Es gehört zu den Widrigkeiten des Lebens als Fan des Mediums DVD, dass Studios – zumindest noch bis vor kurzem – mit schöner Regelmäßigkeit zuerst eine ziemlich mager ausgestattete Basisversion eines Films auf den Markt bringen und dann, so scheint es, wenn sich der Film als Verkaufsschlager entpuppt, eine kräftig aufgebohrte Special-Edition-Box hinterherschieben. Im Falle der Star-Trek-Reihe waren bereits Film 2 bis 9 mit nicht viel mehr als dem Film und ein paar mageren Trailern auf dem Silberling erschienen, als „Star Trek – Der Film“ plötzlich als verschwenderische „Director‘s Edition“ herausgebracht wurde. In der Folge wurden auch Teil 2, 3 und 4 als üppige 2-Disk-Special-Editions neu aufgelegt. Und jüngst wurde diese Reihe nun durch Teil 5 ergänzt.
von Frank Stein
Viele Fans sind der Ansicht, „Star Trek V: Am Rande des Universums“ – übrigens ein völlig irreführender deutscher Titel, geht es doch während der Geschichte vielmehr ins Zentrum der Galaxis – sei der schlechteste Kinofilm der Serie. Ihre Antipathie stützt sich dabei vor allem auf William Shatner als Regisseur und leicht egozentrischen Selbstdarsteller. Bei mir persönlich rangiert der Film allerdings mindestens im guten Mittelfeld meiner Star-Trek-Movies-Hitliste. Vor allem gefällt mir die Botschaft der unverbrüchlichen Freundschaft zwischen den drei Hauptfiguren Kirk, Spock und McCoy, die sowohl am warmen Lagerfeuer, als auch im kalten All zelebriert wird.
Die Handlung setzt auf der Erde ein, nur kurze Zeit nach „Star Trek IV“. Während sich Kirk, Spock und McCoy im Yosemite Nationalpark mit Bergsteigen und Lagerfeuerromantik entspannen, obliegt es Scotty im Orbit, die noch unfertige Enterprise 1701-A für ihren ersten Einsatz auf Vordermann zu bringen. Der kommt schneller, als erwartet. Ein religiöser Eiferer hat auf Nimbus III, einem fehlgeschlagenen Experiment zur Völkerverständigung zwischen Menschen, Klingonen und Romulanern, die Repräsentanten der drei Rassen in seine Gewalt gebracht. Obwohl der Lack auf der Außenhaut noch nicht ganz trocken ist und die Enterprise im Erdorbit hängend kaum das nächstliegende Schiff sein kann, werden Kirk und seine Mannen losgeschickt, die Lage zu entschärfen. Ein Befreiungsversuch der Geiseln schlägt jedoch fehl, vielmehr gelingt es dem Verrückten, einem Vulkanier namens Sybock, der sich überdies als Halbbruder Spocks entpuppt, die Enterprise in seine Gewalt zu bringen. Seine Mission ist eine spirituelle: Die Suche nach dem Planeten Sha Ka Re, der Heimat Gottes, im Zentrum der Galaxis. Und während der charismatische Anführer nach und nach die gesamte Raumschiff-Crew verführt, und während gleichzeitig ein geltungssüchtiger klingonischer Raubvogel-Captain danach lechzt, sich durch den Sieg über Staatsfeind Nr. 1 James T. Kirk zu unsterblichem Ruhm zu verhelfen, steht die Freundschaft – und auch der Glaube – der drei Weltraumveteranen Kirk, Spock und McCoy mehr denn je auf dem Prüfstand.
Man mag nun über den Film, der übrigens in makelloser Bild- und Tonqualität (deutsch und englisch) auf der Scheibe abgelegt wurde, denken, was man will, die zwei DVDs sind jedenfalls randvoll mit spannenden Extras. Zunächst gibt es einen Audiokommentar von William Shatner und seiner Tochter Liz, während dem Shatner immer wieder über das geringe Budget, den Zeitdruck und die Unmöglichkeit, seine großen Visionen ansprechend umzusetzen, lamentiert. Legendär scheint die sogenannte Rockmen-Sequenz zu sein (Arbeitstitel: „Dantes Inferno“), die Kirk gegen Ende des Films auf dem Gottesplaneten in einen spektakulären Kampf mit zehn Steinmenschen verwickeln sollte, bevor ihm Spock mit dem klingonischen Raubvogel zu Hilfe eilt. Das Budget macht aus zehn Steinmenschen fünf, aus fünf einen, und der sah nach Testaufnahmen letztlich aus wie der Steinbeißer aus „Die unendliche Geschichte“. Die Sequenz wurde gestrichen! (Womit der Film nun sehr viel „schlichter“ endet, als eigentlich vorgesehen.) Neben diesem sehr persönlichen Eindruck des Regisseurs existiert noch ein Textkommentar von Michael und Denise Okuda, die einen eher informativen Ansatz verfolgen und auf sehr interessante Art und Weise sowohl das Geschehen im Film interpretieren, allgemeine Hintergrundinfos zu Settings und Darstellern liefern sowie sich der Ereignisse der Dreharbeiten erinnern.
