zu deutlich in Szene gesetzt – gleich zwei Mal steht er in schönster Jesus-Pose an einer kreuzähnlichen Struktur.
Der Film ist einerseits ein Kind seiner Zeit, nicht nur in der Ausstattung, sondern auch in der bedrückenden, ökologische oder gesellschaftliche Katastrophen beschreibenden Grundstimmung, die in vielen Science-Fiction-Filmen der 1970er zu finden war und diese Filme auch heute noch diskussionswürdiger als jedes CGI-Spektakel sein lassen. Durch Charlton Heston wirkt er aber gleichzeitig irgendwie konservativ – und das, obwohl Heston in den 1960ern durchaus liberal gesinnt war. Hestons Liebe für den alten Kinofilm „Woodstock“ nimmt man ihm weniger ab, als seine Begeisterung für Waffen. Und dass die junge, sexy Lisa den reifen Herrn dem sportlichen Jungspund vorzieht, der zu ihrer Gruppe von Überlebenden gehört, erscheint auch ein wenig wie die Wunschvorstellung eines alternden Hollywoodstars.
Die Blu-ray
Der Silberling bietet ordentliches Bildmaterial, das vor allem in den Stadtansichten überzeugen kann – bis hin zu dem Punkt, an dem man am Horizont ein Auto über eine Brücke fahren sieht, obwohl Los Angeles eigentlich menschenleer sein soll! Nichtsdestotrotz sieht man dem Film natürlich sein Alter an – sowohl vom Bild her, das keinesfalls so lupenrein sein kann, wie die Digitalqualität moderner Produktionen, als auch vom Ton, der nur in Dolby Digital 1.0 (Mono) vorliegt. Dennoch kann man sich über das Technische kaum beschweren.
Das Bonusmaterial hält sich allerdings in Grenzen. Es gibt eine kurze Einleitung der Co-Stars Eric Laneuville und Paul Koslo sowie der Drehbuchautorin Joyce H. Corrington, die indes über ein paar nette Worte nicht hinausgeht. Interessanter gestaltet sich die zeitgenössische Dokumentation „Der letzte Überlebende – Der Omega Mann“, der den Zuschauer über das Film-Set führt und Charlton Heston im Gespräch mit einem Soziologen zeigt, der mit dem Schauspieler fast belustigend ernsthaft über die Psyche des Protagonisten Robert Neville diskutiert. Ein Kinotrailer rundet das eher schmale Angebot, das auch schon auf der DVD von 2003 zu finden war, ab.
Fazit: Zweifellos gehört „Der Omega-Mann“ zu den wichtigen Science-Fiction-Filmen der 1970er Jahre. Auch wenn das plakative Auftreten der Bösewichte aus heutiger Sicht mitunter schmunzeln lässt, geht die insgesamt bedrückende und auch eindringliche Stimmung keineswegs unter. Ein Film für Genre-Liebhaber, die nicht immer nur das Neuste in ihren DVD-Spieler einlegen müssen. Apropos DVD: Der Kauf der Blu-ray lohnt nur bedingt. Außer einem leicht verbesserten Bild existiert kein Unterschied zu der seit 2003 existierenden DVD – ein Preisunterschied von mehr als 20 Euro scheint hier nicht gerechtfertigt.
Der Omega-Mann
USA 1971
Regie: Boris Sagal
Darsteller: Charlton Heston (Robert Neville), Rosalind Cash (Rosa), Anthony Zerbe (Matthias), Paul Koslo (Dutch), Eric Laneuville (Richie)
Vertrieb: Warner Home Video
Erscheinungsdatum: 20.11.2008
Länge: 98 min.
Bildformat: 2,40:1 (1080p HD)
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 1.0), Englisch (Dolby Digital 1.0), Spanisch (Dolby Digital 1.0), Französisch (Dolby Digital 1.0), Italienisch (Dolby Digital 1.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Portugisisch, Spanisch, Dänisch, Holländisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Koreanisch, Norwegisch, Schwedisch
Bonusmaterial: Einleitung von Eric Laneuville, Paul Koslo und Joyce H. Corrington, Vintage-Dokumentation „Der letzte Überlebende – Der Omega-Mann“, Trailer
Preis: EUR 29,99
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Dienstag, 4. November 2008
Starship Troopers 3 – Marauder (Blu-ray)
Es ist schon ein paar Jahre her, dass der niederländische Filmregisseur Paul Verhoeven mit seiner bitterbösen Verfilmung des Heinlein-Romans „Starship Troopers“ für Aufsehen sorgte: Die offiziellen Stellen mochten den Film überhaupt nicht und sorgten alsbald für seine Indizierung. Doch unter Fans gilt „SST“ nicht nur wegen seiner spektakulären Action, sondern auch wegen seines satirischen Untertons, als Genre-Perle. Im Laufe der Zeit hat sich daraus ein regelrechtes Franchise entwickelt – jüngster Sproß ist die Direct-to-DVD-Premiere „Starship Troopers 3 – Marauder“.
von Ye Loyal Federation Citizen
The Story
Der Krieg gegen die Bugs findet und findet kein Ende. Jüngstes Schlachtfeld ist der Planet Roku San, auf dem Colonel Johnny Rico, der Kriegsheld von Planet P, mit markigen Sprüchen das Regiment führt. Während einer Inspektion von Sky Marshall Omar Anoke, bei der Rico zwei alte Freunde, General Dix Hauser und Captain Lola Beck, wiedertrifft, kommt es zu einem Angriff der Bugs, und der Planet fällt. Während Rico wegen Befehlsverweigerung in den Bau wandert und Dix das Kommando übernimmt, stranden Anoke, Lola und ein paar Crewmitglieder ihres Schiffes auf der Flucht vor den Insekten auf dem ominösen Planeten OM-1. Dort entdeckt Anoke seine Religiösität und schleppt die übrigen Überlebenden mit sich auf seiner Suche nach Gott. Doch nicht nur im Staate Dänemark ist einiges faul – und schließlich wird Rico in einen riesigen Kampfanzug gesteckt und mit einer Truppe Elitesoldaten ausgeschickt, um die verlorenen Kinder heim in den Schoß der Föderation zu holen.