Ein Großteil der Extras befindet sich dann auf Disk 2. In einer computeranimierten Sequenz bringt uns ein Shuttle runter nach Sha Ka Re, wo sich vor dem glühenden Steinkreis das Menü aufbaut. Es existieren fünf Untermenüs: „Das Star Trek Universum“, „Produktion“, „Archive“, „Entfallene Szenen“ und „Werbung“. Die ersten beiden sind eindeutig die interessantesten. „Das Star Trek Universum“ beherrbergt fünf Features, die zwischen 10 und 20 Minuten lang sind und sich mit Aspekten rund um den Film beschäftigen, wie beispielsweise Star Trek und Religiosität oder den Set Designer Herman Zimmermann. Unter „Produktion“ findet sich ein Grußwort von Produzent Harve Bennett, ein halbstündiges Making-Of, diverse Bildtests von Raumschiffen und Aliens (inklusive dem einzigen noch existierenden Material zur Rockman-Sequenz!) sowie als Zeitdokument die Pressekonferenz nach Beendigung der Dreharbeiten. Die „Archive“ bestehen aus einer kurzen, musikalisch untermalten Slideshow mit Setbildern sowie den Storyboards des Filmendes und sind damit etwas dürftig geraten. Hier hätte man sich mehr Material gewünscht. Gleiches gilt für die „Entfallenen Szenen“, derer es vier gibt, wobei bedauerlicherweise nicht die Szenen zwischen den beiden Klingonen Klaa und Vixis darunter sind, von denen es, wie die beiden Darsteller in einem Interview verraten, einige geben muss, in denen unter anderem die erotische Spannung zwischen dem virilen Captain und seiner ambitionierten ersten Offizierin deutlicher wird. Genau genommen ist eigentlich nichts darunter, was man unbedingt im Film hätte sehen müssen, allerdings ist die anzügliche Begrüßung des klingonischen Botschafters gegenüber der romulanischen Abgesandten schon lustig. Die „Werbung“ schließlich besteht aus zwei Kinotrailern und sieben TV-Spots, die – wie ich immer wieder fasziniert feststelle – ein bemerkenswertes Bild in Bezug auf den Wandel von Werbestrategien im Laufe der Jahre zeichnen.
Fazit: Für Star-Trek-Fans ist diese DVD, wie auch ihre Vorgänger in dieser Reihe, selbstredend ein Muss. In einer besseren Bild- und Tonqualität wird man den Film in absehbarer Zukunft nicht bekommen und die Extras bedeuten mehrere Stunden zusätzliche Unterhaltung auf angenehm hohem Niveau, sowohl was die Machart angeht, als auch den Informationsgehalt. Meine Empfehlung lautet also: kaufen und einen Film erleben, an dessen Ende man das dringende Bedürfnis hat, mal wieder mit ein paar richtig guten Freunden campen zu gehen.
Es gibt viele Blogs, die sich Fantasy-Themen widmen. Dieses Blog soll ganz der Science-Fiction in all ihren Spielarten gewidmet sein. Vor allem werde ich hier Buchrezensionen einstellen, aber auch gelegentlich solche von Filmen oder Brettspielen. Und mal sehen, was mir noch so einfällt.
Donnerstag, 1. April 2004
Freitag, 2. Mai 2003
Star Wars – Das Erbe der Jedi-Ritter 02: Die Schwarze Flut
Michael Stackpole war schon immer jemand, der gerne das Universum, in dem er sich gerade tummelte, bewegte. Berühmt dafür sind seine „BattleTech“-Romane, die lange Zeit den einzigen notwendigen Lesestoff darstellten, wenn man die großen Entwicklungen der Inneren Sphäre nachverfolgen wollte. Auch mit der „X-Wing“-Serie schrieb er „Star Wars“-Geschichte fort, statt einfach nur ein belangloses Kapitel hinzuzufügen, wie so manche anderen Autoren (etwa Barbara Hambly mit „Palpatines Auge“ oder Vonda McIntyre mit „Der Kristallstern“). Auch mit „Die schwarze Flut“, dem ersten Band seines neuen Zweiteilers, der die lang laufende „Das Erbe der Jedi Ritter“-Reihe fortsetzt, malt er am „big picture“ der Galaxis.
von Frank Stein
Die Handlung beginnt einige Zeit nach der ersten behutsamen Yuzzhan-Vong-Invasion im Äußeren Rand. Leia Organa-Solo versucht den Senat vor der schwelenden Gefahr der Besucher von jenseits der Galaxis zu warnen, erntet jedoch nur Missachtung. Daraufhin begibt sie sich auf eine Odyssee durch die Randgebiete der Republik, um auf eigene Faust Verbündete für ihre Sache zu finden. Luke Skywalker schickt derweil seine Jedi quer durch die Galaxis, um für die blinde Republik den Wächter zu spielen und nach Anzeichen weiterer Yuzzhan-Vong-Aktivitäten Ausschau zu halten. Und zu guter letzt macht sich auch das Rogue Squadron – mittlerweile unter Gavin Darklighter – auf den Weg, um einschlägige Erfahrungen mit der fremdartigen Bio-Technologie der Alien zu machen.
Damit wären alle Handlungslinien aufgedeckt: Es gibt eine Leia-Geschichte, in der sich auch Tochter Jaina und ExGal-Überlebende Danni Quee herumtreiben, es gibt eine Luke-und-Jacen-Geschichte, die Belkadan unsicher machen, es gibt eine Corran-Horn-Geschichte (natürlich, wie könnte Stackpole seinen persönlichen „main character“ vergessen), der sich mit dem arroganten Jedi Ganner auf die Suche nach einer Gruppe verschollener Archäologen begibt, es gibt eine Mara-Jade-und-Anakin-Geschichte, die eine Weile nix besseres zu tun haben, als auf Dantooine zu campen, und schließlich gibt es die besagte Rogue-Squadron-Geschichte mit Gavin und einer ganzen Reihe entbehrlicher Neuzugänge (was dringend nötig ist, denn natürlich erlebt man bei den ersten Gefechten gegen die Coralskipper der Yuzzhan Vong die zu erwartenden Verluste, und so trifft es wenigstens keinen alten Haudegen wie Wedge Antilles oder Tycho Celchu).
Die Yuzzhan Vong selbst spielen hierbei lange Zeit fast keine Rolle – einen Oberschurken wie Nom Anor findet man in „Die schwarze Flut“ nicht. Die Alieninvasoren stellen hier vielmehr „die dunkle Bedrohung“ hinter all der hektischen Aktivität der Helden dar, die nur in unpersönlicher Form – beispielsweise durch ihre Coralskipper oder als ferne Gestalten, die man von einem Hügel beobachtet – in Erscheinung treten. Doch Stackpole weiß, was er seinen Lesern schuldet und so lässt er diese ihren ganz eigenen Reiz entwickelnde Strategie sukzessive fallen und nähert sich den Feinden an. Zunächst sind es einzelne Kämpfe Mann gegen Mann, am Ende kommt es zum dramatischen Höhepunkt, der Schlacht um Dantooine, einem der beliebtesten Nebenschauplätze des „Star Wars“-Universums, der seinerzeit schon fast vom ersten Todesstern zerstört worden wäre. Hier führt Stackpole nun all die Handlungsfäden des Romans mehr oder minder elegant wieder zusammen, das Buch wird endlich dicht und dramatisch und die Bedrohung durch die extragalaktischen Sado-Maso-Krieger unmittelbar, die auf diese Weise die Kampfstrategien ihrer Gegner testen wollen.