The Good
Casper Van Dien ist zurück – und mimt einmal mehr seinen harten Starship Trooper Johnny Rico. Der Begeisterung, mit der er sich Befehle schreiend und Platzpatronen verschießend, in den Krieg gegen die Bugs wirft, kann man sich auch als Zuschauer kaum entziehen. Dass er mittlerweile zehn Jahre älter geworden ist, sieht man ihm, weiß Gott, nicht an. Ebenfalls durchaus Potenzial haben diverse der „bösen“ Ideen der Drehbuchautoren: Ein aalglatter, das Volk durch schmissige Popsongs umwerbender Sky Marshall, der den Verstand verliert, roboterähnliche Kampfanzüge mit immenser Feuerkraft, ein cthuloider Oberbug, der parasitär einen halben Planeten im Griff hat, und immer wieder herrlich zynische „Newseinblendungen“ lassen einen erahnen, was „Starship Troopers 3 – Marauders“ hätte werden können. Wenn, ja wenn nicht …
The Bad
… die Umsetzung so halbgar wäre. Schön, es ist eine Direct-to-DVD-Produktion. Das limitiert das Budget – auf 20 Millionen, wie ich mir habe sagen lassen. Und das ist bei einem (satirischen) Kriegsfilm prinzipiell erst mal schlecht, erst recht, wenn er im Science-Fiction-Milieu angesiedelt ist, denn ein (satirischer) Science-Fiction-Kriegsfilm verlangt nach glaubwürdigen Kämpfen, zünftiger Action, bedrohlichen Gegnern und guten Effekten – ordentliche Schauspieler schaden übrigens auch nicht. Das alles kann „Starship Troopers 3“ leider nur sehr bedingt bieten. Die Bugs erinnern, bei aller Sympathie für die Geeks, die sie verzapft haben (man lernt sie in einem der Specials kennen), wahlweise an flächig animierte, digitale Zebras oder ungelenk gesteuerte Puppen. Explosionen und Feuer wirken über weite Strecken wie auf die Szene gesetzte CGI. Die Raumschiffe erreichen gute Videospielqualität – aber auch nicht mehr. Dies überrascht vor allem, wenn man sich aktuelle Fernsehserien, wie „Battlestar Galactica“ anschaut, die makellos Effekte, Spannungsdramaturgie und Schauspielkunst zusammenzuführen vermögen.
The Ugly
Es gibt so ein paar Szenen im Film, die sind Trash pur. Mein Lieblingsbeispiel: Rico und seine Truppe sollen sich auf ihren Einsatz mit den neuen „Marauder“-Kampfanzügen vorbereiten. Da jedes B-Movie seinen Anteil an nackter Haut braucht, heißt es natürlich „ausziehen“. Weil wir aber in „Starship Troopers“ (die gemischte Duschszene) gelernt haben, dass Soldaten auch nackt völlig unbefangen miteinander umgehen – man ist im Schützengraben ja mit dem Arsch des Nebenmannes verheiratet –, fangen die Krieger auch hier, völlig aus dem Nichts heraus, an, willkürlich über ihre Zukunftspläne nach dem Krieg zu schwadronieren (als hätten sie nicht am Anfang des Films zusammen in der Cantina von Roku San gehockt), um von den unbedeckten Brüsten „abzulenken“, die natürlich absolut zufällig ins Bild blitzen. Eine Szene, die – bei aller Zitathaftigkeit – gestelzter nicht wirken könnte.
The Blu-ray
Der Film ist vergleichsweise „billig“ produziert und das kann die höhere Bildauflösung der Blu-ray Disc nur noch schonungsloser enthüllen. Dabei sind die meisten Szenen relativ grobkörnig (Nacht- und Actionaufnahmen kommen dazu), sodass aus dem Medium nicht allzu viel herausgeholt wird. Ganz nett ist indes das Bonusmaterial: In gleich zwei Audiokommentaren erzählt Regisseur Ed Neumeier (nicht ganz ohne Dopplungen) von der Herstellung des Films – einmal unterstützt von Produzent David Lancaster und Effektemann Robert Skotak (der einst für „Aliens“ und „T2“ Oscars gewonnen hat), einmal von den Darstellern Casper Van Dien und Jolene Blalock. Ein weiteres Mal ist Neumeier mit Van Dien im so genannten „Marauder“-Mode zu sehen, der neben der Filmhandlung Interviewschnipsel, Datenmaterial und Behind-the-Scenes-Footage einstreut. In zwei kürzeren Features („Evolution: The Bugs of Starship Troopers 3: Marauder“ und „Enlist: Marauder’s Mobile Infantry“) kommen noch einmal die Special Effects Macher zu Wort, ebenso die Schauspieler. Das Sahnehäubchen bildet schließlich ein Musikvideo zu SM Anokes Smash-Hit „It’s a Good Day to Die“.
Fazit: Schön, es ist eine Direct-to-DVD-Produktion. (Das sagte ich bereits.) Und sie hat auch ihre Momente – der singende Sky Marshall Anoke tanzt noch heute mit seinem Zahnpastalächeln durch meine Träume. Dennoch: Im Großen und Ganzen ist „Starship Troopers 3 – Marauder“ eben ein dritter Teil eines seinerzeit großartigen Science-Fiction-Films. Gut für einen Samstagabend mit reichlich Bier. Aber es beschwere sich bitte später niemand bei mir über Logiklöcher, Muppet-Bugs und Schauspieler, die nur zwei Gesichtsausdrücke beherrschen (ist mir seltsamerweise bei „Star Trek: Enterprise“ nie aufgefallen, dass das für vier Staffeln T’Pol reichte - aber gut, Vulkanier eben …)
Starship Troopers 3 – Marauder
USA/ZA/DE 2008
Regie: Edward Neumeier
Darsteller: Casper Van Dien (Colonel Johnny Rico), Jolene Blalock (Captain Lola Beck), Stephen Hogan (Sky Marshal Omar Anoke), Boris Kodjoe (General Dix Hauser), Amanda Donohoe (Admiral Enolo Phid), Marnette Patterson (Holly Little)
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 16.10.2008
Länge: 105 min.