Die Textstruktur ist fast etwas mechanisch angelegt. Sie ist in Prolog, 36 Kapitel und Epilog unterteilt, wobei bis zur letztlichen Zusammenführung auf Dantooine jeder Abschnitt sozusagen einer Sequenz entspricht, in der eine der zahlreichen Gruppierungen, die das breite Panorama der Post/Prae-Yuzzhan-Vong-Invasion zeichnen, ein kurzes Erlebnis hat. Bereits nach ein paar Kapiteln entwickelt man ein Gespür dafür, welche dramaturgische Funktion jeder einzelne, soeben gelesene Abschnitt haben sollte, und man beginnt unbewusst, einzelne Kapitel nach dem Bedeutungsgrad des Kerns, um den sie gesponnen sind, zu bewerten, was zwangsläufig die Banalität des einen oder anderen vor Augen rückt. Vielleicht wäre Stackpole besser gefahren, wenn er sich auf zwei oder drei statt fünf (und mitunter sogar mehr, wenn sich die Kleingruppen nochmal aufteilen) Handlungsstränge beschränkt hätte.
Zuletzt ist schade, dass Han Solo, nach dem Tod von Chewbacca der vielleicht interessanteste Charakter des Ensembles, kaum eine Textzeile gewidmet wird. Er darf einmal kurz betrunken und zynisch in der gemeinsamen Wohnung Leia und dem Senator von Caamas erscheinen, ansonsten kommt er nicht vor. Das ändert sich natürlich in späteren Bänden, es kann also einfach sein, dass verschiedene Autoren für verschiedene Aspekte der „Das Erbe der Jedi-Ritter“-Serie angeheuert wurden. Insofern ist dies nicht wirklich Stackpole anzulasten, sondern dem großen Plan der LucasBooks-Macher, nichtsdestoweniger schauen Han Solo-Fans in die Röhre, während sie sich durch all die Jedi-Geschichten arbeiten. Roboterfreunde werden zudem den guten C-3PO vermissen – die Spekulation liegt nahe, dass er Han auf seiner Selbstfindungsreise zurück zum heldenhaften Schurken begleitet.
Fazit: Als Präludium des auf zig Bände angelegten Epos der Yuzzhan-Vong-Invasion macht „Die schwarze Flut“ durchaus Sinn, als Einzelroman empfiehlt es sich kaum. Mit breiten Strichen zeichnet Stackpole das Panorama der Galaxis und vermittelt sowohl ein Gefühl des „Tages danach“ als auch „der Ruhe vor dem Sturm“. Nichtsdestoweniger hat das Buch in Struktur und Spannungsdramaturgie ein paar Mängel, und auch das Übergewicht an Jedi-Protagonisten wird manchem Leser aufstoßen. Insgesamt erreicht der Roman nicht ganz die atmosphärische Dichte von Salvatores erstem Band, liefert aber eine solide Fortsetzung. Als Teil der „Das Erbe der Jedi-Ritter“-Reihe ist er in jedem Fall um einiges interessanter als die Kinderbücher der Prequel-Ära und somit regelrecht ein „Muss“, wenn man sich auf erstere einlassen will.
Star Wars – Das Erbe der Jedi 02: Die schwarze Flut
Film/TV-Roman
Michael Stackpole
Blanvalet 2001
ISBN: 3442356733
377 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 8,50
bei amazon.de bestellen
von Frank Stein
Die Handlung beginnt einige Zeit nach der ersten behutsamen Yuzzhan-Vong-Invasion im Äußeren Rand. Leia Organa-Solo versucht den Senat vor der schwelenden Gefahr der Besucher von jenseits der Galaxis zu warnen, erntet jedoch nur Missachtung. Daraufhin begibt sie sich auf eine Odyssee durch die Randgebiete der Republik, um auf eigene Faust Verbündete für ihre Sache zu finden. Luke Skywalker schickt derweil seine Jedi quer durch die Galaxis, um für die blinde Republik den Wächter zu spielen und nach Anzeichen weiterer Yuzzhan-Vong-Aktivitäten Ausschau zu halten. Und zu guter letzt macht sich auch das Rogue Squadron – mittlerweile unter Gavin Darklighter – auf den Weg, um einschlägige Erfahrungen mit der fremdartigen Bio-Technologie der Alien zu machen.