Bildformat: 1,85:1 (1080p HD)
Tonformat: Englisch (DTS-HD 7.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Bonusmaterial: Audiokommentar Filmemacher, Audiokommentar Regisseur & Besetzung, Marauder-Modus (Interviews, Aufnahmen vom Set, Hintergrundfakten zum Film), Werden Sie zum Trooper im Film – Kämpfen Sie mit! (BD-Live), Dokumentationen: Evolution: The Bugs of Starship Troopers 3: Marauder, Enlist: Marauder’s Mobile Infantry, Musikvideo: „It’s a Good Day to Die“, Trailer
Preis: EUR 28,99
bei amazon.de bestellen
von Ye Loyal Federation Citizen
The Story
Der Krieg gegen die Bugs findet und findet kein Ende. Jüngstes Schlachtfeld ist der Planet Roku San, auf dem Colonel Johnny Rico, der Kriegsheld von Planet P, mit markigen Sprüchen das Regiment führt. Während einer Inspektion von Sky Marshall Omar Anoke, bei der Rico zwei alte Freunde, General Dix Hauser und Captain Lola Beck, wiedertrifft, kommt es zu einem Angriff der Bugs, und der Planet fällt. Während Rico wegen Befehlsverweigerung in den Bau wandert und Dix das Kommando übernimmt, stranden Anoke, Lola und ein paar Crewmitglieder ihres Schiffes auf der Flucht vor den Insekten auf dem ominösen Planeten OM-1. Dort entdeckt Anoke seine Religiösität und schleppt die übrigen Überlebenden mit sich auf seiner Suche nach Gott. Doch nicht nur im Staate Dänemark ist einiges faul – und schließlich wird Rico in einen riesigen Kampfanzug gesteckt und mit einer Truppe Elitesoldaten ausgeschickt, um die verlorenen Kinder heim in den Schoß der Föderation zu holen.
The Good
Casper Van Dien ist zurück – und mimt einmal mehr seinen harten Starship Trooper Johnny Rico. Der Begeisterung, mit der er sich Befehle schreiend und Platzpatronen verschießend, in den Krieg gegen die Bugs wirft, kann man sich auch als Zuschauer kaum entziehen. Dass er mittlerweile zehn Jahre älter geworden ist, sieht man ihm, weiß Gott, nicht an. Ebenfalls durchaus Potenzial haben diverse der „bösen“ Ideen der Drehbuchautoren: Ein aalglatter, das Volk durch schmissige Popsongs umwerbender Sky Marshall, der den Verstand verliert, roboterähnliche Kampfanzüge mit immenser Feuerkraft, ein cthuloider Oberbug, der parasitär einen halben Planeten im Griff hat, und immer wieder herrlich zynische „Newseinblendungen“ lassen einen erahnen, was „Starship Troopers 3 – Marauders“ hätte werden können. Wenn, ja wenn nicht …
The Bad
… die Umsetzung so halbgar wäre. Schön, es ist eine Direct-to-DVD-Produktion. Das limitiert das Budget – auf 20 Millionen, wie ich mir habe sagen lassen. Und das ist bei einem (satirischen) Kriegsfilm prinzipiell erst mal schlecht, erst recht, wenn er im Science-Fiction-Milieu angesiedelt ist, denn ein (satirischer) Science-Fiction-Kriegsfilm verlangt nach glaubwürdigen Kämpfen, zünftiger Action, bedrohlichen Gegnern und guten Effekten – ordentliche Schauspieler schaden übrigens auch nicht. Das alles kann „Starship Troopers 3“ leider nur sehr bedingt bieten. Die Bugs erinnern, bei aller Sympathie für die Geeks, die sie verzapft haben (man lernt sie in einem der Specials kennen), wahlweise an flächig animierte, digitale Zebras oder ungelenk gesteuerte Puppen. Explosionen und Feuer wirken über weite Strecken wie auf die Szene gesetzte CGI. Die Raumschiffe erreichen gute Videospielqualität – aber auch nicht mehr. Dies überrascht vor allem, wenn man sich aktuelle Fernsehserien, wie „Battlestar Galactica“ anschaut, die makellos Effekte, Spannungsdramaturgie und Schauspielkunst zusammenzuführen vermögen.
The Ugly
Es gibt so ein paar Szenen im Film, die sind Trash pur. Mein Lieblingsbeispiel: Rico und seine Truppe sollen sich auf ihren Einsatz mit den neuen „Marauder“-Kampfanzügen vorbereiten. Da jedes B-Movie seinen Anteil an nackter Haut braucht, heißt es natürlich „ausziehen“. Weil wir aber in „Starship Troopers“ (die gemischte Duschszene) gelernt haben, dass Soldaten auch nackt völlig unbefangen miteinander umgehen – man ist im Schützengraben ja mit dem Arsch des Nebenmannes verheiratet –, fangen die Krieger auch hier, völlig aus dem Nichts heraus, an, willkürlich über ihre Zukunftspläne nach dem Krieg zu schwadronieren (als hätten sie nicht am Anfang des Films zusammen in der Cantina von Roku San gehockt), um von den unbedeckten Brüsten „abzulenken“, die natürlich absolut zufällig ins Bild blitzen. Eine Szene, die – bei aller Zitathaftigkeit – gestelzter nicht wirken könnte.
The Blu-ray
Der Film ist vergleichsweise „billig“ produziert und das kann die höhere Bildauflösung der Blu-ray Disc nur noch schonungsloser enthüllen. Dabei sind die meisten Szenen relativ grobkörnig (Nacht- und Actionaufnahmen kommen dazu), sodass aus dem Medium nicht allzu viel herausgeholt wird. Ganz nett ist indes das Bonusmaterial: In gleich zwei Audiokommentaren erzählt Regisseur Ed Neumeier (nicht ganz ohne Dopplungen) von der Herstellung des Films – einmal unterstützt von Produzent David Lancaster und Effektemann Robert Skotak (der einst für „Aliens“ und „T2“ Oscars gewonnen hat), einmal von den Darstellern Casper Van Dien und Jolene Blalock. Ein weiteres Mal ist Neumeier mit Van Dien im so genannten „Marauder“-Mode zu sehen, der neben der Filmhandlung Interviewschnipsel, Datenmaterial und Behind-the-Scenes-Footage einstreut. In zwei kürzeren Features („Evolution: The Bugs of Starship Troopers 3: Marauder“ und „Enlist: Marauder’s Mobile Infantry“) kommen noch einmal die Special Effects Macher zu Wort, ebenso die Schauspieler. Das Sahnehäubchen bildet schließlich ein Musikvideo zu SM Anokes Smash-Hit „It’s a Good Day to Die“.
Fazit: Schön, es ist eine Direct-to-DVD-Produktion. (Das sagte ich bereits.) Und sie hat auch ihre Momente – der singende Sky Marshall Anoke tanzt noch heute mit seinem Zahnpastalächeln durch meine Träume. Dennoch: Im Großen und Ganzen ist „Starship Troopers 3 – Marauder“ eben ein dritter Teil eines seinerzeit großartigen Science-Fiction-Films. Gut für einen Samstagabend mit reichlich Bier. Aber es beschwere sich bitte später niemand bei mir über Logiklöcher, Muppet-Bugs und Schauspieler, die nur zwei Gesichtsausdrücke beherrschen (ist mir seltsamerweise bei „Star Trek: Enterprise“ nie aufgefallen, dass das für vier Staffeln T’Pol reichte - aber gut, Vulkanier eben …)
Starship Troopers 3 – Marauder
USA/ZA/DE 2008
Regie: Edward Neumeier
Darsteller: Casper Van Dien (Colonel Johnny Rico), Jolene Blalock (Captain Lola Beck), Stephen Hogan (Sky Marshal Omar Anoke), Boris Kodjoe (General Dix Hauser), Amanda Donohoe (Admiral Enolo Phid), Marnette Patterson (Holly Little)
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
Erscheinungsdatum: 16.10.2008
Länge: 105 min.
Bildformat: 1,85:1 (1080p HD)
Tonformat: Englisch (DTS-HD 7.1), Deutsch (DTS-HD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Bonusmaterial: Audiokommentar Filmemacher, Audiokommentar Regisseur & Besetzung, Marauder-Modus (Interviews, Aufnahmen vom Set, Hintergrundfakten zum Film), Werden Sie zum Trooper im Film – Kämpfen Sie mit! (BD-Live), Dokumentationen: Evolution: The Bugs of Starship Troopers 3: Marauder, Enlist: Marauder’s Mobile Infantry, Musikvideo: „It’s a Good Day to Die“, Trailer
Preis: EUR 28,99
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Montag, 15. September 2008
Miles Flint 5: Paloma
Miles Flint kehrt nach langer Abwesenheit auf den Mond zurück. Sogleich erhält er einen panischen Anruf von seiner früheren Mentorin Paloma. Er eilt zu ihrem Apartment, doch es ist bereits zu spät: Paloma wurde brutal ermordet. Zuvor hat sie ihn zu ihrem Alleinerben ernannt, was Flint nicht nur eine Menge Geld, sondern auch eine Menge Schwierigkeiten einhandelt. Als potenzieller Mörder gesucht und mit einer Festplatte voll brisanter Daten gerät Flint in Spiel auf Leben und Tod.
von Frank Stein
Kristine Kathryn Rusch war mir bislang nur als Franchise-Schreiberin bekannt. Sie hat Romane zu „Star Trek“ verfasst, zu „Roswell“ und einen Beitrag zu „Star Wars“, dessen Qualität sich in Grenzen hielt. Doch seit einer Weile ist mir nun schon ihre Science-Fiction-Krimireihe um den Ermittler Miles Flint aufgefallen. Jüngst habe ich dann auf einem Bahnhof vor einer längeren Zugreise spontan zugeschlagen – und es nicht bereut!
„Paloma“ ist der fünfte Band einer Reihe lose verknüpfter Fälle, in die der Protagonist Miles Flint verstrickt wird. Flint, ein Ex-Cop, der sich selbstständig gemacht hat, um nur seinem Gewissen folgen zu müssen und nicht irgendwelchen obskuren Aliengesetzen, arbeitet als Lokalisierungsspezialist. Sein Job ist es, Verschwundene aufzufinden – jedoch nicht, um sie wie ein Kopfgeldjäger dem Gesetz zuzuführen, sondern eher um selbigen gute Nachrichten zu überbringen (etwa die Aufhebung eines Haftbefehls).
Doch der aktuelle Fall trifft ihn persönlich: Seine Mentorin Paloma, die er seit Monaten nicht mehr gesehen hat, wird just in dem Augenblick auf bestialische Weise umgebracht, als Flint nach einer längeren Reise zur Mondkuppel Armstrong zurückkehrt. Da sie ihm eine Menge Geld vermacht hat, gerät er natürlich ins Visier seiner früheren Kollegen und muss sich unsichtbar machen, um auf eigene Faust die Täter und vor allem die Motive des Mords zu ermitteln. In alten Dateien von Paloma stößt er dabei auf Unglaubliches. Die Frau, die er zu kennen glaubte, ist nicht die, für die er sie immer gehalten hatte.