Damit wären alle Handlungslinien aufgedeckt: Es gibt eine Leia-Geschichte, in der sich auch Tochter Jaina und ExGal-Überlebende Danni Quee herumtreiben, es gibt eine Luke-und-Jacen-Geschichte, die Belkadan unsicher machen, es gibt eine Corran-Horn-Geschichte (natürlich, wie könnte Stackpole seinen persönlichen „main character“ vergessen), der sich mit dem arroganten Jedi Ganner auf die Suche nach einer Gruppe verschollener Archäologen begibt, es gibt eine Mara-Jade-und-Anakin-Geschichte, die eine Weile nix besseres zu tun haben, als auf Dantooine zu campen, und schließlich gibt es die besagte Rogue-Squadron-Geschichte mit Gavin und einer ganzen Reihe entbehrlicher Neuzugänge (was dringend nötig ist, denn natürlich erlebt man bei den ersten Gefechten gegen die Coralskipper der Yuzzhan Vong die zu erwartenden Verluste, und so trifft es wenigstens keinen alten Haudegen wie Wedge Antilles oder Tycho Celchu).
Die Yuzzhan Vong selbst spielen hierbei lange Zeit fast keine Rolle – einen Oberschurken wie Nom Anor findet man in „Die schwarze Flut“ nicht. Die Alieninvasoren stellen hier vielmehr „die dunkle Bedrohung“ hinter all der hektischen Aktivität der Helden dar, die nur in unpersönlicher Form – beispielsweise durch ihre Coralskipper oder als ferne Gestalten, die man von einem Hügel beobachtet – in Erscheinung treten. Doch Stackpole weiß, was er seinen Lesern schuldet und so lässt er diese ihren ganz eigenen Reiz entwickelnde Strategie sukzessive fallen und nähert sich den Feinden an. Zunächst sind es einzelne Kämpfe Mann gegen Mann, am Ende kommt es zum dramatischen Höhepunkt, der Schlacht um Dantooine, einem der beliebtesten Nebenschauplätze des „Star Wars“-Universums, der seinerzeit schon fast vom ersten Todesstern zerstört worden wäre. Hier führt Stackpole nun all die Handlungsfäden des Romans mehr oder minder elegant wieder zusammen, das Buch wird endlich dicht und dramatisch und die Bedrohung durch die extragalaktischen Sado-Maso-Krieger unmittelbar, die auf diese Weise die Kampfstrategien ihrer Gegner testen wollen.
Die Textstruktur ist fast etwas mechanisch angelegt. Sie ist in Prolog, 36 Kapitel und Epilog unterteilt, wobei bis zur letztlichen Zusammenführung auf Dantooine jeder Abschnitt sozusagen einer Sequenz entspricht, in der eine der zahlreichen Gruppierungen, die das breite Panorama der Post/Prae-Yuzzhan-Vong-Invasion zeichnen, ein kurzes Erlebnis hat. Bereits nach ein paar Kapiteln entwickelt man ein Gespür dafür, welche dramaturgische Funktion jeder einzelne, soeben gelesene Abschnitt haben sollte, und man beginnt unbewusst, einzelne Kapitel nach dem Bedeutungsgrad des Kerns, um den sie gesponnen sind, zu bewerten, was zwangsläufig die Banalität des einen oder anderen vor Augen rückt. Vielleicht wäre Stackpole besser gefahren, wenn er sich auf zwei oder drei statt fünf (und mitunter sogar mehr, wenn sich die Kleingruppen nochmal aufteilen) Handlungsstränge beschränkt hätte.
Zuletzt ist schade, dass Han Solo, nach dem Tod von Chewbacca der vielleicht interessanteste Charakter des Ensembles, kaum eine Textzeile gewidmet wird. Er darf einmal kurz betrunken und zynisch in der gemeinsamen Wohnung Leia und dem Senator von Caamas erscheinen, ansonsten kommt er nicht vor. Das ändert sich natürlich in späteren Bänden, es kann also einfach sein, dass verschiedene Autoren für verschiedene Aspekte der „Das Erbe der Jedi-Ritter“-Serie angeheuert wurden. Insofern ist dies nicht wirklich Stackpole anzulasten, sondern dem großen Plan der LucasBooks-Macher, nichtsdestoweniger schauen Han Solo-Fans in die Röhre, während sie sich durch all die Jedi-Geschichten arbeiten. Roboterfreunde werden zudem den guten C-3PO vermissen – die Spekulation liegt nahe, dass er Han auf seiner Selbstfindungsreise zurück zum heldenhaften Schurken begleitet.
Fazit: Als Präludium des auf zig Bände angelegten Epos der Yuzzhan-Vong-Invasion macht „Die schwarze Flut“ durchaus Sinn, als Einzelroman empfiehlt es sich kaum. Mit breiten Strichen zeichnet Stackpole das Panorama der Galaxis und vermittelt sowohl ein Gefühl des „Tages danach“ als auch „der Ruhe vor dem Sturm“. Nichtsdestoweniger hat das Buch in Struktur und Spannungsdramaturgie ein paar Mängel, und auch das Übergewicht an Jedi-Protagonisten wird manchem Leser aufstoßen. Insgesamt erreicht der Roman nicht ganz die atmosphärische Dichte von Salvatores erstem Band, liefert aber eine solide Fortsetzung. Als Teil der „Das Erbe der Jedi-Ritter“-Reihe ist er in jedem Fall um einiges interessanter als die Kinderbücher der Prequel-Ära und somit regelrecht ein „Muss“, wenn man sich auf erstere einlassen will.
Star Wars – Das Erbe der Jedi 02: Die schwarze Flut
Film/TV-Roman
Michael Stackpole
Blanvalet 2001
ISBN: 3442356733
377 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 8,50
bei amazon.de bestellen
Samstag, 9. November 2002
Star Wars – Das Erbe der Jedi-Ritter 01: Die Abtrünnigen
In jedem Universum, das durch Romane fortgeschrieben wird, kommt irgendwann der Zeitpunkt, da neue Wege eingeschlagen werden müssen, um die Fans bei der Stange zu halten und um die eigenen Möglichkeiten zu erweitern. In „BattleTech“ vollzog sich irgendwann die Clan-Invasion, um die sich abzeichnende Übermacht Steiner-Davions zu brechen, in „Star Trek“ setzte man auf Spin-Off-Serien wie „Starfleet Corps of Enigeering“ oder „Die neue Grenze“, um den altgedienten Helden etwas Ruhe zu gönnen, in „Star Wars“ schließlich gab es die bedauerliche Regression in Kinderbuchwelten – und es gab die Yuuzhan Vong.
von Frank Stein
1999 entstand bei Del Rey ein groß angelegtes Buchprojekt namens „New Jedi Order“. 25 Jahre nach der Schlacht von Yavin gelegen soll es fünf Jahre umspannen und in etwa 20 Romanen erzählt werden. In Deutschland erschien bei Blanvalet (Goldmann) der erste Band „Die Abtrünnigen“ im November 2000, und seitdem hat sich leider nicht viel getan. Während der Handlungsbogen jenseits des großen Teichs fröhlich auf Band 15 zustrebt, existieren hierzulande gerade mal Band 2 und 3 von Michael Stackpole (Fans als begnadetem „BattleTech“-Autor bekannt), während Band 4 für April 2003 angekündigt ist. Wir werden alt und klapprig sein, bevor wir das Finale in deutscher Sprache zu lesen bekommen...
Band 1 nun, im Original „Vector Prime“ betitelt – was erheblich mehr Sinn macht –, stammt von dem renommierten Fantasy-Autoren R. A.Salvatore, der durch seine „Dunkelelfen“-Zyklen bekannt geworden ist und mittlerweile auch die Romanadaption zu „Angriff der Klonkrieger“ schreiben durfte. Auf 448 Seiten schlägt er ein neues Kapitel der „Star Wars“-Saga auf. Und dieses Kapitel hat es in sich:
Eine neue Bedrohung von außerhalb der bekannten Galaxis dringt in die Neue Republik ein. Es sind die Yuuzhan Vong, eine schreckliche Kriegerrasse, die es sich zum Ziel gemacht hat, diese Galaxis zu erobern und zu unterwerfen. Dabei konfrontieren sie die Heroen der Republik mit völlig neu- und fremdartigen Herausforderungen. So basiert ihr Waffenarsenal auf seltsam „lebendiger“ Biotechnologie, und krakenhaft monströse Kriegskoordinatoren sorgen durch ihre mentalen Kräfte für die perfekte Einheit der Invasoren-Streitkräfte. Außerdem scheinen sie völlig unbeeinflusst durch die Macht und kennen im Kampf weder Furcht noch Schmerz. Ihnen gegenüber steht eine zerrüttete Galaxis. Die Republik verliert sich in politischen Ränkespielen, Luke Skywalker kämpft um die Neugründung des Jedi-Rates, während seine Frau Mara von einer tödlichen Krankheit verzehrt wird, und im Hause Solo streiten sich drei heranwachsende Jedis über den richtigen Zugang zur Macht.