Rusch entwirft in „Paloma“ (und ich nehme an, der ganzen „Miles Flint“-Reihe) eine futuristische Cop-Story, ohne jedoch in die allzu beliebte Future-Noir-Richtung abzudriften. Flint ist kein „Blade Runner“ und es treten keine korrupten Bullen, leichten Mädchen und schmierigen Informaten auf. Zwar wirkt das Setting mitunter heruntergekommen und schwer vom Mondstaub angegriffen – doch im Grunde bewegt sich die Handlung in sehr zivilisierten Kreisen, in denen die Handelnden teure Kleidung tragen, gutes Essen mögen und ein nicht unbeträchtliches Vermögen auf dem Bankkonto haben. Und dennoch haben die meisten irgendwie Dreck am Stecken und/oder kommen aus deutlich einfacheren Verhältnissen. Ihre Vergangenheit, die zum Teil wohl in früheren Bänden erzählt wurde, ist hier nur in Andeutungen wiedergegeben – wodurch der Roman auch gut für sich alleine stehend gelesen werden kann (auch wenn natürlich Neugierde geweckt wird).
Sehr gelungen ist die Umsetzung des Science-Fiction-Elements. Das Futuristische wird als etwas höchst Alltägliches dargeboten, und es wird kein großes Aufheben darum gemacht, dass man auf dem Mond lebt, Aliens durch die Straßen laufen und es offenbar überlichtschnellen Raumflug gibt. Eher beschwert man sich über das miese künstliche Essen, begegnet voller Misstrauen den Biomodifikationen seiner Mitmenschen und lebt mit der vollständigen Vernetzung des eigenen Ichs mit seiner Umwelt (in Form so genannter „Links“, einer Art Biocomputer inklusive Aufnahmegeräten, Datendisplays im Auge, Festplatten im Kopf und mental gesteuerten Funkkanälen).
Wenn man „Paloma“ etwas vorwerfen kann, dann am ehesten, dass die Ermittlungsarbeit ziemlich unspektakulär verläuft und sich neue Erkenntnisse vor allem aus Laborberichten, Internetrecherche und dem Wühlen durch Palomas Vermächtnis einstellen. So wird zwar eine üble Verschwörung aufgedeckt, aber irgendwie lässt es einen als Leser auch ein wenig kalt, denn das Verbrechen ist alt und abstrakt und wird nur in trockener Datenform präsentiert. Emotional aufwühlende Nähe zum Geschehen erlaubt Rusch dem Leser nicht – und auch ihre Figuren sind nur ganz selten wirklich „erregt“. Das meiste scheint Polizeiarbeit „as usual“ zu sein.
Nichtsdestoweniger gelingt es Rusch, den Leser an ihre Geschichte zu fesseln. Das liegt zum einen an den interessanten Nebenfiguren, wie dem aufrechten Detective Nyquist und der abgebrühten Anwältin Van Alen, zum anderen aber schlicht an den geschickt hinausgezögerten Antworten auf die Fragen nach den Hintergründen von Palomas Ermordung. Und selbst wenn die Handlung in diesem Fall nicht völlig überzeugt hat, macht das Buch neugierig auf die anderen Abenteuer von Miles Flint.
Fazit: „Paloma“ ist ein kleiner, gefälliger Science-Fiction-Krimi, wobei der Schwerpunkt deutlich auf der Kriminalhandlung liegt. Würden nicht Aliens herumlaufen und das Ganze auf dem Mond spielen, könnte der Roman auch eine sehr irdische Cop-und-Anwalt-Story sein. Die Handlung lebt etwas zu sehr von der Schreibtischarbeit, doch die realistischen Figuren und das betont unaufgeregte Zukunfts-Setting machen Ruschs Roman dennoch zu einem Buch, das einen Spontankauf wert ist.
Paloma (Miles Flint Bd. 5)
Science-Fiction-Roman
Kristine Kathryn Rusch
Bastei Lübbe 2008
ISBN: 978-3-404-23325-0
463 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 8,95
bei amazon.de bestellen
von Frank Stein
Kristine Kathryn Rusch war mir bislang nur als Franchise-Schreiberin bekannt. Sie hat Romane zu „Star Trek“ verfasst, zu „Roswell“ und einen Beitrag zu „Star Wars“, dessen Qualität sich in Grenzen hielt. Doch seit einer Weile ist mir nun schon ihre Science-Fiction-Krimireihe um den Ermittler Miles Flint aufgefallen. Jüngst habe ich dann auf einem Bahnhof vor einer längeren Zugreise spontan zugeschlagen – und es nicht bereut!
„Paloma“ ist der fünfte Band einer Reihe lose verknüpfter Fälle, in die der Protagonist Miles Flint verstrickt wird. Flint, ein Ex-Cop, der sich selbstständig gemacht hat, um nur seinem Gewissen folgen zu müssen und nicht irgendwelchen obskuren Aliengesetzen, arbeitet als Lokalisierungsspezialist. Sein Job ist es, Verschwundene aufzufinden – jedoch nicht, um sie wie ein Kopfgeldjäger dem Gesetz zuzuführen, sondern eher um selbigen gute Nachrichten zu überbringen (etwa die Aufhebung eines Haftbefehls).
Doch der aktuelle Fall trifft ihn persönlich: Seine Mentorin Paloma, die er seit Monaten nicht mehr gesehen hat, wird just in dem Augenblick auf bestialische Weise umgebracht, als Flint nach einer längeren Reise zur Mondkuppel Armstrong zurückkehrt. Da sie ihm eine Menge Geld vermacht hat, gerät er natürlich ins Visier seiner früheren Kollegen und muss sich unsichtbar machen, um auf eigene Faust die Täter und vor allem die Motive des Mords zu ermitteln. In alten Dateien von Paloma stößt er dabei auf Unglaubliches. Die Frau, die er zu kennen glaubte, ist nicht die, für die er sie immer gehalten hatte.
Rusch entwirft in „Paloma“ (und ich nehme an, der ganzen „Miles Flint“-Reihe) eine futuristische Cop-Story, ohne jedoch in die allzu beliebte Future-Noir-Richtung abzudriften. Flint ist kein „Blade Runner“ und es treten keine korrupten Bullen, leichten Mädchen und schmierigen Informaten auf. Zwar wirkt das Setting mitunter heruntergekommen und schwer vom Mondstaub angegriffen – doch im Grunde bewegt sich die Handlung in sehr zivilisierten Kreisen, in denen die Handelnden teure Kleidung tragen, gutes Essen mögen und ein nicht unbeträchtliches Vermögen auf dem Bankkonto haben. Und dennoch haben die meisten irgendwie Dreck am Stecken und/oder kommen aus deutlich einfacheren Verhältnissen. Ihre Vergangenheit, die zum Teil wohl in früheren Bänden erzählt wurde, ist hier nur in Andeutungen wiedergegeben – wodurch der Roman auch gut für sich alleine stehend gelesen werden kann (auch wenn natürlich Neugierde geweckt wird).
Sehr gelungen ist die Umsetzung des Science-Fiction-Elements. Das Futuristische wird als etwas höchst Alltägliches dargeboten, und es wird kein großes Aufheben darum gemacht, dass man auf dem Mond lebt, Aliens durch die Straßen laufen und es offenbar überlichtschnellen Raumflug gibt. Eher beschwert man sich über das miese künstliche Essen, begegnet voller Misstrauen den Biomodifikationen seiner Mitmenschen und lebt mit der vollständigen Vernetzung des eigenen Ichs mit seiner Umwelt (in Form so genannter „Links“, einer Art Biocomputer inklusive Aufnahmegeräten, Datendisplays im Auge, Festplatten im Kopf und mental gesteuerten Funkkanälen).
Wenn man „Paloma“ etwas vorwerfen kann, dann am ehesten, dass die Ermittlungsarbeit ziemlich unspektakulär verläuft und sich neue Erkenntnisse vor allem aus Laborberichten, Internetrecherche und dem Wühlen durch Palomas Vermächtnis einstellen. So wird zwar eine üble Verschwörung aufgedeckt, aber irgendwie lässt es einen als Leser auch ein wenig kalt, denn das Verbrechen ist alt und abstrakt und wird nur in trockener Datenform präsentiert. Emotional aufwühlende Nähe zum Geschehen erlaubt Rusch dem Leser nicht – und auch ihre Figuren sind nur ganz selten wirklich „erregt“. Das meiste scheint Polizeiarbeit „as usual“ zu sein.
Nichtsdestoweniger gelingt es Rusch, den Leser an ihre Geschichte zu fesseln. Das liegt zum einen an den interessanten Nebenfiguren, wie dem aufrechten Detective Nyquist und der abgebrühten Anwältin Van Alen, zum anderen aber schlicht an den geschickt hinausgezögerten Antworten auf die Fragen nach den Hintergründen von Palomas Ermordung. Und selbst wenn die Handlung in diesem Fall nicht völlig überzeugt hat, macht das Buch neugierig auf die anderen Abenteuer von Miles Flint.
Fazit: „Paloma“ ist ein kleiner, gefälliger Science-Fiction-Krimi, wobei der Schwerpunkt deutlich auf der Kriminalhandlung liegt. Würden nicht Aliens herumlaufen und das Ganze auf dem Mond spielen, könnte der Roman auch eine sehr irdische Cop-und-Anwalt-Story sein. Die Handlung lebt etwas zu sehr von der Schreibtischarbeit, doch die realistischen Figuren und das betont unaufgeregte Zukunfts-Setting machen Ruschs Roman dennoch zu einem Buch, das einen Spontankauf wert ist.
Paloma (Miles Flint Bd. 5)
Science-Fiction-Roman
Kristine Kathryn Rusch
Bastei Lübbe 2008
ISBN: 978-3-404-23325-0
463 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 8,95
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Dienstag, 1. Juli 2008
Hyperdrive – Die erste Staffel (2 DVDs)
Die Briten haben eine Tradition, um die wir Kontinentalen sie nur beneiden können: Seit Jahrzehnten produziert die BBC, also das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Großbritannien, Science-Fiction-Serien im Allgemeinen und humoristische Science-Fiction-Serien im Speziellen, etwa die Douglas-Adams-Adaption „Per Anhalter durch die Galaxis“ oder die urkomische Lost-in-Space-Comedy „Red Dwarf“. Als jüngster Spross reiht sich nun „Hyperdrive“ in den Reigen ein, eine Serie, die es auf der Insel bereits auf zwei Staffeln gebracht hat und die hierzulande nun erstmals auf DVD vorliegt.
von Frank Stein
Hinter der Serie stecken die Macher von „Little Britian“, und die Hauptrolle des sich ewig selbst überschätzenden Space Commander Henderson hat kein Geringerer als Nick Frost inne (der Welt spätestens seit der Zombie-Humoreske „Shaun of the Dead“ und dem Kleinstadt-Cop-Flick, „Hot Fuzz“ ein Begriff). Erzählt wird die Geschichte der Crew des britischen Raumschiffs „HMS Camden Lock“, das unterwegs ist, um neue Welten zu entdecken und neue Zivilisationen – und sie dann von den Vorzügen der britischen Kultur zu überzeugen. („Wie wäre es, wenn die Sternenflotte nicht nur von Earl-Grey-Tee trinkenden und Shakespeare zitierenden Amerikanern betrieben würde, sondern wirklich von Briten“, soll die Frage gewesen sein, die für die Macher am Anfang stand.)