Als Einstieg in einen lang laufenden Zyklus darf „Die Abtrünnigen“ Dinge tun, die anderen Romanen vorenthalten wurde: Die Galaxis darf sich weiterdrehen. Große persönliche Konflikte bahnen sich in diesem Roman an oder werden bereits ausgelöst. Dies betrifft nicht nur altgediente Helden wie Luke, Han und Leia, sondern auch die „nächste Generation“ wie Jacen und Jaina, denen zunehmend Platz eingeräumt wird – ohne dass das Buch zu einem „Young Jedi Knights“-Verschnitt degenerieren würde. Salvatore beschreibt dies alles in einem mitreißenden Stil, der gegen Ende geradezu filmische Qualitäten erhält – man fühlt sich regelrecht in die Schlachten hineingezogen und erinnert sich an Yavin IV oder Endor.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist zweifellos der neue Gegner. Hier merkt man dem Roman eindeutig die Hand von Salvatore an. Die düsteren Sado-Maso-Krieger mit ihren insektoiden Biowaffen und ihrer Cthulhu-artigen Religion (man lese nur die Passagen über den Kriegskoordinator) erinnern frappierend an bleiche grausame Dunkelelfenzauberei, und man fragt sich überrascht, inwieweit der Autor und nicht die Planer bei LucasBooks verantwortlich zeichnet für die Entwicklung und Ausformulierung dieser neuen Bedrohung.
Die Yuuzhan Vong bringen einen völlig neuen Stil ins „Star Wars“-Universum, sie heben den Grad der Gefahr und des Grauens um einiges an. Kampfdroiden, Sturmtruppler oder Huttengangster nehmen sich dagegen vergleichsweise harmlos aus, am ehesten ist die Stimmung vermutlich mit den „Dark Empire“-Comics vergleichbar. Diese Entwicklung kann man lobpreisen als ersten ernsthaften Versuch seit langem, „Star Wars“-Romane für Fans über 12 Jahren zu schreiben. Man kann sie aber auch hassen als wahrscheinlich drastischste Entfernung von dem Pulp-Techno-Märchen-Feeling, das die „Star Wars“-Filme eigentlich ausmacht.
Fazit: Für Freunde des „Expanded Universe“ ist der neue Zyklus „Das Erbe der Jedi-Ritter“ ein Muss. Solche Action und Dramatik, die auch wirkliche Veränderungen innerhalb des „Star Wars“-Universums zur Folge haben, findet man sonst nur in den Romanen von Timothy Zahn. Da lässt sich auch über die etwas allmächtigen Solo-Kinder und die mitunter allzu Dark-Fantasy-mäßigen Antagonisten hinwegsehen. Wünschenswert wäre allein, dass der verantwortliche Verlag Blanvalet die Lücke zwischen deutschen und amerikanischen Ausgaben etwas zügiger schließt – ansonsten kann man nur den Griff zu den englischsprachigen Romanen raten.
Star Wars – Das Erbe der Jedi 01: Die Abtrünningen
Film/TV-Roman
R. A. Salvatore
Blanvalet 2000
ISBN: 3-442-35414-5
448 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 8,50
bei amazon.de bestellen
von Frank Stein
1999 entstand bei Del Rey ein groß angelegtes Buchprojekt namens „New Jedi Order“. 25 Jahre nach der Schlacht von Yavin gelegen soll es fünf Jahre umspannen und in etwa 20 Romanen erzählt werden. In Deutschland erschien bei Blanvalet (Goldmann) der erste Band „Die Abtrünnigen“ im November 2000, und seitdem hat sich leider nicht viel getan. Während der Handlungsbogen jenseits des großen Teichs fröhlich auf Band 15 zustrebt, existieren hierzulande gerade mal Band 2 und 3 von Michael Stackpole (Fans als begnadetem „BattleTech“-Autor bekannt), während Band 4 für April 2003 angekündigt ist. Wir werden alt und klapprig sein, bevor wir das Finale in deutscher Sprache zu lesen bekommen...