Wie es für eine britische Serie nicht anders zu erwarten ist, sind die Charaktere allesamt völlig normale, um nicht zu sagen unansehnliche und neurotische Figuren, die den Job in den Weiten des Alls kaum weniger aufgeregt angehen, als würden sie jeden Morgen in das Büro einer Kartonagefabrik in Islington gehen. (Gelackte und gedrillte Vorzeigeoffiziere wie an Bord der „Enterprise“ sucht man jedenfalls vergeblich.) An der Spitze steht der bereits erwähnte Space Commander Michael „Mike/Hendo“ Henderson, im Herzen ein guter Kerl, doch – wie so viele tragische Helden der BritCom – immer wieder viel zu sehr von seinen Fähigkeiten überzeugt, um wirklich überzeugend zu wirken. Ihm zur Seite stehen der erste Offizier York, ein Waffenfetischst mit leicht sadistischer Ader, der keine Gefangenen macht und überall die Alieninvasion des Tages vermutet, sowie die Chefdiplomatin des Schiffes, Officer Teal, eine Wuchtbrumme von einer Frau, die am liebsten mit Tabellen und Checklisten herumläuft und unsterblich (aber leider unbemerkt) in ihren Vorgesetzten verliebt ist.
Komplettiert wird der Cast durch den leicht verhuschten Astrogator Mr. Vine, den rebellischen Ingenieur Mr. Jeffers und – auch das wieder typisch britische SF – die „Optimierte“ Sandstrom, eine junge Frau, die sich (wie angedeutet wird: unfreiwillig) einer komplexen neurologischen Behandlung unterzogen hat und nun eine Art halb menschliches, halb artifizielles Steuer-Interface zwischen Crew und Raumschiff bildet, das im hinteren Brückenbereich mit laszivem Eifer in einem Halbkreis leuchtender Stangen herumturnt und dadurch die „HMS Camden Lock“ durch die Tiefen des Alls manövriert. (Kurioserweise – das sei nur angemerkt – sind alle Kadetten der „Camden Lock“ gutaussehende, hippe Jugendliche, die es auf dem Kadettenball mit Sex, Drugs und Gruppenkotzen auch gerne mal krachen lassen – eine augenzwinkernde Umkehrung der Verhältnisse bei „Star Trek TNG“, wo ein gewisser Wesley Crusher als der uncoolste, langweiligste und bravste Teenager zwischen dieser und der fernen Seite der Galaxis dargestellt wurde.)
Apropos „hip“. Optisch – das muss man der Serie zugestehen – wird durchaus was geboten. Wer ältere BBC-Produktionen kennt, der weiß, dass (gerade in der SF) meist die Figuren im Vordergrund stehen, während die Effekte und das Set-Design nur als Bonus betrachtet werden – um es wohlwollend auszudrücken. Im vorliegenden Falle merkt man, dass Digitaleffekte heute wirklich erschwinglich geworden sind. Die „Camden Lock“ ist ein durchaus ansehnliches Schiff. Und auch das Set-Design kann sich sehen lassen. Vom Captain's Chair, über die leuchtenden Touch-Screen-Konsolen der Crew, bis hin zu schicken Gängen, die natürlich nirgendwohin führen, findet sich an Bord alles, was man vom gemeinen Raumfahrzeug so erwartet. Na schön, die Aliens-der-Woche sehen kurios, um nicht zu sagen grotesk, wie eh und je aus – aber alles in allem erkennt man durchaus den „Science“-Aspekt neben der „Fiction“.
Der Humor ist von britischer Eigenwilligkeit. Nicht explizit auf Lacher ausgelegt, balancieren die Situationen, in die sich die kosmische Loser-Truppe regelmäßig manövrieren, stets auf dem schmalen Grad zwischen Tragik und Komik. Wenn die plumpe Teal sich etwa wie ein Weihnachtsbaum herrichtet, um ihren Schwarm Henderson beim Offiziersdinner zu beeindrucken (für das sie wohlweislich alle anderen Führungsoffiziere zuvor aus dem Verkehr gezogen hat), und diesen dann unbeholfen umgarnt, während selbiger genüßlich und voller Ignoranz Erdnuss-Flips goutiert, weiß man nicht, ob man lachen oder Mitleid haben soll. Der gradlinigste Garant für überzogene Satire (hier auf raumfahrende Militaristen) ist da noch der Wadenbeißer York, der nichts lieber will, als die „Camden Lock“ in seine Gewalt zu bringen und nach seinem harten Vorbild zu formen – nur um dann, als er tatsächlich die Chance dazu erhält, völlig zu versagen.
Fazit: Wie kann man „Hyperdrive“ in einem Wort zusammenfassen? „Exzentrisch“ vielleicht. „Skurril“ möglicherweise. „Very british“ – das trifft es wohl am Besten (auch wenn das zwei Worte sind).
Hyperdrive – Die komplette erste Staffel
GB 2006
Regie: John Henderson
Darsteller: Nick Frost (Commander Henderson), Kevin Eldon (York), Miranda Hart (Teal), Dan Antopolski (Jeffers), Stephen Evans (Vine), Petra Massey (Sandstrom)
Vertrieb: polyband
Erscheinungsdatum: 30.05.2008
Länge: 180 min.
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)
Tonformat: Deutsch, Englisch (Dolby 2.0)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: The Story of „Hyperdrive“, Creating the World of „Hyperdrive“, Deleted Scenes, Miranda’s Tour of the Set, Video Diary, Behind the Scenes with Nick Frost
Preis: EUR 14,95
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von Frank Stein
Hinter der Serie stecken die Macher von „Little Britian“, und die Hauptrolle des sich ewig selbst überschätzenden Space Commander Henderson hat kein Geringerer als Nick Frost inne (der Welt spätestens seit der Zombie-Humoreske „Shaun of the Dead“ und dem Kleinstadt-Cop-Flick, „Hot Fuzz“ ein Begriff). Erzählt wird die Geschichte der Crew des britischen Raumschiffs „HMS Camden Lock“, das unterwegs ist, um neue Welten zu entdecken und neue Zivilisationen – und sie dann von den Vorzügen der britischen Kultur zu überzeugen. („Wie wäre es, wenn die Sternenflotte nicht nur von Earl-Grey-Tee trinkenden und Shakespeare zitierenden Amerikanern betrieben würde, sondern wirklich von Briten“, soll die Frage gewesen sein, die für die Macher am Anfang stand.)
Wie es für eine britische Serie nicht anders zu erwarten ist, sind die Charaktere allesamt völlig normale, um nicht zu sagen unansehnliche und neurotische Figuren, die den Job in den Weiten des Alls kaum weniger aufgeregt angehen, als würden sie jeden Morgen in das Büro einer Kartonagefabrik in Islington gehen. (Gelackte und gedrillte Vorzeigeoffiziere wie an Bord der „Enterprise“ sucht man jedenfalls vergeblich.) An der Spitze steht der bereits erwähnte Space Commander Michael „Mike/Hendo“ Henderson, im Herzen ein guter Kerl, doch – wie so viele tragische Helden der BritCom – immer wieder viel zu sehr von seinen Fähigkeiten überzeugt, um wirklich überzeugend zu wirken. Ihm zur Seite stehen der erste Offizier York, ein Waffenfetischst mit leicht sadistischer Ader, der keine Gefangenen macht und überall die Alieninvasion des Tages vermutet, sowie die Chefdiplomatin des Schiffes, Officer Teal, eine Wuchtbrumme von einer Frau, die am liebsten mit Tabellen und Checklisten herumläuft und unsterblich (aber leider unbemerkt) in ihren Vorgesetzten verliebt ist.
Komplettiert wird der Cast durch den leicht verhuschten Astrogator Mr. Vine, den rebellischen Ingenieur Mr. Jeffers und – auch das wieder typisch britische SF – die „Optimierte“ Sandstrom, eine junge Frau, die sich (wie angedeutet wird: unfreiwillig) einer komplexen neurologischen Behandlung unterzogen hat und nun eine Art halb menschliches, halb artifizielles Steuer-Interface zwischen Crew und Raumschiff bildet, das im hinteren Brückenbereich mit laszivem Eifer in einem Halbkreis leuchtender Stangen herumturnt und dadurch die „HMS Camden Lock“ durch die Tiefen des Alls manövriert. (Kurioserweise – das sei nur angemerkt – sind alle Kadetten der „Camden Lock“ gutaussehende, hippe Jugendliche, die es auf dem Kadettenball mit Sex, Drugs und Gruppenkotzen auch gerne mal krachen lassen – eine augenzwinkernde Umkehrung der Verhältnisse bei „Star Trek TNG“, wo ein gewisser Wesley Crusher als der uncoolste, langweiligste und bravste Teenager zwischen dieser und der fernen Seite der Galaxis dargestellt wurde.)
Apropos „hip“. Optisch – das muss man der Serie zugestehen – wird durchaus was geboten. Wer ältere BBC-Produktionen kennt, der weiß, dass (gerade in der SF) meist die Figuren im Vordergrund stehen, während die Effekte und das Set-Design nur als Bonus betrachtet werden – um es wohlwollend auszudrücken. Im vorliegenden Falle merkt man, dass Digitaleffekte heute wirklich erschwinglich geworden sind. Die „Camden Lock“ ist ein durchaus ansehnliches Schiff. Und auch das Set-Design kann sich sehen lassen. Vom Captain's Chair, über die leuchtenden Touch-Screen-Konsolen der Crew, bis hin zu schicken Gängen, die natürlich nirgendwohin führen, findet sich an Bord alles, was man vom gemeinen Raumfahrzeug so erwartet. Na schön, die Aliens-der-Woche sehen kurios, um nicht zu sagen grotesk, wie eh und je aus – aber alles in allem erkennt man durchaus den „Science“-Aspekt neben der „Fiction“.
Der Humor ist von britischer Eigenwilligkeit. Nicht explizit auf Lacher ausgelegt, balancieren die Situationen, in die sich die kosmische Loser-Truppe regelmäßig manövrieren, stets auf dem schmalen Grad zwischen Tragik und Komik. Wenn die plumpe Teal sich etwa wie ein Weihnachtsbaum herrichtet, um ihren Schwarm Henderson beim Offiziersdinner zu beeindrucken (für das sie wohlweislich alle anderen Führungsoffiziere zuvor aus dem Verkehr gezogen hat), und diesen dann unbeholfen umgarnt, während selbiger genüßlich und voller Ignoranz Erdnuss-Flips goutiert, weiß man nicht, ob man lachen oder Mitleid haben soll. Der gradlinigste Garant für überzogene Satire (hier auf raumfahrende Militaristen) ist da noch der Wadenbeißer York, der nichts lieber will, als die „Camden Lock“ in seine Gewalt zu bringen und nach seinem harten Vorbild zu formen – nur um dann, als er tatsächlich die Chance dazu erhält, völlig zu versagen.
Fazit: Wie kann man „Hyperdrive“ in einem Wort zusammenfassen? „Exzentrisch“ vielleicht. „Skurril“ möglicherweise. „Very british“ – das trifft es wohl am Besten (auch wenn das zwei Worte sind).
Hyperdrive – Die komplette erste Staffel
GB 2006
Regie: John Henderson
Darsteller: Nick Frost (Commander Henderson), Kevin Eldon (York), Miranda Hart (Teal), Dan Antopolski (Jeffers), Stephen Evans (Vine), Petra Massey (Sandstrom)
Vertrieb: polyband
Erscheinungsdatum: 30.05.2008
Länge: 180 min.
Bildformat: 1,78:1 (16:9 anamorph)
Tonformat: Deutsch, Englisch (Dolby 2.0)
Untertitel: Englisch
Bonusmaterial: The Story of „Hyperdrive“, Creating the World of „Hyperdrive“, Deleted Scenes, Miranda’s Tour of the Set, Video Diary, Behind the Scenes with Nick Frost
Preis: EUR 14,95
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