Band 1 nun, im Original „Vector Prime“ betitelt – was erheblich mehr Sinn macht –, stammt von dem renommierten Fantasy-Autoren R. A.Salvatore, der durch seine „Dunkelelfen“-Zyklen bekannt geworden ist und mittlerweile auch die Romanadaption zu „Angriff der Klonkrieger“ schreiben durfte. Auf 448 Seiten schlägt er ein neues Kapitel der „Star Wars“-Saga auf. Und dieses Kapitel hat es in sich:
Eine neue Bedrohung von außerhalb der bekannten Galaxis dringt in die Neue Republik ein. Es sind die Yuuzhan Vong, eine schreckliche Kriegerrasse, die es sich zum Ziel gemacht hat, diese Galaxis zu erobern und zu unterwerfen. Dabei konfrontieren sie die Heroen der Republik mit völlig neu- und fremdartigen Herausforderungen. So basiert ihr Waffenarsenal auf seltsam „lebendiger“ Biotechnologie, und krakenhaft monströse Kriegskoordinatoren sorgen durch ihre mentalen Kräfte für die perfekte Einheit der Invasoren-Streitkräfte. Außerdem scheinen sie völlig unbeeinflusst durch die Macht und kennen im Kampf weder Furcht noch Schmerz. Ihnen gegenüber steht eine zerrüttete Galaxis. Die Republik verliert sich in politischen Ränkespielen, Luke Skywalker kämpft um die Neugründung des Jedi-Rates, während seine Frau Mara von einer tödlichen Krankheit verzehrt wird, und im Hause Solo streiten sich drei heranwachsende Jedis über den richtigen Zugang zur Macht.
Als Einstieg in einen lang laufenden Zyklus darf „Die Abtrünnigen“ Dinge tun, die anderen Romanen vorenthalten wurde: Die Galaxis darf sich weiterdrehen. Große persönliche Konflikte bahnen sich in diesem Roman an oder werden bereits ausgelöst. Dies betrifft nicht nur altgediente Helden wie Luke, Han und Leia, sondern auch die „nächste Generation“ wie Jacen und Jaina, denen zunehmend Platz eingeräumt wird – ohne dass das Buch zu einem „Young Jedi Knights“-Verschnitt degenerieren würde. Salvatore beschreibt dies alles in einem mitreißenden Stil, der gegen Ende geradezu filmische Qualitäten erhält – man fühlt sich regelrecht in die Schlachten hineingezogen und erinnert sich an Yavin IV oder Endor.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist zweifellos der neue Gegner. Hier merkt man dem Roman eindeutig die Hand von Salvatore an. Die düsteren Sado-Maso-Krieger mit ihren insektoiden Biowaffen und ihrer Cthulhu-artigen Religion (man lese nur die Passagen über den Kriegskoordinator) erinnern frappierend an bleiche grausame Dunkelelfenzauberei, und man fragt sich überrascht, inwieweit der Autor und nicht die Planer bei LucasBooks verantwortlich zeichnet für die Entwicklung und Ausformulierung dieser neuen Bedrohung.
Die Yuuzhan Vong bringen einen völlig neuen Stil ins „Star Wars“-Universum, sie heben den Grad der Gefahr und des Grauens um einiges an. Kampfdroiden, Sturmtruppler oder Huttengangster nehmen sich dagegen vergleichsweise harmlos aus, am ehesten ist die Stimmung vermutlich mit den „Dark Empire“-Comics vergleichbar. Diese Entwicklung kann man lobpreisen als ersten ernsthaften Versuch seit langem, „Star Wars“-Romane für Fans über 12 Jahren zu schreiben. Man kann sie aber auch hassen als wahrscheinlich drastischste Entfernung von dem Pulp-Techno-Märchen-Feeling, das die „Star Wars“-Filme eigentlich ausmacht.
Fazit: Für Freunde des „Expanded Universe“ ist der neue Zyklus „Das Erbe der Jedi-Ritter“ ein Muss. Solche Action und Dramatik, die auch wirkliche Veränderungen innerhalb des „Star Wars“-Universums zur Folge haben, findet man sonst nur in den Romanen von Timothy Zahn. Da lässt sich auch über die etwas allmächtigen Solo-Kinder und die mitunter allzu Dark-Fantasy-mäßigen Antagonisten hinwegsehen. Wünschenswert wäre allein, dass der verantwortliche Verlag Blanvalet die Lücke zwischen deutschen und amerikanischen Ausgaben etwas zügiger schließt – ansonsten kann man nur den Griff zu den englischsprachigen Romanen raten.
Star Wars – Das Erbe der Jedi 01: Die Abtrünningen
Film/TV-Roman
R. A. Salvatore
Blanvalet 2000
ISBN: 3-442-35414-5
448 S., Taschenbuch, deutsch
Preis: EUR 8,50
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